Stuttgart. Er ist nicht unumstritten und er hat sich schon mit einigen sehr Großen im deutschen Mediengeschäft angelegt. Medienjournalist und Blogger Stefan Niggemeier hat gerade deshalb am Mittwochabend einen weiteren Preis für seine Arbeit eingeheimst. "Mir ist das alles hier ehrlich gesagt eine Nummer zu groß", sagte der 39- Jährige bei der Entgegennahme des Hans Bausch Mediapreises des Südwestrundfunks (SWR) in Stuttgart. Er nehme den Preis als Aufforderung an alle Medien wahr, "Qualität zu fördern."
Niggemeier erhält den Preis vor allem für seine Arbeit als Mitgründer des "Bildblogs" sowie Betreiber seines eigenen Blogs (Weblogs). Für die Fehlersuche in der "Bild"-Zeitung, aber auch die offene Kritik an vielen anderen deutschen Medien von Fernsehsendern bis zu Nachrichtenagenturen ist der gebürtige Niedersachse bekanntgeworden. Die Preisjury wählte Niggemeier unter anderem deshalb aus, weil er "die Tugenden der "alten" Medien in das neue Medium Internet" überführt habe. Er helfe mit seiner Arbeit, journalistische Standards im weltweiten Netz zu etablieren.
Laudator Wolfram Weimer bescheinigte Niggemeier, "nichts anderes als klassischen Journalismus" zu machen. Und dass er den Preis bekomme, weise darauf hin, dass manches in den deutschen Medien anscheinend faul sei. "Er hält vielen von uns den Spiegel vor, auch wenn wir manchmal eine Fratze darin erkennen", sagte der Herausgeber des Politik-Magazins "Cicero" und frühere "Welt"-Chefredakteur. Dabei sei Niggemeier ein "großer Trost" in der derzeitigen Medienkrise - er verkörpere "die Gegenöffentlichkeit", und die sei schließlich "das Prinzip der Demokratie".
Der in Berlin lebende Blogger wandte sich gegen die Sichtweise, ihn als "Einzelkämpfer" erscheinen zu lassen. Neben Kollegen wie Christoph Schultheis, dem Co-Gründer des "Bildblog", gebühre vor allem den Lesern seiner Blogs großer Dank. Die schickten ganz viele Hinweise und machten seine Arbeit erst möglich. Daher sei auch die Klage vieler über das Netz falsch - dort gebe es ganze neue Welten zu entdecken, von Wikipedia bis zu Juristen, die Rechtsblogs schrieben.
Niggemeier hat eine klassische Journalistenlaufbahn hinter sich: Stationen als Lokalreporter bei der "Neuen Osnabrücker Zeitung" und als Schüler der Deutschen Journalistenschule in München sowie als Autor für verschiedene Blätter folgte eine Stelle als Medienredakteur bei der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS)". Doch Niggemeier kündigte, weil er bemerkt habe, dass "da etwas Spannendes"im Netz passiere. Heute ist er fest im Netz etabliert und einer der meistgeklickten deutschen Blogger. "Ich mache das vor allem, weil es mir Spaß macht", sagte Niggemeier der dpa über seine Arbeit.
Der mit 10000 Euro dotierte Bausch Mediapreis wird jährlich verliehen - vergangenes Jahr ging er an die Literaturkritikerin Elke Heidenreich. Auch Laudator Weimer war bereits unter den Preisträgern. Namensgeber Hans Bausch war von 1958 bis 1989 Intendant des SWR- Vorgängers Süddeutscher Rundfunk. (dpa)
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