Die französische Tageszeitung Le Monde hat schon bessere Zeiten gesehen. Seit Jahren geht die Auflage zurück. 2002 betrug sie noch 407 000 Exemplare, momentan sind es noch 350 000, aber niemand weiß, wie viele davon gratis oder verbilligt an Fluggesellschaften und andere Multiplikatoren gehen. Experten schätzen die voll bezahlte Auflage auf 220 000 bis 250 000 Zeitungen. Diese Entwicklung zwang das 1944 gegründete Blatt zu verschiedenen "Reformen" - ein euphemistischer Ausdruck für Kosteneinsparungen durch Stellenstreichungen und Abfindungsangebote. Trotz Einsparungen und Entlassungen stiegen die Schulden des Blattes auf mittlerweile über 200 Millionen Euro.
Den letzten Reformversuch startete das Blatt in der Osterwoche - eine eher kosmetische Operation. Es gibt jetzt mehr Bilder, der Tageskommentar steht wieder auf der Seite 1. Die Seite zwei enthält einen bunten Strauß von Kurzmeldungen aus aller Welt. Der Sportteil wurde erweitert, der Kulturteil beschnitten. Mehr Platz erhalten aktuelle Schwerpunktthemen unter dem Titel "Contre-Enqètes".
Der wichtigste Bestandteil der neuesten "Reform" ist eine Wette auf die Zukunft. Le Monde wechselt die Multimedia-Strategie und möchte im Internet Geld verdienen. Bisher konnte man auf www.lemonde.fr alle Artikel der letzten Druckausgabe gratis lesen. In Zukunft wird es täglich bis zu zwei Dutzend Artikel geben, die nur in der Online-Ausgabe erscheinen, während die Druckausgabe nur selektiv ins Netz gelangt. Le Monde hätschelt die Leser der Netzausgabe, will von diesen allerdings auch Geld sehen. Wer die Druckausgabe vollständig und das Netzangebot nützen will, soll zukünftig monatlich 19,80 Euro zahlen. Das ist nur ein Einsteigerpreis, der sich nach drei Monaten um ein sattes Drittel erhöht. Ab Ende April bietet die Zeitung - gegen Bezahlung - Anwendungen für das iPhone und demnächst auch für das iPad an. Das Blatt will damit an die Spitze der Netz-Bewegten.
"Die User müssen umdenken. Aber wir glauben, dass sie das akzeptieren. Qualität muss auch bezahlt werden", so Philippe Jannet, der Chef der "Mission Zukunft" bei Le Monde. Er will mit der Ausdehnung des Internet-Angebots nicht die alte Zeitung sanieren, sondern mit einem Sprung Neuland erobern und Le Monde als globale Marke etablieren.
Angesichts der ökonomischen Lage des Blattes ist der Zukunftsoptimismus verständlich: Die jährlichen Verluste von 54,2 Millionen Euro 2004 fielen zwar bis 2006 auf 14,3 Millionen Euro, was das Ansteigen der Gesamtschuld abbremste, aber nicht stoppte.
Bislang verfügt die Mitarbeitergesellschaft bei Le Monde über 60 Prozent der Anteile. Der Sanierungsplan der Geschäftsleitung unter Eric Fottorino sieht aber vor, diese zu entmachten. Die Zeitung La Tribune berichtete am Montag, der spanische Konzern Prisa (El País ) werde die Mehrheit übernehmen. Prisa und auch der italienische Benedetti-Konzern mit La Repubblica halten bereits Anteile. Im Gespräch ist auch ein weiterer Investor aus den USA. Die Aktionäre sollen Ende Juni über die Umstrukturierung abstimmen. Le Monde bestätigte die Pläne offiziell noch nicht. "Die Aufstockung des Kapitals hat zur Folge, dass die historischen Aktionäre zu Minderheitsbeteiligten werden", teilte der Aufsichtsrat lediglich mit.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.