Zu Beispiel gestern: Da zeigten sie um 20.15 Uhr "Winter in Hessen", um 21 Uhr folgte "Klöster in Hessen" und zur guten Nacht gabs um 22.45 Uhr noch "Die größten Hessen". Und mit diesem regional ausgerichteten Programm sind sie nach den Worten des Intendanten Helmut Reitze "außerordentlich erfolgreich" beim HR-Fernsehen. Seit 1991 habe der Sender nicht mehr so gut abgeschnitten bei den Marktanteilen, rechnet Reitze vor. Bezogen auf das Bundesland habe man 6,0 Prozent und bundesweit 1,1 Prozent erreicht, so viel wie zuletzt vor 20 Jahren.
Das sei der "Umorientierung auf uns selbst" zu verdanken, formuliert der Intendant, "wir setzen auf Hessen, Hessen, und nochmals Hessen". Sein Fernsehdirektor Manfred Krupp sagt es in der Sprache des Kaufmanns: "Wir haben die Marke stark auf Hessen ausgerichtet". Also wird das Bundesland im Programm rauf und runter gefeiert. "Hessens schönste Burgen" haben sie nun schon elfmal ausgestrahlt. Was sich anpreisen lässt unter dem Rubrum "Herrliches Hessen", soll dafür sorgen, dass die emotionale Bindung an Land und Anstalt zunimmt. Nostalgie und Wohlfühlfernsehen ist Trumpf.
So ist die Verweildauer pro Tag um vier auf 51 Minuten gestiegen, und man habe in allen Altersgruppen gewonnen. Besonders bei den 50- bis 64-Jährigen sei die "Verjüngungsstrategie" aufgegangen, sagt Krupp. Er erklärt sich den Erfolg der Regionalisierung auch damit, das Menschen mit Kindern im schulfähigen Alter sesshaft würden und sich dann wieder stärker an Heimat orientierten. Was dazu führt, dass sogar Sendungen über Traktoren großen Zuspruch fänden. Weshalb der hr seinem Publikum zu Weihnachten demnächst "Gigant im Kornfeld" schenkt: einen Film über Mähdrescher.
Worauf die Manager im Funkhaus am Dornbusch besonders stolz sind: Sie haben den Zuwachs mit weniger Geld erreicht. Das "Konsolidierungsprogramm" sieht Einsparungen von 64 Millionen Euro bis 2012 vor. Gespart wird auch durch Wiederholungen. Wie viel Prozent die am Gesamtprogramm ausmachen, konnte Reitze nicht sagen. Aber er wies darauf hin, dass sich die Akzeptanz von Wiederholungen geändert habe: Sie stünden heute beim Publikum nicht mehr im Ruch "minderwertiger Qualität", sondern gälten als Gelegenheit, Verpasstes nachzuholen. Und so laufen auch Filme aus der Mottenkiste wie "Förster Horn" oder "Kommissar Freytag" heute beim hr unter dem Etikett: "repertoirefähige Formate".
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.