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Fußball-Vermarktung: Hartgeldhelden

Die Amateurfußball-Verbände wollen bei Internet-Videos vom Dorfplatz keine unabhängige Konkurrenz. Von Wolfgang Hettfleisch

Hier ackern die wahren Helden des Ballsports.
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Foto: dpa

Mit links hält David Käser einfach mal drauf - und jagt den Ball in den Torwinkel. Ein ähnlich schöner Treffer gelingt Ramazan Gülec mit dem rechten Fuß. Zu sehen sind die Tore aus der Fußball-Kreisliga Niederbayern-Passau (Käser) und der Kreisliga Biedenkopf/Marburg (Gülec) im Internet. Allerdings ziert Käsers Spannstoß das Videoportal des Bayerischen Fußballverbands (bfv.tv), während Gülec' Volltreffer auf zähem Schlammparcours bei hartplatzhelden.de zu finden ist. Und tun hier zwei das Gleiche, so ist es noch lange nicht dasselbe.

Gestern trafen sich der Württembergische Fußballverband (wfv) und die Hartplatzhelden-Betreiber vor dem zweiten Senat des Stuttgarter Oberlandesgerichts. Der Verband will nicht, dass Dorfplatz-Treffer aus dem Ländle auf hartplatzhelden.de gezeigt werden. Das Stuttgarter Landgericht hatte im Mai im Sinne des wfv entschieden: Das Angebot beeinträchtige dessen Vermarktungsmöglichkeiten, die in Gießen angemeldete GmbH dürfe keine schwäbischen Kreisliga-Knaller mehr zeigen.

Dass das Landgericht deren mediale Verwertung für ein exklusives Verbandsrecht hält, schien Richter Helmut Hofmann, dem Vorsitzenden im gestrigen Revisionsverfahren, nicht sehr zu behagen. Er mühte sich laut einem Prozessbeobachter, die Parteien zu einem Kompromiss zu bewegen und dem Senat, der bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch tagte, ein Urteil zu ersparen. Hofmanns Vorschlag: Die Hartplatzhelden-Schnipsel werden auf die unteren Amateurklassen begrenzt.

Eine Partie hat der wfv schon längst verloren - die um die veröffentlichte Meinung. Tenor der Medien: Der DFB und seine Landsmannschaften gönnen ein paar fixen Jungs die Brotkrumen nicht, die vom reich gedeckten Tisch fallen. "Wir haben eine ausgesprochen schlechte Presse", seufzt wfv-Justiziar Frank Thumm. Verstehen kann er das nicht: "Wir stellen zusammen mit den Amateurvereinen einen Ligenbetrieb mit bis zu 5000 Spielen pro Wochenende auf die Beine. Das kostet viel ehrenamtliche Arbeit und richtig Geld."

Also bittet man entweder die Vereine zur Kasse, "oder wir versuchen eben, Vermarktungserlöse zu erzielen". Die Württemberger sind dabei, wie die bayerischen Kollegen eine Clip-Plattform für den Amateurfußball zu installieren. Reich wird man damit nicht. Der in Berlin ansässige wfv-Geschäftspartner Die Ligen GmbH zahlte für die Bewegtbildrechte der Oberliga Württemberg in der laufenden Saison einen fünfstelligen, für die der unteren Klassen einen vierstelligen Betrag.

Kommerz und Ideenklau

Eben, würde Oliver Fritsch sagen. Der Journalist ist Geschäftsführer und einer von fünf Gesellschaftern der Hartplatzhelden. Die von Privatleuten überspielten Bolzplatz-Blüten haben ihn bislang jedenfalls nicht zum Millionär gemacht. "Es ist ein Zuschussgeschäft", betont Fritsch, der vom Widerstand des wfv, der stellvertretend für andere Landesverbände und mit Argumentationshilfe vom DFB ficht, überrascht wurde: "Ich dachte anfangs, die würden uns unterstützen. Wir machen doch etwas Gutes und Schönes."

Bei Fritsch und Co. wird der unterklassige Fußball liebevoll und kurzweilig in Szene gesetzt. Frank Thumm hat denn auch keine ästhetischen oder journalistischen Einwände. "Was uns ärgert, ist, dass Altruismus vorgeschoben wird, wo es klar um Kommerz geht."

Kommerz ist ein starkes Wort. Auf absehbare Zeit geht es bestenfalls um Hartgeld. Und es riecht ein bisschen nach Ideenklau. Die nie als sonderlich innovativ aufgefallenen Amateurfußball-Funktionäre sind dabei, die stilprägende Arbeit des Prozessgegners nachzuahmen. Es wäre klug, beim Aufbau solcher Filmportale Profis ranzulassen. Das Knowhow der Hartplatzhelden ist unstrittig. Vielleicht sollten sich beide Seiten mal ohne Anwälte treffen. So was kann Wunder wirken.

Autor:  WOLFGANG HETTFLEISCH
Datum:  19 | 12 | 2008
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