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Erol Sander: Es macht Spaß - so what?

Nach vielen Rollen als exotisches Gesicht deutscher Schnulzen ermittelt Erol Sander nun in Istanbul. Im Gespräch mit der FR erklärt er, warum er sich als türkischen Preußen sieht.

Nach vielen Rollen als exotisches Gesicht deutscher Schnulzen ermittelt Erol Sander nun in Istanbul: Mordkommission Istanbul: Die Tote in der Zisterne
Nach vielen Rollen als exotisches Gesicht deutscher Schnulzen ermittelt Erol Sander nun in Istanbul: "Mordkommission Istanbul: Die Tote in der Zisterne"
Foto: dpa

Herr Sander, als Kommissar Özakin bezeichnen Sie sich als türkischer Preuße. Sind Sie das auch im echten Leben?

Wenigstens bin ich jemand, der seinen Beruf mit preußischer Genauigkeit und Energie in die Hände nimmt. Und wenn man jemandem ein halbes Leben lang sagt, deutscher sein zu müssen als die Deutschen selbst, wird man, glaube ich, automatisch zum Preußen.

Zur Person

Erol Sander, 1968 in Istanbul geboren, lebt seit 1973 in München und begann dort seine Karriere als türkischer RTL-Kommissar Sinan Toprak. Nach vielen Rollen als exotisches Gesicht deutscher Schnulzen ermittelt Erol Sander nun in Istanbul: "Mordkommission Istanbul: Die Tote in der Zisterne", ARD, Do., 20.15 Uhr.

Schließt sich mit der Rolle eines türkischen Kommissars ein Kreis zum Beginn Ihrer Karriere, als Sie der Münchner Kommissar Sinan Toprak waren?

Ach, ich habe seither 52 Filme gedreht, in den meisten spielte ich Hauptrollen. Das ist lange her.

Viele dieser Filme gelten als Schmonzetten. Stört Sie die Kritik des Feuilletons?

Da wird über vieles geklagt, was mehr als zehn Millionen Menschen schauen. Menschen brauchen diese Filme, weil der Alltag voll schlechter Nachrichten und Stress ist, in dem es nichts Schönes zu entdecken gibt. Deshalb steht in solchen Filmen die Entdeckung des Fremden im Mittel-punkt, Exotik, fremde Länder. Wir machen Urlaubsfilme mit Alltagsdramaturgie. Die Kunst liegt darin, den Film authentisch rüberzubringen, was viel schwieriger ist als in einem Konfliktfilm.

Das müssen Sie erklären.

"Ich liebe dich" zu sagen, während der Sonnenuntergang ins Meer leckt, ist so schwülstig, dass man sich umso mehr um Glaubhaftigkeit bemühen muss, als in einer nüchternen Atmosphäre, wo die meisten Liebeserklärungen gemacht werden. Und dazwischen stehen auch noch Konstruktionsformate wie "Big Brother". Authentizität ist eine Sache schauspielerischer Übung.

Stört es Sie, als Typ "schöner Lover" bekannt zu sein?

Nein. Als ich mit dem "Tatort: Feuerstelle" unlängst meinen 50. Film gedreht habe, waren davon vielleicht die Hälfte Romanzen. Aber so ist das Fernsehgeschäft, 50 Prozent Liebesfilme, 30 Krimis, 20 für den Rest. Ich liege voll im Thema und habe in "Alexander" neben Colin Farrell, Angelina Jolie, Anthony Hopkins gespielt. Für Oliver Stone war ich ein kleiner TV-Actor, am Ende hat er sich bei mir bedankt, eigene Farbe eingebracht zu haben. Ich bin erst sieben Jahre dabei und bediene den Markt. "Alpenklinik" ist ein Heimatfilm in der Tradition der 50er, 60er, aber hey - ich bin 39, ich bin fit, mir macht es Spaß. So what?

Nur nach Ihrer Herkunft werden Sie selten besetzt.

Meist spiele ich Deutsche. Und in den restlichen fünf bis zehn Prozent sind es Südländer, nicht unbedingt Türken. Es passiert natürlich, dass man mich nach meiner Herkunft definiert, aber genau das ist es ja, was wir nicht wollen: der … Arbeitnehmer, der … Konsument, der … Täter. Leerstellen, in die man Nationalitäten einfügen kann. Unser Anliegen ist, Herkunft zu verschweigen, um keine Grenzen zu errichten. Aber wenn die Rolle nicht so klischeehaft gestaltet ist, dass einem schlecht wird, lasse ich mich auch gern über meine Herkunft definieren.

Sie meiden die Zuschreibung "türkisch" nicht?

Um Gottes Willen, nein! Zumal meine Karriere als türkischer Kommissar begonnen hat. Dazu gehörte allerdings ein Spannungsmoment, um es dem Klischee zu entziehen: Dass er von allen Seiten zu spüren bekam, sich anpassen zu müssen, mit der Folge, deutscher zu werden als die meisten Deutschen. Da wird man schnell angepasster als nötig. In "Die Tote in der Zisterne" spielen wir auch mit ein paar Klischees, zeigen aber vor allem das schöne Istanbul. Stichwort Exotik. Aber alles in Grenzen. Ich finde es schlimm, wenn man in der Zeitung liest, ein türkischer Täter habe dies und dies geklaut. Man spricht ja auch nicht vom deutschen Täter.

Erleben Sie diese Art der Ausgrenzung auch selbst?

Nee, abgesehen davon, dass jeder mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Wenn einer mit rosafarbenem Anzug zum Ball kommt, fällt es vielen schwer, das hinzunehmen. Man erregt mit jeder Art Abweichung Aufsehen. Das passiert, nur darf man nie vergessen, rücksichtsvoll mit Menschen umzugehen. Wir leben in einem der demokratischsten Länder der Welt, in dem man denken und darstellen kann, was man will. Das sollten wir aufrechterhalten.

Versucht man dennoch, Sie vor politische Karren zu spannen?

Na klar, ständig. Aber auch da rede ich nicht drüber. Ich bin in Bayern aufgewachsen, habe zwei Jahre ministriert, war mit Django Asül wahrscheinlich der einzige Türke im Kloster und a bissl Bayrisch konn i o. Aber das kann ich nur übernehmen. Bayrisch definiert sich wie jeder Dialekt über Emotionen, und das benutze ich manchmal, um mich emotional verständlich zu machen, dahoam.

Klingt volkstümlich.

Eher bodenständig, schon durch meine Frau. Die gibt mir die Kraft, nicht abzuheben. Ich bin in Bayern aufgewachsen, liebe die Berge, vergesse aber meinen Ursprung nie. Mein Heimatbegriff ist undefiniert. Ich kam mit fünf Jahren her, vorher hatte ich keine Heimat. Die ist dort, wo man sich zuhause fühlt. Meine ist Bayern.

Interview: Jan Freitag

Datum:  1 | 10 | 2008
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