In den Medien sind Frauen unterrepräsentiert. Zu diesem Schluss kommt die Studie "Spitzenfrauen im Fokus der Medien", an der Wissenschaftlerinnen von der Universität Lüneburg und der Freien Universität Berlin zwei Jahre geforscht haben. Am Montag wurde die Studie in Berlin vorgestellt, einige Spitzenfrauen hatte man eingeladen: Renate Künast, Fraktionschefin der Grünen, war gekommen, ebenso Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, und Petra Ledendecker, Präsidentin des Verbandes deutscher Unternehmerinnen.
Für die Studie waren sechs Monate lang Zeitungen, Zeitschriften und Nachrichtensendungen ausgewertet worden; es wurde gezählt, wie oft Frauen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft erwähnt wurden. Nicht einmal jede fünfte Person, über die im Forschungszeitraum berichtet wurde, war eine Frau. Trennt man nach Berufsgruppen, so reduziert sich der Anteil in der Wirtschaft auf sogar nur fünf Prozent.
Mutti der Nation
In der Politik sind es immerhin zwanzig Prozent, wenn man dort nur die Führungskräfte betrachtet, erhöht sich dieser Wert auf knapp 30 Prozent. Allerdings liegt das vor allem an Angela Merkel, die auf 18 Prozent der Nennungen kommt. Für alle anderen Spitzenpolitikerinnen bleiben 12 Prozent Medienerwähnungen übrig.
Nicht nur ob, sondern auch wie Frauen in den Medien dargestellt werden, untersuchte die Studie. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass sich die mediale Inszenierung der Geschlechter zwar im Wandel befinde, aber weiterhin auf tradierte Muster zurückgreife.
Einerseits werden Frauen als kompetent und handlungsmächtig gezeigt, zugleich werden aber Körper, Gesten und Kleidung anders als bei Männern hervorgehoben und beschrieben. Jutta Allmendinger erzählte, sie lösche gerne ihren Namen aus Porträts, die über sie geschrieben werden, um zu testen, ob man auch Namen männlicher Kollegen einsetzen könne. Das funktioniere nie. Politikerinnen sind entweder die "Powerfrau" oder "Mutti der Nation", im Wirtschaftsteil trifft man die "listige Witwe" oder die "femme fatale".
Als Frau müsse man immer noch härter sein, als man es eigentlich wolle, sagte Renate Künast. Sie selbst habe sich schon früh eine "Sicherheitskühle angelegt", um das eigene Geschlecht zu kaschieren. Petra Ledendecker forderte hingegen: "Wir Frauen müssen Frauen bleiben." Was auch immer sie damit meint.
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