Vielleicht klingt der Titel "Die Apokalypse" wenig verlockend, wo doch momentan ein Menetekel das andere ablöst und selbst optimistische Gemüter ins Unken geraten. Aber rein sprachlich gesehen könnte die zwölfteilige Arte-Reihe auch erleichternd wirken, lernen wir doch, dass der Begriff Apokalypse ursprünglich im Sinne von Offenbarung oder auch Entschleierung aufgefasst wurde.
Die Autoren Gérard Mordillat und Jérôme Prieur, die sich seit Jahren mit der Entstehung der Christenheit befassen, betreiben ihrerseits Entschleierung im großen Stil. Ihre Bemühungen gelten dem neutestamentarischen "Buch der Apokalypse", das gegen Ende des 1. Jahrhunderts von Johannes von Patmos verfasst wurde. Der Text dient als Basis für verschiedenste Erkundungen - und führt auf diese Weise letztlich zu der Erkenntnis, wie einige jüdische Sektierer zu Stiftern einer Weltreligion werden konnten.
Bei näherer Betrachtung erweist sich das Neue Testament als Sammlung teils widerstreitender Texte. Der zumindest sprachlich heutigen Hasspredigern nicht ferne Eiferer Johannes von Patmos vertrat andere Ansichten als der gelassenere Paulus, der sich beispielsweise in der Frage der Essensriten flexibel zeigte. Interessant auch der Blick über den Bücherrand hinaus: Im jüdischen Schrifttum finden sich Texte, die mit der Johannes-Apokalypse korrespondieren.
Für die Aufbereitung dieses komplexen Sujets wählten die beiden Autoren, wie in ihren vorangegangenen zwei Produktionen, eine ungewöhnliche Form: Nahezu alle Informationen werden in mündlicher Rede vermittelt, von rund fünfzig Bibelforschern aus aller Welt. Deren Exegesen, Kommentare, Thesen wurden in kurze Einheiten zergliedert und unter inhaltlichen Gesichtspunkten aneinander montiert. So entsteht über den Schnitt eine Art Ringvorlesung aus fragmentierten Vorträgen, die zusammen ein erhellendes Ganzes ergeben und nur gelegentlich von Schwenks über uralte Handschriften und Druckwerke unterbrochen werden. Schrifteinblendungen betonen oder erklären einzelne Begriffe - mehr filmische Ausdrucksmittel gibt es nicht.
Somit werden die Anhänger einer puristischen Gestaltung, denen szenische Nachstellungen ein Gräuel sind, hier höchste Befriedigung erlangen. Beim übrigen Publikum sind Ermüdungserscheinungen nicht auszuschließen. Es empfiehlt sich, die Sendungen mitzuschneiden - durchaus denkbar, dass Interessierte die eine oder andere Lektion rekapitulieren möchten.
"Die Apokalypse", Arte, mittwochs und sonntags, 21.00 Uhr
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.