Man muss wohl schon über vierzig sein, um bei dem Stichwort "Flick" nicht an einen Schreibfehler und das Internetportal "flickr" zu denken, sondern an den größten Bestechungsskandal der BRD. Oder noch weiter zurück: an die NS-Zwangsarbeiterverbrechen und an die millionenschweren Rüstungsgewinne der schwerindustriellen Familiendynastien wie Krupp, Quandt oder eben Flick.
Allen diesen Familien hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen inzwischen seine Aufmerksamkeit gewidmet: Das ZDF verfilmte Aufstieg und Fall der Krupps in einem opulenten Dreiteiler mit Iris Berben; der NDR investierte fast vier Jahre Recherche in ein hochkarätiges Dokumentarstück über das "Schweigen der Quandts". Thomas Fischer, Autor des Zweiteilers "Flick", entschied sich nun für die Form eines Dokudramas, also für eine geschmeidige Kompilation aus gespielten Szenen und dokumentarischem Material.
Es ist die erste Fernseharbeit über die Familie Flick, die sich bisher der öffentlichen Neugier bestmöglich entzogen hatte. Nun haben die Millionenerben der dritten Flick-Generation dem Filmemacher ihre Privatarchive geöffnet; mehr als die Hälfte der im Film gezeigten Bilder, so betont Fischer, sei bisher noch nicht gezeigt worden. Wer freilich glaubt, das habe die Aufarbeitung der Familiengeschichte leichter gemacht, irrt.
Das Gegenteil ist der Fall: Aus dem skrupellosen Mogul Friedrich Flick, der seine erste Million trickreich durch spekulative Aktientransaktionen während der Weltwirtschaftskrise machte und später, von der Not jüdischer Kaufleute profitierend, zum reichsten Mann des Dritten Reiches aufstieg, wird wieder ein Mensch wie du und ich, wenn er als junger Kaufmannssohn ins Bild aus dem Familienalbum gesetzt werden kann. Wenn er auch im Kreise seiner Lieben auftauchen kann und nicht nur im Umfeld der Nazigrößen, die ihn bevorzugt beauftragten.
Vielleicht ohne es vorgehabt zu haben, schnurrt die "Story" des TV-Films "Flick" zudem auf eine tragische Vater-Sohn-Geschichte zusammen. Wie der Erstgeborene Otto-Ernst vergeblich gegen den Übervater anläuft und wie Friedrich-Karl sich als Gegenfigur auf die Rolle des Playboys zurückzieht, nimmt unverhältnismäßig viel Raum ein.
Dabei ist es ist ein Missverständnis zu glauben, die "flickr"-Generation würde sich für deutsche Nachkriegsgeschichte mehr interessieren, wenn man sie aufbereitet wie eine Homestory in der Gala. Das Gegenteil ist der Fall: Wen kümmerts, ob die Flick-Kinder reich, aber unglücklich waren?
Flick, 20.15 Uhr, Arte
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