Es gab zuletzt nicht viele gute Nachrichten für die Deutsche Fußball-Liga. Der angedrohte Einspruch des Bundeskartellamts ließ das Bündnis mit Leo Kirch zur Vermarktung der Fernsehrechte von 2009 bis 2015 für den deutschen Markt platzen; Fans murren über den sich abzeichnenden Versuch, die TV-Erlöse durch eine weitere Zerstückelung der Spieltage zu steigern; und nun wartete der einzige verbliebene Pay-TV-Partner Premiere auch noch mit einer dramatischen Korrektur der Abonnentenzahlen nach unten auf - und wird dafür an der ohnedies nervösen Börse brutal abgestraft.
Da war es vielleicht auch fürs eigene seelische Gleichgewicht hilfreich, dass die DFL-Bosse gestern in Frankfurt den Rahmen für eine potenzielle Erfolgsgeschichte abstecken konnten: Die Liga-Organisation hat am 18. September "DFL Sports Enterprises" gegründet; Hauptaufgabe der 100-prozentigen Tochter: die Auslandsvermarktung der audiovisuellen Rechte der Bundesliga. Die Erwartungen sind hoch. "Wir gehen ein deutliches unternehmerisches Risiko, sind aber überzeugt, dass es funktioniert und der richtige Weg ist", sagt Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung.
Die Auslagerung der Auslandsvermarktung in ein eigenständiges Unternehmen, das zwölf Mitarbeiter beschäftigen wird, ist gleichbedeutend mit einer Strukturreform der DFL, die sich nach Seiferts Worten "aus einer Ex-Abteilung des DFB zu einem Sportmedienunternehmen" entwickelt hat. Der unternehmerische Ehrgeiz und das damit einhergehende Selbstbewusstsein der DFL-Führung schmeckt vermutlich nicht jedem Klub-Verantwortlichen in der Bundesliga. Man werde "zunehmend auf Augenhöhe mit den Klubs agieren müssen", sagt Seifert, und deren Repräsentanten müssten sich entsprechend von der überholten Vorstellung verabschieden, "dass die DFL das Liga-Sekretariat ist".
Was die Überzeugungsarbeit erleichtern könnte, sind die vielen steil nach oben zeigenden Kurven, die Robert Niemann, Vorsitzender der Geschäftsführung der DFL Sports Enterprises, und deren in der Ligazentrale schon lange mit dem Themenkomplex befasste Geschäftsführer Jörg Daubitzer vorzeigen können. Anders als beim Handel mit Inlandsrechten gibt es bei den Erlösen beim Verkauf der TV-Ware Bundesliga ins Ausland offenbar nur eine Richtung: nach oben. Für die laufende Saison und die zwei folgenden erwartet die neue DFL-Tochter aus der Eigenvermarktung der Auslandsrechte 35 Millionen Euro jährlich - mehr als das Dreifache dessen, was noch in den Spielzeiten 04/05 und 05/06 erlöst worden war.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.