Schmuck sind sie ja, die Häuser an der Peripherie der Großstadt, dort wo die netten Familien wohnen. Aber das trügt. Hinter den Fassaden verstecken sich die zerbrochenen Träume einer bürgerlichen Existenz: Egoismus isst Seele auf.
Der Albtraum des gut situierten Ehepaars beginnt mit einem Streit zwischen Mutter und Tochter. Lilli ist 15 und mächtig genervt von ihrer Mutter Marlis (Claudia Michelsen). Als Lilli und die Nachbarstochter plötzlich spurlos verschwunden sind, glaubt Marlis nicht an einen dummen Teenager-Streich, wie ihr Kripo und Ehemann einreden wollen. Vieles sieht für sie nach einem Gewaltverbrechen aus: Blut, Spermaflecken, Lillis rote Wollmütze.
"Sieben Tage", ARD, 20.15 Uhr.
Der Ort hat tausend Augen, und irgendjemand will den Vater (Samuel Finzi) einmal mit der Nachbarstochter in einer Gartenlaube gesehen haben. "Dein Mann ist niemand, der auf kleine Mädchen steht", sagt die Nachbarin mit eigenartiger Überzeugung, und da beginnt das Glas zu zerspringen.
Nur Lukas Frieden (Uwe Bohm) vermag eine neue Richtung anzudeuten, ein Kommissar mit zärtlichen Gesten und traurigem Blick. Die Verlorenheit der Erwachsenen ist das Thema des Fernsehfilms, Menschen am Scheidepunkt.
Nur ein Gesichtsausdruck
Leider ist den Darstellern auf merkwürdige Weise das Funkeln abhanden gekommen. Wie eine mimische Blaupause der Schwermutkeule, die Regisseurin Petra Wagner für diese hr-Produktion unentwegt schwingt, schafft es etwa Darsteller Samuel Finzi in seiner Rolle als phlegmatisch-desinteressierter Ehemann kaum mehr als einen Gesichtsausdruck aufzusetzen, der in neunzig Minuten bestenfalls zwischen "besorgt" und "total besorgt" variiert. Und auch Fernsehdrama-Queen Claudia Michelsen würde mit ihrem ansonsten respektablen Auftritt wohl keinen Grimassen-Wettbewerb gewinnen.
Aber zum Glück ist da ein freundschaftliches Knistern zwischen der allzeit futternden Kommissarin Fee (Sanne Schnapp) und dem melancholischen Kommissar - die beiden geben ein authentisch-kauziges Ermittler-Pärchen ab. Schauspieler Uwe Bohm interpretiert die stoische Gedämpftheit des frauenverstehenden Helden durchaus hinreißend, und mit ein bisschen mehr Passion wäre er fast schon Wallander-tauglich.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.