Mark Zuckerberg hatte bereits im September verraten, dass sein soziales Netzwerk Facebook mal wieder umgebaut wird und eine neue Funktion einführt. Timeline ist ihr Name, in Deutschland heißt sie Chronik. Nun wurde sie ohne Ankündigung auch hierzulande freigeschaltet.
Mit der Chronik sollen die 800 Millionen Facebook-Nutzer die „Geschichte des eigenen Lebens erzählen“, hat Mark Zuckerberg die neue Funktion erläutert. Alles, was eine Person auf Facebook macht und hinterlässt, alle Postings, Fotos, Interessen, Freunde und geteilte Links, werden auf einer Seite dargestellt. Diese persönliche Facebook-Seite ist mehr als nur ein Steckbrief, sie erinnert eher an eine selbstgestaltete Webseite.
Für den Kopf der Chronik suchen die Nutzer ein „einzigartiges Bild“, das wie ein Aufmacherfoto über der ganzen Seite liegt. Darunter kommen Informationen wie der Beruf und der Freundeskreis, dann alle Postings und Aktivitäten in zwei Spalten, links und rechts entlang eines Zeitpfeiles angeordnet. Damit lässt sich viel komfortabler als früher in die Vergangenheit springen – über eine Schnellnavigation auch direkt auf ein länger zurückliegendes Ereignis.
Nutzer, die die neue Funktion ausprobieren möchten, müssen die Webseite facebook.de/about/timeline besuchen und die Testphase aktivieren. Diese dauert maximal sieben Tage und bietet dem Nutzer die Möglichkeit, sich mit der neuen Darstellung vertraut zu machen. Bis der Nutzer die Chronik veröffentlicht, sehen die Facebook-Kontakte noch die alte Profilseite. Allerdings ist diese „Testphase“ eher eine Galgenfrist – denn wer sie startet, kann nicht mehr zurück: Spätestens nach einer Woche wird die Chronik automatisch freigeschaltet. Wer gar nichts tut, behält seine gewohnte Darstellung, zumindest fürs Erste, sagt ein Facebook-Sprecher.
Eine Chronik-Seite wirkt individueller als der alte Steckbrief. Wichtige Ereignisse können hervorgehoben oder später nachgetragen werden – wie bei einem Fotoalbum, in das man auch Jahre später noch ein Bild an der richtigen Stelle einkleben kann. Damit bekommen nicht nur die Freunde einen besseren Eindruck von einer Person. Facebook wird für den Nutzer auch ein multmediales Tagebuch.
Bei Herumspielen mit der neuen Funktion stellt sich bald der Wunsch ein, Lücken in der digitalen Biografie zu füllen. So bekommt Facebook einen tiefen Einblick in das Leben seiner Nutzer. Facebook erfährt, mit wem und wo jemand das Abitur gefeiert oder Urlaub gemacht hat. Beobachten lässt sich das etwa am Beispiel von Arianna Huffington, Herausgeberin der Huffington Post: Die prominente Journalistin breitet ihr gesamtes Leben in ihrer Chronik aus und postet etwa Fotos von ihrer Tochter oder ihrer Hochzeit 1986. Mit solchen Daten wird Facebook extrem attraktiv für Werbekunden.
Nein, wie bisher ist es jedem Nutzer selbst überlassen, wie viel er von sich preisgibt. Die ohnehin vorhandenen Daten werden nur anders dargestellt. Es kann zwar passieren, dass schon vor Jahren veröffentlichte Fotos nun plötzlich prominent in der Chronik auftauchen, während sie bisher unbemerkt in einem der Bilderordner lagen. Aber solche Überraschungen soll die 7-Tage-Testphase verhindern. Jedes Foto und jeder Eintrag lässt sich schnell wieder vor den anderen Nutzern verbergen.
Zusammen mit der Chronik hat Mark Zuckerberg eine weitere Neuerung angekündigt: Beim „seamless sharing“ können Anwendungen direkt auf die Facebook-Seite posten. Die App der britischen Zeitung Guardian etwa teilt den Freunden eines Nutzers automatisch mit, welchen Artikel er gerade gelesen hat. Spotify meldet jeden gehörten Song, Netflix angesehene Filme. Die meisten dieser Apps dürften in Deutschland erst in den nächsten Wochen verfügbar sein. Vielen Nutzern ist der „Gefällt mir“-Button lieber, weil sie so kontrollieren können, was sie Freunden empfehlen.
Es gibt zwei Möglichkeiten: ein Konto kann zwischenzeitlich deaktiviert oder komplett gelöscht werden. Informationen hierzu findet, wer über den Menüpunkt „Hilfe“ die Worte „Account löschen“ eingibt.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.