Ungewöhnliche Muster von Zugriffen, damit fing alles an. Es klingt geheimnisvoll, was Bob Lord, Sicherheitschef von Twitter, in einem Blog-Beitrag beschreibt. Aber diese überraschenden „Muster“ waren es, die Lord und seine Leute misstrauisch werden ließen – und sie auf einen laufenden Angriff aufmerksam machten, der den Nutzern des Kurzmitteilungsdienstes galt.
Das Twitter-Team hat diesen Angriff abwehren können, schreibt Lord, aber wie sich bald herausstellte, waren zuvor bereits rund 250.000 Konten geknackt worden. Betroffen sind offenbar vor allem Nutzer, die schon lange bei Twitter angemeldet sind. Ihre Konten wurden sicherheitshalber gesperrt und die Opfer per E-Mail aufgefordert, ihre Passwörter zu ändern.
16 Tage dauerten die Olympischen Spiele in London und 150 Millionen Tweets wurden zu dem Thema verschickt. Besonders heiß diskutiert: Die Abschlussfeier und hier besonders der Auftritt der Spice Girls mit über 116.000 Tweets pro Minute. Der Sieg des Jamaikaners Usain Bolt über die 200 Meter Sprint löste immerhin noch 80.000 Tweetw pro Minute aus.
Foto: dapdÜber die Identität des Angreifers konnte Lord nichts Genaues sagen – allerdings sei das „nicht das Werk von Amateuren“, erklärte er und stellte die Aktion in einen größeren Zusammenhang: „Es gab in jüngster Zeit eine Zunahme von groß angelegten Sicherheits-Attacken auf US-amerikanische Technologie- und Medien-Unternehmen.“
Damit liefert Lord vielleicht doch einen Hinweis darauf, wo er die Herkunft der Angreifer vermutet. Denn die Medien-Unternehmen, die Lord erwähnt, sind sicherlich die New York Times und das Wall Street Journal. Beide haben in der vergangenen Woche über Hackerangriffe auf ihre Internetseiten und Computersysteme berichtet. Und beide vermuteten Hacker aus China hinter den Angriffen, die es darauf angelegt hatten, die jeweilige China-Berichterstattung zu überwachen. Am Wochenende machte auch die Zeitung Washington Post publik, dass sie schon 2008 Ziel von Hacker-Angriffen gewesen sei. Unter Verdacht auch hier: China.
Klare Beweise sind bei Angriffen dieser Art aber schwer beizubringen, und China weist ein ums andere Mal alle Vorwürfe zurück. Doch die Cyber-Einbrüche häufen sich, und sie belasten zunehmend die internationale Politik. Die am Freitag aus dem Amt geschiedene US-Außenministerin Hillary Clinton hat kurz vor ihrem Abschied erklärt, die US-Regierung beobachte eine Zunahme von Hackerangriffen sowohl auf staatliche Einrichtungen als auch auf Privatunternehmen. Sie wünsche sich ein internationales Forum, das Antworten auf „diese Art illegalen Eindringens“ suche. Die jüngsten Enthüllungen fachen die seit Jahren schwelende Angst der Amerikaner an vor der Cyber-Armee aus Zehntausenden „Roten Hackern“. (mit AFP, dpa)
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