Frau Hofem-Best, Sex sells. Haben Sie den neuen Sender für Frauen deshalb Sixx statt Fem-TV genannt?
Nein, es gab viele Gründe dafür, warum wir uns gegen den Namen Fem-TV entschieden haben. Einer davon: Fem klingt wie eine Abkürzung von Feminismus. Diesen Touch wollten wir vermeiden - so nach dem Motto: Gleich kommt Alice Schwarzer um die Ecke.
Lieber versuchen Sie es mit Sex - pardon, Sixx.
Sie sind die erste, die diese Assoziation hat. Wir wollten einen Namen haben, den man in alle Richtungen interpretieren kann. Der Männer nicht ausschließt. Der einen großen Wiedererkennungswert hat. Der sexy klingt. Und natürlich ging es uns auch um die Assoziation mit dem sechsten Platz auf der Fernbedienung.
Wen wollen Sie erreichen?
Definitiv die weibliche Zielgruppe von 20 bis 39. Die "Senderin", wie wir Sixx bei der Präsentation genannt haben, ist natürlich ironisch gemeint, das ist so, wie wir uns sehen. Frauen können ja auch mal über sich selber lachen.
Ihr Horizont sollte aber besser an der Haustür aufhören, wenn man sich Ihr Programm anschaut. Danach geht es vor allem um Mädels, Mode und Männer.
Das Angebot geht schon über Kinder & Küche hinaus. Schauen Sie sich unsere Serien an. Glenn Close als Strafverteidigerin in "Damages". Und mit "Oprah" haben wir die beste Talkshow der Welt.
Eine Untersuchung des Kölner Rheingold-Institutes hat gezeigt, dass Frauen im Fernsehen gerade nicht auf diese Rollenklischees reduziert werden wollen.
Das tun wir auch nicht. Das war mein Credo, von Anfang an. Ich habe eine europäische Studie zum Fernsehverhalten der Frauen begleitet. Da kam genau das Gleiche heraus wie in der Studie, die Sie zitieren. Sie dürfen nicht mit erhobenem Zeigefinger kommen und Frauen vorschreiben, was Sie zu interessieren hat.
Medienwissenschaftler fanden heraus, dass sich die Fernsehgewohnheiten von Männern und Frauen immer weiter angenähert haben. Wozu brauchen Frauen einen eigenen Sender?
Gegenfrage: Wofür brauchen wir einen Männersender? Dmax funktioniert auch.
Aber Männer sind berechenbarer als Frauen, oder?
Definitiv. Männer sind auch treuer. Ihre Gewohnheiten behalten sie bei. Frauen sind anspruchsvoller. Deshalb spielt fiktionale, serielle Unterhaltung bei Sixx eine ganz, ganz große Rolle.
Das hat schon beim Frauensender tm3 nicht funktioniert.
Dieser Sender stammt aus einer anderen Zeit. Als tm3 1995 startete, waren noch keine 330 digitalen Kanäle on air.
Das große Angebot spricht doch eher gegen einen weiteren Kanal.
Nein, die Zuschauer haben sich daran gewöhnt, dass es neben den großen Fernsehsendern auch ein Angebot gibt, das auf ihre Interessen zugeschnitten ist. Schauen Sie sich die Entwicklung in den USA an. Das Fernsehen geht in die hinterste Nische mit einem Anglerkanal. Und es funktioniert.
Interview: Antje Hildebrandt
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.