Es hätte so schön sein können: "Eastwick", eine lose auf John Updikes Roman (und einem 1987 entstandenen Kinofilm) basierende Fernsehserie, sollte dem Sender ABC seit September mittwochabends solide Quoten bringen. Anspruch, Werbewirksamkeit und aufwendige Produktion sprachen dafür. Doch jetzt ist schon wieder Schluss, nach eher bescheidenen Zahlen wurde die Comedy-Serie "Ugly Betty" auf den Mittwochabend gehoben, zwei fertig gestellte "Eastwick"-Episoden landen ungesendet in der Schublade.
So ist das Serien-Geschäft in den USA heute, das goldene TV-Zeitalter ist vorbei. Vor zehn Jahren luden sich erst die Bezahl-Sender, dann auch die frei empfangbaren Networks noch aufwendige, anspruchsvolle Serien auf, gaben Machern und Markt Gelegenheit, sich zu entwickeln. Man setzte auf Renommier-Projekte, die ihre Kosten spätestens durch internationale Verkäufe und auf DVD refinanzierten. Inzwischen hat sich längst Kater-Stimmung breit gemacht.
Wenige Serien überstehen heute ein, zwei Staffeln, immer öfter werden Produktionen, die wie "Eastwick" hinter den Erwartungen zurückbleiben, aus dem Sendeplan katapultiert: "Life" wurde abgesetzt, ebenso "My Name Is Earl" und auch "Lipstick Jungle" der "Sex and the City"-Erfinderin Candace Bushnell. Sogar wenn die Zuschauerzahlen stimmen, werden Sendungen abgeschaltet. "Saving Grace" lieferte dem Sender TNT gute Zahlen, doch Produzent Fox stellte die Serie trotzdem ein - die Verkäufe auf dem internationalen Markt und im Home-Entertainment-Bereich waren zu gering.
Auch die großen Überraschungserfolge von einst haben heute kaum noch eine Chance. Von ihnen verliert das US-Fernsehen momentan einige: Nach 15 Jahrgängen wurde im Frühjahr "Emergency Room" eingestellt, die letzte "Monk"-Folge lief Anfang Dezember, "Lost" wird im Frühsommer abgeschlossen. Selbst Traditionsformate müssen jetzt weg: "Guiding Light" wurde gerade nach 57 Jahren eingestellt, im nächsten Jahr soll "As The World Turns" (Sendebeginn: 1956) folgen. Jenseits einer Handvoll Hits wie "Desperate Housewives" (ABC, seit 2004), "Heroes" (NBC, seit 2006), "Mad Men" (AMC, seit 2007) und "True Blood" (HBO, seit 2008) sowie wenigen krisenfesten Formaten wie "CSI" samt seinen Ablegern wird es schwer.
Wegbrechende Werbeeinnahmen
Die Schwierigkeiten sind teilweise globaler Natur - im Zusammenhang mit der Finanzkrise sind den Sendern die Werbeeinnahmen weggebrochen, schwache Zahlen stehen da steigenden Kosten für Besetzung, Produktion und Promotion gegenüber. Doch einige Probleme sind auch hausgemacht. Immer mehr Zuschauer sehen Serien nicht mehr im Fernsehen: DVDs und illegale Downloads aus dem Internet werden zunehmend zum Haupt-Medium; in der Regel lassen sich neue Episoden schon direkt nach der Erstausstrahlung im Netz finden.
Dazu kommen auch eher verzweifelt wirkende Versuche, analog zur Musikindustrie neue Vertriebswege und Zuschauergruppen zu erschließen: iTunes bietet Serien an, seit März 2008 können US-Zuschauer im Internet über "Hulu" ausgewählte Episoden kostenlos sehen. Der digitale Boom frisst sich zunehmend in das Geschäftsmodell TV-Serie, mobile Angebote werden die Krise kaum lindern können. Keine Frage, Inhalte werden gebraucht. Wer sie bezahlt und was man produziert, bleibt offen.
Für die Serien-Macher, von den Sendern einst als Innovatoren hofiert, heute längst als lästiges Übel gesehen, bleibt oft nur die Hoffnung auf einen Senderwechsel: Seit Jahresbeginn läuft "Scrubs" nicht mehr auf NBC sondern auf ABC, "Medium" ist von NBC zu CBS gewechselt, gerade werden 26 "Futurama"-Episoden produziert, die dann nicht wie bisher bei Fox, sondern bei Comedy Central gezeigt werden. Das Fernsehen als Verschiebebahnhof, tote Gleise inklusive.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.