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Frank Plasberg: "Ich bin Durchschnittsmensch"

Frank Plasberg im FR-Interview über sein Lieblingsbaby "Hart aber fair" und seine neue Talkshow.

Wie am Küchentisch will Frank Plasberg talken.
Wie am Küchentisch will Frank Plasberg talken.
Foto: ddp

Muss Jörg Pilawa als Alleinunterhalter der ARD vor Ihnen zittern? Beim NDR machen Sie "Die klügsten Kinder im Norden", am 27. Dezember moderieren Sie eine Samstagabend-Show im Ersten, und am Freitag fängt auch noch ein neues Talk-Format im WDR an.

Halten Sie Jörg Pilawa für so nervenschwach? "Die klügsten Kinder im Norden" werden sogar von Pilawas Firma "White Balance" produziert. Überhaupt geht die Sendung auf eine Idee von ihm und dem NDR zurück. Ansonsten kommen wir uns nirgendwo in die Quere. Zum Showmaster habe ich ohnehin kein Talent. Ich werde auch künftig nichts tun, was mein Lieblingsbaby "Hart aber fair" gefährdet.

Zur Person

Frank Plasberg, geboren 1957 in Remscheid, Journalist und Fernsehmoderator. Seit dem Jahr 2001 moderiert er die politische Talkshow "Hart aber fair", 2008 kam "Die klügsten Kinder im Norden" dazu. 2005 erhielt er den Grimme-Preis.

"Plasberg persönlich", WDR, jeweils der erste Freitag im Monat, 21.45 Uhr.

Und was hat es mit der Jahresrückblick-Show Ende Dezember auf sich?

Vor allem eins: Es ist eine einmalige Angelegenheit. Aber ich mag nun mal Herausforderungen, und das ist eine. Denn ein Gast wird Günther Jauch sein, und den Gottvater des Quiz in eine Quizshow einzuladen, werden manche vielleicht für blasphemisch halten. Und ich habe auch ein bisschen Bammel davor, am Samstagabend ein Quiz zu machen.

Mit "plasberg persönlich" haben Sie nun eine Sendung, die Ihren Namen trägt. Ist "Plasberg" Markenzeichen geworden?

Es ist viel unspektakulärer. Mein Heimatsender hat mich gefragt, ob ich nicht Lust auf eine regelmäßige Sendung im WDR-Fernsehen hätte. Die hatte ich, jedenfalls auf eine Sendung wie diese. Und der schönen Alliteration wegen kamen wir auf den Titel. Mir geht es nicht um ein Markenzeichen, sondern darum, ob es Spaß macht oder nicht....

Ihnen oder den Zuschauern?

In erster Linie mir selbst, aber nach meiner Erfahrung ist das die beste Voraussetzung, dass eine Sendung auch beim Publikum ankommt. Ich bin ganz Durchschnittsmensch. Das erleichtert manchmal die Arbeit und schärft das Urteil.

Worum geht es denn in "plasberg persönlich"?

Wir erfinden das Fernsehen nicht neu. Das Rad ist immer noch rund. Eine People-Talkshow wollten wir auf keinen Fall machen, denn davon gibt es am Freitagabend schließlich schon genug…

Etwa mit dem "Kölner Treff", dessen Sendeplatz Sie ja nun einmal im Monat belegen. Wie findet Bettina Böttinger das?

Ich weiß es nicht. Ich war nicht dabei, als sie die Nachricht bekam. Aber um jeder Legendenbildung vorzubeugen: Bettina Böttinger wird im kommenden Jahr mehr Sendungen machen als in diesem. Die Neuigkeit für den Zuschauer ist lediglich, dass der Sendeplatz am Freitag jetzt durchgehend mit Talk bespielt wird.

Zurück zu Ihrer Sendung…

Ich mache eine "Lebensthema-Sendung". Das heißt, ich spreche mit meinen Gästen über Dinge, über die ich mit ihnen auch privat am Küchentisch gern reden würde. Deshalb werden bekannte Fernsehgesichter bei uns allenfalls in Ausnahmefällen auftauchen. Die Prominenz stellt sich bei meinen Gästen eher über ihre Geschichten her. In der ersten Sendung mit dem Thema "Gefangen im Doppelleben" taucht kein einziger Gesichts-Promi auf. Unter den Gästen sind Dyrk Hesshaimer, der lange nicht wusste, dass sein Vater Charles Lindbergh war, und Jürgen Harksen, der sechs Jahre hinter Gittern verbracht hat, nachdem seine Scheinexistenz als Hochstapler und Millionenbetrüger aufgeflogen war.

Wird jede Ausgabe monothematisch sein und senden Sie live?

Wir zeichnen ein paar Stunden vor der Ausstrahlung auf, wobei jede Sendung unter einem übergeordneten Thema stehen wird.

Müssen Sie nicht mit Gerhard Delling um Gäste rangeln, der mit "Dellings Woche" auch nicht nur auf Prominente setzt?

Beim Fernsehen rangeln wir alle um Gäste, aber zwischen "Dellings Woche" und meiner neuen Sendung sehe ich überhaupt keine Konkurrenz. So aktualitätsbezogen wie Delling können und wollen wir überhaupt nicht sein.

Sie haben mal erklärt, Ihnen fehle das Gen für Milde. Etwas milder als bei "Hart aber fair" werden Sie mit Ihren Gästen doch wohl umgehen müssen.

Ach ja, das habe ich mal in einem Interview gesagt. Aber auch bei "Hart aber fair" muss ich mich oft von der Konfrontation auf eine stützende Befragung umstellen, wenn wir einen Gast haben, der als Betroffener mit seinem Schicksal die Runde zum Nachdenken bringen soll. Ich habe diesbezüglich also durchaus Erfahrung.

Haben Sie Harald Schmidts Rat befolgt und Ihre Honorarforderungen drastisch erhöht?

Nein, habe ich nicht und ich glaube, das war gut so. Ich fühle mich ausreichend bezahlt und habe keinen Grund zum Jammern.

Und Florian Silbereisen muss auch nicht vor Ihnen zittern?

Bestimmt nicht. Ich kann ja nicht singen.

Interview: Reinhard Lüke

Datum:  2 | 10 | 2008
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