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ARD-Mediathek: Einfach mal Fakten schaffen

Ohne Eigenwerbung - und ohne Rücksicht auf die Politik - startet die ARD ihre Online-Plattform für Radio- und TV-Clips.

Oliver Pocher übt Bauchlandung, und das ist nun auch in der ARD-Mediathek zu sehen.
Oliver Pocher übt Bauchlandung, und das ist nun auch in der ARD-Mediathek zu sehen.
Foto: ARD

Plötzlich ging alles ganz schnell: ohne Warnung, ohne Pressemitteilung, und nicht einmal mit Reklame im eigenen Programm hat die ARD am Samstag im Internet ihre Mediathek gestartet. Dabei war die Plattform, die Nutzer mit Fernseh- und Radiobeiträgen versorgt, schon für den Herbst angekündigt. Noch am Freitag, als sich in Mainz die Online-Chefs der ARD zu einer letzten Abstimmung trafen, fand sich der Hinweis, einen genauen Starttermin gebe man "rechtzeitig bekannt".

Doch seit dem Wochenende warten nun weit mehr als 10 000 TV- und Radioclips auf surfende Zuschauer und Hörer. Die können jetzt ihren Hunger nach News, Ratgebern und Kultur, aber auch nach Schnulzen vom "Marienhof" und "Sturm der Liebe" oder Klatsch und Tratsch aus den Eisbär-Gehegen dieser Republik stillen.

Notfalls wieder aus dem Netz

Dass die ARD ihr Angebot fast heimlich in die Welt gesetzt hat, ist frech. Denn derzeit brüten Medienpolitiker über dem 12. Rundfunkstaatsvertrag, dem Gesetz für ARD, ZDF und Deutschlandradio. Darin wollen sie festlegen, was die gebührenfinanzierten Sender im Netz dürfen und was nicht. So soll die private Konkurrenz geschützt und ein fairer Wettbewerb gesichert werden.

Auch wenn inzwischen durchsickert, dass die Medienpolitiker äußerst zurückhaltend sein werden, sich Privatsender und Verleger also wohl nicht mit ihren Forderungen nach großen Internet-Schranken für die Gebührenfinanzierten durchsetzen dürften: Die ARD hat jetzt einfach mal Fakten geschaffen, statt auf diese grundlegenden Entscheidungen zu warten. In der ARD heißt es dazu lapidar, notfalls müsse sie eben wieder Teile aus dem Netz nehmen…

Ausschlussliste für den Hörfunk

Beim ZDF, das sich mit seiner Mediathek schon einen Namen gemacht hat, wird man sich zudem ins Fäustchen lachen. So fehlt der ARD-Mediathek, die noch als "Testversion" daher kommt, eine simple Übersicht aller Programme (kleiner Tipp: Die Eingabe des Sendungstitels in die Suchfunktion hilft erst mal weiter). Auch vermisst der Nutzer, was das ZDF schlüssig "Sendung verpasst?" nennt, eine zurückblickende Programmzeitschrift, bei der die Sendungen verknüpft sind.

Gelöst scheint immerhin das Problem, zu welchen Themen von welchen Radiowellen Beiträge in die Datenbank übernommen werden, denn natürlich will jeder Sender auf der Plattform groß rauskommen. Die Radiochefs haben sich auf eine Ausschlussliste geeinigt.

Dass die ARD dieses Problem hat, zeigt, mit welcher Macht sie sich im Netz aufstellen kann, wenn sie nur will. Und während die ARD stets beteuert, sie würde doch nur Angebote bündeln, die längst auf den Seiten der Landessender präsentiert werden, sieht die private Konkurrenz in eben dieser Konzentration das Problem.

Verwirrend bleibt, dass es zusätzlich zur ARD-Mediathek auch eine Version für das Erste gibt. Das hat damit zu tun, dass die Internetseite des Ersten nicht im SWR, sondern beim Bayerischen Rundfunk betreut wird. Dort ist man ein ganzes Stück weiter und bietet sowohl eine mit Beiträgen bestückte Programmzeitschrift als auch eine Sendungsübersicht an. Dem Nutzer allerdings wird sich kaum erschließen, warum er mal die Mediathek des Ersten, mal die ARD-Variante anklicken soll.

Autor:  DANIEL BOUHS
Datum:  13 | 5 | 2008
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