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Medien

26. Februar 2016

Fernsehserie "Versailles": So ein König hat es auch nicht leicht

 Von Björn Wirth
George Blagden als König, hier mit Alexander Vlahos in "Versailles".  Foto: © Tibo & Anouchka / Sky

„Versailles“ ist die bislang teuerste europäische Fernsehserie. Die erste Staffel läuft jetzt auf Sky.

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Es ist das Jahr 1767, der noch junge König Ludwig XIV. jagt fröhlich durch die Wälder von Versailles und hypnotisiert bei Bedarf auch Wölfe. Ein Jahr zuvor war die Mutter verblichen, noch auf dem Sterbebett hatte sie, unter bedeutungsvollem Blitzen und Donnern ihr Vermächtnis dem Sohn ins junge königliche Ohr geraunt. Das Wichtigste sei die Macht, und Macht zeige sich vor allem an einem ordentlichen Schloss, mehr Macht heiße mehr Schloss, und also macht sich der gerade einmal 28-jährige Ludwig XIV. daran, den auch schon stattlichen Jagdsitz seines Vaters in Versailles zu einem vorzeigbaren Palast aufzuhübschen.

So in etwa gestaltet sich die Ausgangslage für die neue, zehnteilige Historienserie „Versailles“, die seit dieser Woche auf dem Bezahlsender Sky Atlantic HD läuft. Mit einem Budget von 30 Millionen Euro ist es die teuerste Serienproduktion Europas. Einige Millionen werden allein für den Nachbau von Versailles am Set in der Nähe von Paris draufgegangen sein. Und auch sonst bewegt sich die Serie in sehr pompösen Kulissen.

Inhaltlich hält „Versailles“ den Erwartungen leider nicht ganz stand. Die Handlung tritt, zumindest in den ersten beiden Folgen, weitgehend auf der Stelle, was auch an den schleppenden Planungen für den Schlossbau liegen kann. Die kommen nämlich nicht so recht voran, weil mal wieder ein Krieg droht. Zudem wünscht der König einen See vor seinem Schloss. Einen großen See vor einem großen Schloss. Für einen solch großen See gebe es in der Umgebung nicht genügend Flüsse, um ihnen das Wasser abzuzapfen, wendet ein Vertrauter zaghaft ein. „Dann bringt die Flüsse hierher“, befiehlt der König. Doch nicht nur dafür mangelt es auch an Geld, die Steuermoral im Land ist ausbaufähig. Das macht den König sehr wütend. Um ihn aufzumuntern und damit das Geld endlich reinkommt, wird ein bisschen gefoltert.

Auch des Königs Minister sind nicht die hellsten Kerzen auf der Geburtstagstorte, sie wollen lieber heute als morgen zurück nach Paris und boykottieren die Schlosspläne ihres Herrn. Und so planen schöne Frauen und nicht ganz so schöne Männer eine Intrige nach der nächsten, die Königin stickt vor sich hin und ist ansonsten in freudiger Erwartung, auch wenn die Freude dann getrübt wird, weil sie statt des erhofften Thronfolgers eine Tochter gebärt, noch dazu von brauner Hautfarbe. Wie konnte das passieren? Der König weiß es zunächst auch nicht und ist schon wieder sehr wütend, aber diesmal wird nicht gefoltert, sondern den Gespielinnen beigeschlafen. Und seinen jüngeren Bruder, der mit einem blonden Jüngling homoerotischen Interessen nachgeht, hat Ludwig auch noch am Hacken. An blanker Brust und Blut gebricht es dieser Zeit und dieser Serie nicht. Ansonsten hat es so ein König aber auch nicht leicht.

Mit britischem Akzent

„Versailles“ ist, das liegt nahe, eine französische Serie, allerdings mit stark britischem Akzent. Sowohl die Autoren David Wolstencroft („The Escape Artist“) und Helen Mirrens Neffe Simon Mirren („Without A Trace“) sind Engländer, auch der König von Frankreich wird von einem Briten, George Blagden, gespielt. Und dann wurde die Serie zwar in Frankreich, aber in englischer Sprache gedreht. Das sorgte bei den Franzosen für einigen Unmut, ließ sich aber bei den hohen Produktionskosten nicht vermeiden. Schließlich will der französische Pay-TV-Sender Canal+, der die Serie produzieren ließ, „Versailles“ auch in andere Länder verkaufen, um die 30 Millionen Euro wieder reinzuholen.

Diese Ausrichtung auf den globalen Fernsehmarkt führt zu Zugeständnissen an ein internationales Publikum. Für die Serie muss das nicht unbedingt Gutes bedeuten, aus wirtschaftlicher Sicht scheint es sich allerdings zu lohnen. Eine zweite Staffel ist bereits in Arbeit. Zu erzählen gibt es noch genug.

Die erste Staffel der Serie läuft dienstags ab 21 Uhr auf Sky Atlantic HD.

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