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Medien

08. Mai 2011

Henri-Nannen-Preis: Die Sache mit der Modelleisenbahn

 Von Ulrike Simon
Das mehrköpfige Team des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" erhalten von Jurymitglied Helmut Markwort (r) den Preis in der Kategorie Dokumentation während der Verleihung des Henri-Nannen-Preises.

Fast ohne Komplikationen: Bei der Verleihung der Henri-Nannen-Preise sorgt die ausgezeichnete Spiegel-Reportage von René Pfister über Horst Seehofer und seinen Keller für Diskussionen.

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Fast wäre die Verleihung des Henri-Nannen-Preises in diesem Jahr komplikationsfrei verlaufen. Gut, Katrin Bauerfeind und Carsten von Ryssen gaben mit ihrer Moderation am Freitagabend im Hamburger Schauspielhaus manchem Anlass, an der glamourösen Veranstaltung herumzumäkeln. Bei der Party danach lästerten viele der 1200 Gäste über den Wortwechsel zwischen der Moderatorin und Jury-Mitglied Ines Pohl. Die taz-Chefin hatte sich darüber geärgert, wie Bauerfeind sie angekündigt hatte. „Was hätten Sie denn gesagt?“, konterte Bauerfeind. Antwort Pohl: „Etwas Klügeres“.

Und dann war da noch das Rätsel, warum es bei einer Veranstaltung von, mit und für Journalisten Arbeitsministerin Ursula von der Leyen sein musste, die Susanne Leinemann den Sonderpreis für einen Artikel im Zeit-Magazin überreicht hat. Dafür, dass sich die Redaktion mit niemandem gemein macht, schon gar nicht mit Politikern, wurde kurz darauf die französische Satirezeitung Le Canard enchainé mit dem Henri für Pressefreiheit ausgezeichnet.

Die Preisverleihung und die bis zum nächsten Morgen dauernde Party wäre also fast ohne Komplikationen verlaufen, wäre da nicht die Sache mit dem Preis für die beste Reportage gewesen: René Pfister vom Spiegel bekam ihn, für ein Porträt von Horst Seehofer. Im anschließenden Gespräch mit dem Preisträger zeigte sich Bauerfeind begeistert von der mit vielen Details ausgeschmückten Szene, mit der das Porträt beginnt. Pfister schreibt, wie Seehofer in den Keller seines Ferienhauses geht und das macht, was er häufig tut, „auch jetzt im Sommer, wenn er ein paar Tage frei hat“: Er spielt mit seiner Modelleisenbahn. Eine Schlüsselszene des Porträts. Wie ihm gelungen sei, in Seehofers Keller zu kommen, fragte die Moderatorin. Er sei dort ja gar nicht gewesen, antwortete Pfister.

Ein Reporter, der seine Leser täuscht und nur so tut, als sei er Zeuge dessen gewesen, worüber er schreibt, bekommt den Henri für die beste Reportage? Man sollte ihm den Preis wieder aberkennen, sagten Mitglieder der Jury danach. Es wurde heftig diskutiert, danach beschloss die Jury, später noch einmal darüber nachzudenken.

Völlig verdient hingegen waren die weiteren Preise an ein elfköpfiges Spiegel-Team für die Dokumentation der Tanklaster-Bombardierung bei Kunduz, an Welt-Kolumnist Hans Zippert (Humor) und an Wolf Schneider, der an diesem Vorabend zu seinem 86. Geburtstag für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden ist. Der emotionalste Moment des Abends: Fotograf Stephan Vanfleteren widmete seinen Henri dem ebenfalls nominierten, aber bei einem Angriff in Libyen getöteten Tim Hetherington. Am meisten gegönnt wurde der Preis Christine Kröger vom Weser-Kurier für die beste investigative Leistung – Regionalzeitungen sind bei den Nannen-Preisen leider selten vertreten. Mit der Henri-Büste im Arm sagte Kröger: „Ich kann das gar nicht glauben. Ich bin doch nicht der Spiegel.“

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