Das Interesse an Zeitgeschichte ist anhaltend groß. Eine Ursache dieses Booms ist das Fernsehen. Genau genommen war es Guido Knopp, der ihn ausgelöst hat. Der promovierte ZDF-Historiker verabschiedete sich in den Neunzigern vom traditionellen Erklärfernsehen und begann, Dokumentationen durch rekonstruierte Szenen zu ergänzen.
An diesem Donnerstag wird er in New York für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Er erhält den "Lifetime Achievement Award" der "History Makers". Die international besetzte Jury würdige Knopp als einen der profiliertesten Fernsehmacher zeitgeschichtlicher Dokumentationen. Vor allem seine Produktionen über das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg hätten weltweit Bekanntheit erlangt und Maßstäbe gesetzt. "History Makers" ist ein internationaler Zusammenschluss namhafter Fernsehsender, die sich mit historischen Themen befassen.
Dabei war und ist Guido Knopp keineswegs unumstritten. Er sei bei Historikern in etwa so beliebt wie Jürgen Fliege bei Theologen, lautet ein Vorwurf, sogar "Geschichtspornografie" wurde ihm vorgehalten. Zwar wird durchaus respektiert, dass es Knopp gelungen ist, viele Menschen für deutsche Zeitgeschichte zu interessieren, aber "seine merkwürdige Hitler-Zentriertheit", wie es Rainer Wirtz ausdrückt, nimmt man ihm übel: "Knopp macht sich die Faszination des Bösen zunutze."
Der Historiker von der Universität Konstanz setzt sich seit Jahren kritisch mit der Geschichtsvermittlung durch das Fernsehen auseinander. Knopp räumt ein, seine Redaktion habe sich vor allem in den Jahren 1995 bis 2005 intensiv Themen der NS-Zeit gewidmet, in deren Mittelpunkt zunächst aus gutem Grund der Diktator ("Hitler - Eine Bilanz") gestanden habe. "Aber es folgten eben auch andere Sendereihen, über Mittäter und Mitläufer. Wir haben uns dabei nicht 'die Faszination des Bösen' zunutzte gemacht, sondern gezeigt, in welche Abgründe die Zeitgenossen eine solche Faszination führte", sagt Knopp.
Wirtz dagegen kritisiert an den Filmen Guido Knopps eine gewisse Doppelbödigkeit, die sich nicht zuletzt im Widerspruch zwischen Wort und Bild zeige: "Im Kommentar wird immer sehr eifrig auf Hitlers Verbrechen und den Holocaust hingewiesen, aber die Bilder erlauben es dem Zuschauer, historischen Machtfantasien anzuhängen. Die Aufnahmen stammen schließlich größtenteils aus dem Propagandamaterial der Nationalsozialisten." Auch diesen Vorwurf weist Knopp zurück: "Man muss die Zuschauer nicht für dumm erklären - und auch nicht die Macher der Filme."
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.