Es ist nicht schön draußen, aber warm. In den Redaktionsstuben wälzen die Klimaanlagen nach Kräften um, was alles so in der Luft liegt. Bei der ARD kommt dabei das Sommerloch zum Vorschein. Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD-aktuell,trieb es am Abend des 21. Juli noch kurz vor Mitternacht um.
"Wenn wir mal ehrlich sind", schrieb er auf blog.tagesschau.de, "hätte man jedes, ja wirklich jedes unserer heutigen Themen auch lassen können". Schleswig-Holstein-Harry, Nachterstedt, Arnie Schwarzenegger - bei allem hat Gniffke sich gelangweilt.
So geht das nicht, befand am nächsten Tag um 14.27 Uhr Ulrich Deppendorf, Chef des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin. "Das hätten Sie uns ja auch schon etwas früher mitteilen können. Dann hätten die Kollegen und Kolleginnen aus dem Hauptstadtstudio und in der Republik ja schon eher die Arbeit für die Tagesschau einstellen können. (...) Und warum schielen Sie immer auf das ZDF?", fragt Deppendorf. "Bitte mehr Selbstvertrauen." Nach dem impulsiven Blog-Abtausch ahnt man, warum die öffentlich-rechtlichen Medien so großen Wert auf ihre Online-Präsenz legen. Da kommt emotional doch einiges rüber.
Was sich die Herren in einer internen Konferenz allenfalls durchs Puschelmikro sagen würden, reüssiert hier ungefiltert als Transparenz der neuen Medien. In dem sich rasch verbreitenden Blogwesen wiegt das Dabeisein schwerer als die gut ausbalancierte Kommunikationsetikette. Schwere Zeiten für die bloß gesendete Tagesschau, wenn sie künftig mit dem Live-Blog von Rundfunkratssitzungen der ARD konkurrieren muss.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.