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Handy-TV: Alle 15 Kanäle voll

Eine Reihe merkwürdiger Entscheidungen führt erst einmal zum Ende von Handy-TV.

Macht nichts, der Bildschirm ist ohnehin viel zu klein, um sich ein Fußballspiel darauf anzusehen.
Macht nichts, der Bildschirm ist ohnehin viel zu klein, um sich ein Fußballspiel darauf anzusehen.
Foto: ddp

Der Anbieter für mobiles Fernsehen Mobile 3.0 steht offenbar vor dem Aus. Dahinter steht das Versagen verschiedener Beteiligter, darunter der Verlage Holtzbrinck und Burda. Die Geschichte des mobilen Fernsehens in Deutschland ist eine Geschichte des Scheiterns. Vor drei Jahren war das erste Handy-TV im Standard DMB gestartet, Anfang 2008 war das Pilotprojekt zu Ende. Nur rund 5000 Kunden hatten sich für das Angebot des Unternehmens Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD) interessiert - zu wenig.

Mit einem neuen Standard DVB-H sollte alles besser werden. Statt nur vier Fernsehsender ermöglicht es diese Technik, bis zu 15 Kanäle zu verbreiten, zusätzlich etwa vier Hörfunkprogramme. Im Herbst 2007 vergaben die Landesmedienanstalten die nötigen Frequenzen an das Konsortium Mobile 3.0. Hervorgegangen war dieses Unternehmen aus den Start-Ups MFD um den Geschäftsführer Henrik Rinnert und der Neva Media um den Unternehmer Paulus Neef. Schnell waren auch Großkonzerne im Boot, die Neva Media gehört heute überwiegend Burda und Holtzbrinck, die MFD dem südafrikanischen Konzern Naspers.

Wo gibt es Empfangsgeräte?

Hart kämpfte die Mobile 3.0 im Herbst 2007 um die Lizenzen für das mobile Fernsehen. Schärfster Konkurrent war damals ein Konsortium der Telefonkonzerne O2, Vodafone und T-Mobile. Sie zogen den Kürzeren, obwohl eine Expertenrunde der für die Frequenzvergabe zuständigen Landesmedienanstalten sich für Vodafone und Co. stark gemacht hatte. Nur die Telekommunikationsriesen hätten genügend Geld und Marktmacht, eine ausreichende Anzahl an Empfangsgeräten unters Volk zu bringen, lautete damals ein Argument. Das Rennen machte dennoch Mobile 3.0. Doch aus dem angekündigten Start des mobilen Fernsehangebots zur Fußball-EM im Juni wurde nichts. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass Mobile 3.0 überhaupt kein Angebot mehr starten wird. Man sei an der Verweigerungshaltung der Telefonkonzerne und Netzbetreiber gescheitert, die keine DVB-H-Handys ins Angebot genommen hätten, hieß es.

Die Aussage scheint vorgeschoben. "Den letzten Kontakt auf Arbeitsebene hat Mobile 3.0 zu uns im Oktober 2007 gesucht", sagt eine Vodafone-Sprecherin. Auch T-Mobile betont, weiterhin Interesse an DVB-H zu haben. Dass es dennoch nichts wurde, soll unter anderem an der zögerlichen Haltung des Burda Verlages gelegen haben.

Dieser und die Gesellschafter Holtzbrinck und Naspers sollen den Geschäftsführern Rinnert und Neef kurz nach Erhalt der Frequenzen das operative Geschäft geradezu aus den Händen gerissen haben. Voran brachten die Gesellschafter es dann aber nicht mehr. Der Burda-Verlag habe ein Risiko nicht eingehen wollen und forderte vor allem Verträge mit den Telekommunikationsanbietern. Dies habe Vodafone und Co. aber überhaupt erst in die Lage versetzt, Druck ausüben zu können. Selbst einen Vorschlag des Unternehmens Naspers, das Anfangsrisiko des Projektes zunächst allein zu tragen, soll Burda abgelehnt haben. Burda und Holtzbrinck geben zu Mobile 3.0 keine Auskunft und verweisen auf das Unternehmen selbst. Doch auch dort gibt es zu jeder Anfrage nur die lapidare Antwort "kein Kommentar".

Die Landesmedienanstalten, die mit ihrer Lizenzvergabe keine glückliche Entscheidung getroffen haben, fordern Klarheit. Mobile 3.0 aber sucht wohl nur noch einen günstigen Zeitpunkt, das Aus der Handy-TV-Träume zu erklären. Und vielleicht jemanden, dem man den schwarzen Peter für das Scheitern zuschieben kann. Am Freitag trafen sich die Gesellschafter erstmals seit Wochen wieder zu einer Versammlung. Über Ergebnisse ist bislang nichts bekannt.

Autor:  HENRIK SCHMITZ
Datum:  18 | 8 | 2008
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