Warum Monica Lierhaus mit ihrem Fernsehauftritt bei der Verleihung der "Goldenen Kamera" nach zwei Jahren Abwesenheit zum Vorbild taugt.
Die Moderatorin Monica Lierhaus bei ihrem Auftritt bei der Goldenen Kamera.
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Die Moderatorin Monica Lierhaus bei ihrem Auftritt bei der Goldenen Kamera.
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Monica Lierhaus ist keine Bundespräsidentengattin, die von Staats wegen den Kampf gegen die Gleichgültigkeit aufnimmt – gegen Gleichgültigkeit und Scheu beim Umgang mit Behinderten und von Krankheit Gezeichneten. Ihr Arbeitsplatz ist nicht ein Schreibtisch im Schloss Bellevue, nicht der Wohltätigkeitsbasar oder das von Brillanten umglänzte Dinner der Charity-Ladies. Die erfolgreiche Sportmoderatorin muss das Leiden anderer nicht wortreich beschwören. Jeder ihrer zaghaften Schritte, jedes ihrer sorgsam artikulierten Worte geben Zeugnis von ihrem eigenen Schicksal: Krankheit, Hirnoperation, künstliches Koma, eine noch längst nicht abgeschlossene Rehabilitation.
Sie versteckt ihr Leiden nicht hinter weißgrauen Lamellen im Krankenzimmer. Es riecht nicht nach Klinikflur. Ihr Leiden und ihr Lebensmut stehen vor uns. Die Zeiten, in der das Schicksal der schwer Gezeichneten nur Gegenstand eines entfernten Mitleids war, sind glücklicherweise vorbei. Kranke werden nicht mehr versteckt, Behinderte besuchen die Schule gemeinsam mit ihren Nachbarskindern, Schauspieler mit Down Syndrom spielen im „Tatort“ mit. Der an Parkinson erkrankte Hollywood-Star Michael J. Fox wurde mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Eine Kamera heilt keine Krankheit, aber sie macht Kranken Mut.
Das gilt auch für Monica Lierhaus. Ihr Auftritt im Fernsehen nach zweijähriger Abwesenheit und ihre Entscheidung, künftig für die Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ wieder im Scheinwerferlicht zu stehen, ist eine mutige Botschaft. Und es gab keinen besseren Ort für ihr Bekenntnis zum neuen Leben als die Verleihung der „Goldenen Kamera“. Wenn ein Fernsehstar sein mutiges „Ich bin wieder hier“ in die Welt hinausruft, dann tut er das nicht im Personalbüro, sondern vor seinen Kollegen und seinem Publikum. In einer Show, die vom Glück der Gewinner lebt und die Millionen erreicht, war diese Botschaft richtig platziert.
Die Gewinner der "Goldenen Kamera"
Ein sichtlich bewegter Günther Netzer hielt die Laudatio auf Monica Lierhaus.
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Nach dem Heiratsantrag küsste Rolf Hellgardt seine künftige Frau, die ihn eben als "meinen Helden" bezeichnet und um seine Hand angehalten hatte.
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US-Schauspielerin Renée Zellweger („Bridget Jones“) hat die Goldene Kamera als „Beste Schauspielerin International“ erhalten. Wir zeigen die weiteren Preisträger.
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Grand-Prix-Siegerin Lena Meyer-Landrut wurde in der Kategorie „Beste Musik National“ geehrt und zeigte sich überwältigt: „Das ist so krass und das ist so wahnsinnig berührend.“
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Ulrich Tukur bekam die Trophäe für sein „Tatort“-Debüt „Wie einst Lilly“.
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Anna Loos würde für ihre Rolle im ZDF-Drama „Wohin mit Vater?“ als beste deutsche Schauspielerin geehert.
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In der von Hape Kerkeling moderierten Gala durfte Anna Loos' Ehemann Jan Josef Liefers ebenfalls als Gewinner auf die Bühne treten: Er erhielt zusammen mit seinem Kollegen Axel Prahl die Goldene Kamera der Hörzu-Leser für den „Tatort“ aus Münster.
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John Travolta musste unzählige Autogramme geben, wurde dafür aber auch als bester internationaler Schauspieler geehrt.
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US-Schauspieler Michael J. Fox (re.) wurde für sein Lebenswerk geehrt. Damit wurde auch das Engagement des 49-Jährigen für die Parkinson-Forschung gewürdigt.
Fox („Zurück in die Zukunft“) nahm die Goldene Kamera von seinem US-Kollegen Danny DeVito (Mitte) entgegen, der im vergangenen Jahr selbst für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden war.
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Die für Disco-Hits wie „I Will Survive“ bekannte Sängerin Gloria Gaynor gewann ebenfalls eine Goldene Kamera für ihr Lebenswerk.
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Der dritte, der für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, war Armin Mueller-Stahl, hier mit Partnerin Gabriele Scholz.
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Den Preis für die "beste Musik international" bekam Eros Ramazzotti.
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Günther Jauch wurde zum besten deutschen Fernseh-Entertainer ernannt.
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TV-Moderator Dirk Steffens vom ZDF bekam die Goldene Kamera für das beste Informationsprogramm.
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Den Nachwuchspreis, die Lilli Palmer & Curd Jürgens-Gedächtniskamera, bekam Max Hegewald von Cordula Stratmann überreicht.
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Monica Lierhaus macht ihrem Freund Rolf Hellgardt einen Heiratsantrag - und er geht auf die Knie. Es war der bewegendste Moment bei der Verleihung der Goldenen Kamera am Samstag.
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Veröffentlichung des Leidens ist Befreiung
Monica Lierhaus hat den Panzer unserer Behaglichkeit durchbrochen. Sie hat sich von der Opferrolle befreit und mit ihrem Befreiungsakt ein Beispiel gegeben. Für das Private galt lange Zeit ein Vermummungsverbot. Jetzt beschreiben Kranke in den Medien ihren psychischen Ausnahmezustand. Jede Seelenregung wird öffentlich. Sie verstecken ihre von Chemotherapie gezeichneten Körper nicht unter Make-up und Perücken. Sie zeigen die Bilder demonstrativ in der Öffentlichkeit. Für sie ist die Veröffentlichung des intimen Leidens eine Befreiung. Sie fühlen sich nicht mehr allein. Der Bruch der Intimität bietet ihnen die Chance, Empathie für sich und gleichermaßen Betroffene zu wecken. Sie konfrontieren die Öffentlichkeit mit einem Schicksal, das schon morgen jeden von uns treffen kann. Das macht solche Bilder so ungemütlich.
Wer im Fernsehen ein Medium zur Pflege der persönlichen Gemütsruhe sieht, der wurde von Monica Lierhaus enttäuscht. Wer erwartet, dass das Fernsehen den Menschen aus der Fassung bringt und zur Gewissenserforschung treibt, der wird ihr dankbar sein. Geschichten von Leiden und Lebensmut und vom Dazugehören taugen nicht nur als Thema fürs Kleine Fernsehspiel, sondern sie müssen ständig Gesprächsstoff in der Gesellschaft sein. Das hat Monica Lierhaus geschafft.
Ernst Elitz ist Gründungsintendant des Deutschlandradios. Er lehrt an der Freien Universität Berlin Kultur- und Medienmanagement.