Vor zwei Jahren erklärte die Gesellschaft für deutsche Sprache den Begriff "Klimakatastrophe" zum Wort des Jahres. Heute ist die bedrohliche Veränderung des Weltklimas in aller Munde, freilich haben sich Politik und Medien inzwischen darauf verständigt, lieber vom Klimawandel als von der Katastrophe zu sprechen.
Diese semantische Verharmlosung war vielleicht der legitime Preis dafür, dass die Rettung der Welt ein Mainstreamthema werden konnte - und zwar nicht nur, weil der Ausverkauf der Natur alle angeht, sondern auch, weil es inzwischen zwischen Abwrackprämie und Billigmilch auch ein bisschen schick geworden ist, klimaneutral zu leben.
Das Geheimnis der Wale, Sonntag und Montag, 20.15 Uhr, ZDF.
Aber wir wollen nicht ungerecht sein: Es ist sicher nicht die schlechteste Modeerscheinung, wenn sich das ZDF nun mit der Verlärmung der Weltmeere beschäftigt und einen millionenschweren Event-Zweiteiler produziert. "Das Geheimnis der Wale" ist ein mit hohem Schauwert inszenierten Ökothriller und freilich eher das Geheimnis der profitgierigen britischen Energiefirma Gasonec.
Die möchte in der bisher unberührten Bucht von Tekoura nach Gasvorkommen suchen. Und zwar mithilfe von seismischen Untersuchungen, deren Schallwellen einen ohrenbetäubenden Krach auf dem Meeresboden verursachen und den Orientierungssinn von Delphinen und Walen lebensbedrohlich beeinträchtigen. Ganz am Ende eines tragischen Dominoeffektes stranden dann in den beliebten Ferienbuchten desorientierte Wale.
Die Zusammenhänge, die im Film von Mario Adorf als Meeresbiologe erklärt werden, gibt es tatsächlich. Die Verlärmung der Meere durch Schiffsverkehr und moderne Sonartechniken beschäftigt seit Jahrzehnten Ökologie- und Tierschutzverbände.
Dass die Energiekonzerne bei der Durchsetzung ihrer millionenschweren Vorhaben ohne Zögern über Leichen gehen, möchte man gerne annehmen - ist aber anders als der Rückgang der Buckelwalpopulationen nicht beweisbar.
Sorgsam haben die Drehbuchautoren Richard Reitlinger und Natalie Scharf die Interessenslagen aufgefächert, die ins Spiel kommen, wenn Ökologie gegen Ökonomie stehen: Denn nicht nur die gierigen Schergen von Gasonec, sondern auch die einheimischen Maori hoffen in "Das Geheimnis der Wale" auf einen beträchtlichen Gasfund.
Sie versprechen davon einen wirtschaftlichen Aufschwung ihrer Region. Die aus Europa zugereisten Klimaschützer empfinden sie deshalb eher als Störenfriede. Und tatsächlich kommt auch Anna Waldmann (Veronica Ferres) mit ihrer halbwüchsigen Tochter Charlotte nicht nach Neuseeland, um die Wale zu retten, sondern um die Tochter möglichst weit von ihren falschen Berliner Freunden zu entfernen.
Kaum im Maoriland angekommen, entwickeln die beiden eine große Zuneigung zu Land und Leuten - die Mutter vor allem zum Ökoaussteiger Chris Castell (Christopher Lambert) und die Tochter zum smarten Maori Paka (Joe Dekkers-Reihana).
Das Überleben der Wale wird für sie zu einer multikomplexen Herzensangelegenheit, für die Anna mit gefährlichen Tauchgängen schließlich ihr Leben riskieren wird. Das ist spannend erzählt und von Phillip Kadelbach mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen und imposanten Unterwasseraufnahmen genregemäß inszeniert.
Gedreht wurde übrigens überwiegend in Südafrika, wo inzwischen eine international beliebte Filmindustrie entstanden ist, weswegen deutsche Stars nun reihenweise ans Kap eingeflogen werden und ihre persönliche Kohlendioxyd-Bilanz belasten.
Übrigens: Die ZDF-Hauptredaktion "Unterhaltung Wort" verantwortet nicht nur "Das Geheimnis der Wale", sondern auch die Fernsehreihe "Das Traumschiff". Und auch die MS Deutschland kreuzt nicht gerade lautlos durch die Weltmeere.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.