kalaydo.de Anzeigen

Medien

20. März 2013

Happy Way Mazagin: Schweigen macht nicht glücklich

 Von Sarah Mühlberger
Die erste Ausgabe Happy Way. Foto: Klambt

Klambt startet ein Magazin für spirituelle Frauen: "Happy Way" soll einladen "zum Schwelgen, zum Genießen und Lächeln". Schon auf den ersten Seiten bekommt man mehr Lebensweisheiten präsentiert, als man sich je wird merken können.

Drucken per Mail

Schon im Editorial geht’s zur Sache: „Warum nur gelingt es uns im Alltag so selten, zufrieden und froh zu sein?“ Ganz einfach: Wir erkennen das Schöne der Welt nicht mehr. Behauptet zumindest Happy Way und hat gleich eine gute Nachricht: „Genau dabei kann Ihnen dieses neue Magazin helfen.“

Von nun an liegt Happy Way am Kiosk, von der Mediengruppe Klambt als „spirituelle Frauenzeitschrift“ angepriesen. Das Glücklichwerden kostet 3,80 Euro pro Heft, geplant sind vier Ausgaben im Jahr. Die Startauflage liegt bei 120 000, und ziemlich genau so viele Exemplare verkauft die Konkurrenz von der Bauer Media Group, die mit dem „Mindstylemagazin“ Happinez drei Jahre früher dran war und dessen Erfolg offenbar zeigt, dass wir es mit einem „zunehmenden Trend der Sinnsuche“ zu tun haben, wie es nun in der Pressemitteilung zum Start von Happy Way heißt.

Chefredakteur Michael Heun sagt über sein Heft: „Das Magazin lädt ein zum Schwelgen, zum Genießen und Lächeln und setzt damit einen Kontrapunkt zu einem immer härter und oberflächlicher werdenden Alltag.“ Damit ist er zumindest einer Meinung mit dem Happinez-Chefredakteur Uwe Bokelmann, der 2010 konstatierte: „Unsere Welt ist immer härter und oberflächlicher geworden.“ Der Weg zum Glück ist also, um mal im Spiritualitätsduktus zu bleiben, hier und dort mit einem ähnlichen Vokabular gepflastert.

Die erste Ausgabe von Happy Way kommt mit einem Gimmick an den Kiosk: Buddhas Weisheiten auf Glückskarten gedruckt. Überhaupt bekommt man auf den gut 120 Seiten mehr Sprüche serviert, als man die nächsten 20 Jahre verwenden kann, auch Klassiker wie „Das Paradies der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“ fehlen nicht.

Reinkarnation, Klangschalen, Yoga, Selbsthilfe

Die Themen der ersten Ausgabe sind ein Best of Spiritualität: Reinkarnation, Klangschalen, Yoga, Selbsthilfe durch positive Gedanken. Obendrauf gibt’s einen hilfreichen Test („Haben Sie ein gutes Karma?“), Tipps für besseren Sex („Lassen Sie sich verwöhnen. Tun Sie nichts.“) und ein Maya-Horoskop („Im Mai kann der Fluss der Zeit zu Überraschungen führen.“). Im Selbstversuch testet ein Autor Schweigen im Alltag („Erkältung ohne Jammern? Sorry Leute, das ist Folter.“), während eine Autorin mutig genug war, eine Reise nach Island anzutreten, schließlich ist die „immer auch eine Reise ins Ich“.

Das alles wird farbenfroh präsentiert, mit verspielten Schriften und Verzierungen, wohin das Auge blickt. Nur für störende Fakten bleibt auf dem Weg zum Glück wenig Platz. In der Titelgeschichte zur Wiedergeburt erwähnt die Autorin zwar kurz, dass es große Zweifel an den Reinkarnations-Experimenten eines von ihr ins Feld geführten Esoterikers gab, macht dann aber im nächsten Absatz mit einem „Wie auch immer“ unbeirrt weiter.

Ein kurzer Text darüber, dass in Deutschland angeblich 3,5 Millionen Menschen am „Sissi-Syndrom“ erkrankt sein sollen, einer besonderen Form von Depression, die insbesondere attraktive und aktive Personen trifft, ist hingegen nicht nur Quatsch und längst wissenschaftlich widerlegt, sondern zudem komplett von der Internetseite www.sissi.de abgeschrieben.

Kritik ist aber eigentlich fehl am Platz, denn, auch das lehrt Happy Way, 2013 ist ja das Jahr der Wunder. „Insofern ist es gut und richtig, nur positive und inspirierende Gedanken zu kreieren.“

Jetzt kommentieren

Die FR erscheint weiter

"Was können die Leserinnen und Leser jetzt tun, um der Frankfurter Rundschau zu helfen?", fragte die FR den Insolvenzverwalter Frank Schmitt im Interview.

Seine Antwort: An den Kiosk gehen und die Frankfurter Rundschau kaufen und Anzeigen schalten. "Alles, was aktuell zum Umsatz beiträgt, ist hilfreich."

Die Zeitung erhalten Sie aktuell im Solidaritäts-Abonnent.

Die preisgekrönte FR-App bekommen Sie ebenfalls im Abo als Paket mit unserem E-Paper oder im Einzelverkauf im App-Store und bei Google Play.

Anzeigen sind möglich in Zeitung, App und auf der Website. Der Verlag informiert über die Konditionen.

Spezial zum ESC 2013

Alle Bilder, alle Auftritte, alle Kandidaten: Der Eurovision Song Contest 2013 in Malmö in unserem FR-Spezial.

Filmtipps
Anzeige
TV-Kritik
Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!

Anzeige
Videonachrichten Leute
Anzeige
Anzeige
Kino: Neustarts
Film

Die Filmwoche: Was läuft wann in welchem Kino? Alle Neustarts, alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.

World Press Photo
Das beste Pressefoto 2012: Eine jemenitische Frau hält einen verwundeten Verwandten in ihren Armen.

Beeindruckende Aufnahmen: FR-online.de präsentiert interaktiv die Pressefotos des Jahres.