Die Studien über den Zusammenhang zwischen dargestellter Gewalt und Aggressionen im Alltag gehen buchstäblich in die Tausende. Die Nutzung gewalthaltiger Inhalte im Internet durch Jugendliche aber ist bislang kaum erforscht, und das, obwohl das Angebot ungleich extremer ist als in herkömmlichen Medien und zudem problemlos abzurufen.
Petra Grimm (Hochschule der Medien, Stuttgart) und ihre Koautorinnen haben Jugendliche nach Nutzungsmustern und Motiven gefragt. Ein Viertel hat Gewalt im Netz schon selbst erlebt, die Hälfte davon ungewollt; eine Kontrolle durch die Eltern findet praktisch nicht statt.
P. Grimm/S. Rhein/ E. Clausen-Muradin: Gewalt im Web 2.0. Vistas Verlag, Berlin 2009, 362 Seiten, 17 Euro.
Bei allem Respekt vor der Forschungsarbeit, die eine Lücke schließt: Die seitenlangen Auszüge aus den Interviews dienen der Wahrheitsfindung nur bedingt, zumal die im Wortlaut protokollierten Aussagen mühsame Lektüre sind ("Das ist dann halt aus Holland hier die Seite irgendwie"). Aber die Einblicke ins Seelenleben der Befragten, die sich zum Teil exzessiven Gewaltdarstellungen hingeben (Hauptmotiv ist offenbar Neugier), sind höchst aufschlussreich. Die Empfehlungen aus Sicht des Jugendschutzes fallen allerdings etwas mager aus und beschränken sich auf Gemeinplätze.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.