Sie trennen sich, sie trennen sich nicht, sie trennen sich Die Nachricht um Angelina Jolies und Brad Pitts vermeintliche Trennung, die Folgemeldungen zur Versöhnung, die es womöglich gar nicht gegeben haben konnte, weil es vielleicht nicht mal einen Streit gegeben hatte - dieser Weltkaffeeklatsch hat in wenigen Wochen eine Karriere gemacht, wie sie selbst der Klatsch über Liz Taylor und Richard Burton nicht gemacht hätte, wenn sich die beiden schon zu Internetzeiten geküsst und geschlagen hätten.
Der Boulevard dämmert also - aber nicht etwa dank "Brangelina", denn das Hollywood-Traumpaar trägt im Vergleich zu Taylor/Burton ja kaum etwas aktiv dazu bei, meistens nur seine pure Existenz. Die allein aber befeuert Phantasien und Wunschvorstellungen von Millionen, wenn nicht Milliarden - und deshalb auch die Journalisten. Recherche wäre da nur ein Abkühler.
Zugegeben, das alles ist nicht neu. Neu ist, wie die Gerüchteköche in Redaktionen ihr plumpes Nachschwätzen zur journalistischen Tugend schönreden. Auch davon erzählt diese kleine Quellenforschung.
Zur Erinnerung: Ende Januar behauptet das Londoner Klatschblatt News of the World, Jolie und Pitt hätten sich auf eine Trennung geeinigt, für die Modalitäten einen Anwalt eingeschaltet und Verträge unterschrieben. Kurz darauf raunt es die ganze Welt. Wiederum kurz darauf folgt das Dementi der Familie Jolie/Pitt. Worauf die einschlägigen Medien bilder- und wortreich zu rätseln beginnen, wie glaubwürdig das Dementi sei, um bald darauf neue "Details" zur Trennungsabsicht zu vermelden. Da erst wird es Jolie und Pitt zu bunt: Sie verklagen News of the World wegen Falschbehauptungen. Worauf andere Zeitungen darüber berichten, wie News of the World ein Gerücht in die Welt gesetzt hat - ohne freilich zu erwähnen, dass das Gerücht ohne ihre Leistung kaum ein solch hartnäckiges geworden wäre.
Klar, Prominente leben von medialer Aufmerksamkeit. Mal bedienen sie sie, mal meiden sie sie, mal verteufeln sie sie, so ist das seit Jahr und Tag. Heute aber entscheidet allein die Toleranzgrenze der Promis, wie weit die Medien es treiben, journalistische Selbstreflexion, gar Selbstermahnung: Fehlanzeige. Jolie und Pitt nahmen das Bohai um ihr Privatleben lange Zeit gelassen hin. Als Brad Pitt einmal nach seiner Beziehung gefragt worden war, flachste er in die Fernsehkamera: Es werde so viel geschrieben, dass er selbst nicht wisse, wie es gerade um ihn und Jolie stünde.
Die 34-Jährige und der 46-Jährige sind selbstbewusst genug, um zu wissen, dass es vor ihnen nur ein vergleichbares Hollywood-Traumpaar gab: eben Liz Taylor und Richard Burton. Auch die hatten sich bei gemeinsamen Dreharbeiten kennengelernt, auch die feierten ein Happy End fern der Studios. Während aber Taylor und Burton ihre Hassliebe in die Welt hinausschrien, sind Jolie und Pitt in Herzensangelegenheiten virtuos öffentlich, also eigentlich diskret. Einzig wenn es darum geht, sich im rechten Licht darzustellen, inszenierten sie sich als das "Gewissen Hollywoods", wie es Peter Lewandowski, Chefredakteur der Illustrierten Gala, formuliert. Im Dienst der Armen und Entrechteten mobilisieren sie Millionenspenden, engagieren sich als Botschafter und Wohltäter - bis hinein ins Familienleben. Drei ihrer sechs Kinder sind adoptiert.
"Die beiden wissen sehr gut, wie sie mit dem Verkauf ihrer Privatheit gute Taten verknüpfen können", sagt auch Bunte-Reporterin Eva Kohlrusch - und erinnert als Paradebeispiel dafür an den Mai 2006. Jolie deklarierte damals die Geburt ihrer Tochter Shiloh Nouvel in Namibia einerseits als geheim und ließ sogar das Krankenhaus absperren, andererseits "hat sie die ganze Pressemeute benachrichtigt, um auf die Nöte des Landes aufmerksam zu machen", sagt Kohlrusch. "Da fragt man sich als professionelle Beobachterin, ob die beiden Opfer oder Regisseure der sie verfolgenden Medien sind."
Nun aber scheinen Jolie und Pitt die Kontrolle über die Medien verloren zu haben. Kein Wunder. Es sind längst nicht mehr allein die üblichen verdächtigen, insbesondere britischen Blätter, die Halbgares über Superstars auftischen. Auch die vermeintlich Seriösen köcheln mit und vernachlässigen allzu gern handwerkliche Grundregeln. Ergötzt sich irgendeine deutsche Tageszeitung nicht an der Brangelina-Soap?
So ist denn auch mehr als fraglich, ob Jolie und Pitt mit ihrer Klage die Gerüchteküche kaltstellen können. Nun wird aufgewärmt:
"Ach, das kennen wir schon", schreibt etwa das deutsche Starmagazin In: Kurz vor dem Aus zwischen Brad Pitt und seiner Ex-Frau, der Schauspielerin Jennifer Aniston, sei die Trennung auch dementiert worden.
Ja ja, mit der Liebe ist es halt meistens so wie mit dem Leben: Irgendwann ist es vorbei, und wer das Ende als Erster vorhergesagt hat, kann hinterher behaupten, immer schon gewusst zu haben, dass es so kommt. Mit Journalismus hat das nichts zu tun.
Joachim Widmann ist Chefredakteur des Deutschen Depeschen-Dienstes, einer Nachrichtenagentur, deren Kürzel ddp tagtäglich hinter vielen Zeitungsmeldungen zu finden ist. Sie war die Erste, die "Brangelinas" angebliche Trennung republikweit in die Redaktionen geschickt hat. Das Ganze passierte am 24. Januar, einem Sonntag.
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