Aus eins mach zwei: Einer der großen "Player" in der bundesdeutschen Presselandschaft scheint plötzlich geschrumpft, dafür spielt nun einer wieder mit, der sich schon zurückgezogen hatte: Am Donnerstagnachmittag wurde bekannt, dass der Konzern Georg von Holtzbrinck die Besitzverhältnisse neu geordnet hat.
Dieter von Holtzbrinck (67) kauft seinem jüngeren Halbbruder Stefan (45) die überregionalen Zeitungen ab: Zum 1. Juni werden der Berliner Tagesspiegel und die Verlagsgruppe Handelsblatt Teil der "Familiengesellschaft Dieter von Holtzbrinck Medien" (DvH Medien) sein, die zudem eine 50-prozentige Beteiligung am Hamburger Zeit-Verlag halten wird.
Gesellschafter der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, 1971 gegründet, sind die Geschwister Stefan von Holtzbrinck und Monika Schoeller.
Dieter von Holtzbrinck stieg 1970 in die von seinem Vater Georg von Holtzbrinck aufgebaute Verlagsgruppe ein und übernahm zunächst das Handelsblatt, integrierte später die Wirtschaftswoche und DM und erwarb weitere Beteiligungen an Tageszei- tungen. Im Mai 2001 übergab er die Geschäfte an seinen 22 Jahre jüngeren Halbbruder Stefan von Holtzbrinck und schied 2006 schließlich aus der Verlagsgruppe aus.
Der Holtzbrinck Konzern mit weltweit rund 17.000 Mitarbeitern umfasst heute unterschiedlichste Aktivitäten im Verlagsgeschäft: vor allem Tages- und Wochenzeitungen, Buchverlage, und elektronische Medien wie das Online-Portal StudiVZ. Der Umsatz betrug im Jahr 2007 2,489 Milliarden Euro.
Damit mischt einer wieder mit, der sich 2006 schon zurückgezogen hatte. Denn Dieter von Holtzbrinck wollte damals eine Familienstiftung ins Leben rufen, in die sein Vermögen nach und nach einfließen sollte. Er erhielt allerdings eine jährliche Rendite aus dem Konzern, die der Branchendienst kress jetzt auf 30 Millionen Euro bezifferte.
Das scheint in Zeiten sich verschärfender Krise zumal bei Printmedien eine zunehmende Belastung für das laufende Geschäft des Holtzbrinck-Konzerns gewesen zu sein. Das lässt sich jedenfalls aus der Mitteilung schließen, dass nun "die Verbindlichkeiten gegenüber Dieter von Holtzbrinck und seiner Stiftung getilgt" werden, die bei dessen Ausscheiden aus dem Unternehmen vereinbart worden seien. Zu deutsch: Es wurde dem Hause einfach zu teuer.
Denn wie in der Verlautbarung des Konzerns verräterisch formuliert wird, "vergrößert die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ihren Spielraum, um in Zeiten einer weltweiten Rezession und des Umbruchs im Medienbereich ihre strategischen Pläne zu realisieren".
Diese Pläne gelten wohl vor allem dem Ausbau der Geschäfte im Online-Bereich - dem galt vor allem das Interesse Stefan von Holtzbrincks. So kaufte er 2007 das für das Web 2.0 wegweisende, dem US-amerikanischen Facebook nachempfundene Portal "Studi-VZ", das rasch sehr erfolgreich wurde. In den vergangenen Jahren hat der Verlag die online-Aktivität ausgebaut, etwa mit Literatur-Seiten wie bücher.de, Technik-Angeboten wie golem.de oder auch Anzeigen-Portalen wie ISA.
Stefan von Holtzbrinck behält jedoch die Buchverlage und die regionalen Blätter wie etwa die Saarbrücker Zeitung und den Südkurier, die Würzburger Main-Post und den Trierischer Volksfreund. Und er hält nach wie vor die Hälfte am Zeit-Verlag. Dessen fünfköpfigem Aufsichtsrat werden künftig, so ist der Mitteilung Holtzbrincks zu entnehmen, die Gesellschafter Monika Schoeller, Dieter von Holtzbrinck und Stefan von Holtzbrinck angehören.
Der Schritt, den 1971 von Georg von Holtzbrinck gegründeten Verlag nun zu teilen, kommt in zweierlei Hinsicht überraschend. Zum einen wird Print weithin nicht mehr als besonders zukunftsträchtig angesehen; täglich laufen Meldungen ein, nach denen Anzeigenerlöse und Auflagen sinken - bislang vor allem in den USA, das in dieser Hinsicht als richtungsweisend gilt.
Zum anderen hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren nicht eben eine glückliche Hand mit Presseerzeugnissen gehabt. So musste der Konzern Georg von Holtzbrinck die Berliner Zeitung 2003 auf Order des Bundeskartellamts wieder abstoßen (mit der bekannten Folge des Erwerbs durch die britische Mecom, die jetzt an DuMont Schauberg verkaufen musste). Außerdem hatte Dieter von Holtzbrinck 2007 vergeblich versucht, im Verbund mit anderen Investoren die Süddeutsche Zeitung zu kaufen.
Jetzt kehrt der 67-Jährige wieder ins Tagesgeschäft zurück - ob mit mehr Fortüne, muss die Zeit erweisen.
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