Wenn sich das ZDF einen modernen Anstrich verpassen will, halten seine Kameraleute ihre Kameras schief. Gestern zum Beispiel: Der Sender berichtete von der „Twitter-Taktik gegen Stuttgart 21“. Und weil das hipp wirken sollte, setzten sie eben den Chef-Twitterer der Schwäbischen Aktionisten schief ins Bild.
Dabei muss das beim ZDF doch gar nicht so gewollt rüberkommen mit diesen „neuen Medien“, wie die großen Sender das Netz noch immer bezeichnen. Mit Stephan Hallmann haben sie derzeit nämlich einen, der ihnen zeigt, wie das wirklich geht: Der Reporter schlägt sich derzeit für „heute“ und „heute-journal“ durch das Elend im überfluteten Pakistan. Dabei setzt er eben nicht einfach nur TV-Beiträge ab, sondern auch Statusmeldungen via Twitter.
Zuschauer können Hallmann so auf seinen aktuellen Recherchen begleiten. Der Reporter setzt viele kleine Meldungen ab wie diese: „Ärgerlich. Wir saßen schon im Hubschrauber nach Jacobabad, der lokale Offizier hatte es erlaubt. Dann kam das Verbot vom Vorgesetzten.“ Seinen Followern, die @HallmannZDF auf twitter.com abonniert haben, bringt der Journalist aber auch „die gute Nachricht: Auf dem Flughafen werden Lebensmittel verladen. Internationale Helfer fliegen mit und kontrollieren“. Der Frankfurter Rundschau sagt Hallmann, viele Nutzer fragten ihn, wie sie richtig spenden könnten. „Die Twitterer“, so der Reporter, „haben viel Mitgefühl für die Betroffenen und wollen helfen.“
Was Hallmann da alle paar Stunden von sich gibt, ist ein Mix aus Notizen, Kommentaren und Appellen. „Drehen Flüchtlinge auf der Straße. Eine junge Frau war schwanger, hat ihr Kind verloren, ihr Mann ist ertrunken“, schreibt er. Oder: „In der 19 Uhr dann ein Schaltgespräch mit mir. Nicht einfach stillzustehen, wenn die Fliegen über einen herfallen.“
Spendenkonten für Pakistan
Dazu zählen die fünf Hilfsorganisationen Brot für die Welt, Medico International, Misereor, Terre des Hommes und die Welthungerhilfe. Das Bündnis hat bereits erste Nothelfer nach Pakistan geschickt. Die Welthungerhilfe kauft mit den Spendengeldern etwa vor Ort Lebensmittel ein und verteilt sie an Bedürftige. Misereor versorgt zahlreiche Flüchtlinge. Medico International unterstützt die pakistanische Organisation Health and Nutrition Development Society (Hands), eine der größten zivilgesellschaftlichen Organisationen in Pakistan mit mehr als 1000 Mitarbeitern und etwa 100000 freiwillige Helfer. www.entwicklung-hilft.de Konto: 5151; Bank für Sozialwirtschaft, Bankleitzahl: 37020500; Stichwort: Pakistan
Die Hilfsorganisation versorgt die Flutopfer mit sauberem Trinkwasser und hilft mit Booten bei der Rettung der Menschen. In den kommenden Wochen will Oxfam zudem Latrinen errichten, Hygiene-Pakete verteilen und erste Projekte starten, bei denen Helfer mit Geld bezahlt werden. Zurzeit sind etwa 100 Oxfam-Mitarbeiter vor Ort.
Konto: 131313; Bank für Sozialwirtschaft, Bankleitzahl: 37020500; Stichwort: Fluthilfe Pakistan
Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières Deutschland) hat sich unter anderem auf den Weg nach Khabula gemacht. In der Nähe der Stadt waren mehr als tausend Menschen auf einem schmalen Streifen Land von den Wassermassen eingeschlossen. Die Helfer schütteten Sand auf. Jetzt verteilen sie Hygieneartikel und verarzten die Opfer in einer mobilen Klinik. Neben der
medizinischen Hilfe versorgt die Organisation auch Familien mit Trinkwasser und Lebensmitteln.
Konto: 97097; Bank für Sozialwirtschaft, Bankleitzahl: 37020500; Stichwort: Pakistan und andere
Die Kindernothilfe versorgt derzeit etwa 20000 Flutopfer mit Trinkwasser, Zelten, Lebensmitteln und Hygieneartikeln. In den kommenden Tagen soll etwa 70000 Menschen geholfen werden. Besonders Kinder seien nach der Flut gefährdet, wenn sie in verseuchtem Wasser spielen oder es gar trinken. Das christliche Kinderhilfswerk arbeitet meist mit Partnern vor Ort.
Konto: 454540; KD Bank, Bankleitzahl: 35060190; Stichwort: Pakistan
Diese Mischung sorgt für Glaubwürdigkeit. Hallmann schickt dafür entweder eine SMS, wenn er „im Wagen sitzt und durchschnaufen kann“. Oder er diktiert seinen Redakteuren in der Heimat rasch zwei Sätze durch, wenn er mit ihnen seine nächsten Filme bespricht. Er selbst schreibe „immer, wenn Zeit ist“. Da das mit der Technik indes nicht immer klappe, habe er auch „Hilfe von den Kollegen in Mainz“.
Hallmann sagt, das alles sei eine Idee von ZDF-Chefredakteur Peter Frey. Der wiederum hatte Twitter, Facebook & Co. jüngst als einen „ganz wichtigen Gradmesser“ für die Interessen junger Zuschauer bezeichnet. Hallmanns Mitteilungen aus Pakistan folgten gestern Abend immerhin schon knapp eintausend Leute. Und das nach gerade einmal zwei Tagen.
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