Der hiesige Markt für Online-Medien scheint derzeit beliebt bei ausländischen Investoren zu sein. Im Januar startet Rupert Murdochs Konzern News Corp eine deutschsprachige Webseite des Wall Street Journals. Auch das Blog TechCrunch, wie die Huffington Post im Besitz von AOL, hat Ambitionen. Dem Branchendienst Meedia sagte Maymann: „Ich habe keinen Zweifel, dass TechCrunch in Deutschland funktionieren könnte.“ BGR, ein erfolgreiches amerikanisches Tech-Blog, produziert jetzt deutsche Inhalte für die Firma United Internet, der web.de und gmx gehören. Und im September gab es eine deutsche Ausgabe des US-Magazins Wired – auf Papier und als iPad-App, Zielgruppe war die twitternde und bloggende Netzgemeinde.
Defizitäre Online-Redaktionen
Viele deutsche Verleger sahen im Internet lange eher ein Risiko. Von wenigen Ausnahmen abgesehen arbeiten die großen Online-Redaktionen defizitär, deshalb schrecken viele Verlage vor Investitionen zurück. Nicht zufällig sieht AOL-Manager Maymann in Deutschland noch „Raum für Innovationen“.
Auf dem Print-Markt sind ausländische Übernahmen stets gescheitert. Als der norwegische Verlag Schibstedt 1999 in Köln die Gratiszeitung 20 Minuten einführte, reagierten die lokalen Konkurrenten Springer und M. DuMont Schauberg mit eigenen Gratiskonzepten und zogen auch juristisch in die Abwehrschlacht. 20 Minuten wurde 2001 eingestellt. Umwälzungen der Zeitungslandschaft durch Gratiszeitungen wie etwa in Skandinavien, den Niederlanden und in der Schweiz sind Deutschland erspart geblieben. Noch immer ist ein Großteil der deutschen Zeitungshäuser verlegergeführt. Deshalb waren die Befürchtungen groß, als 2005 die britische Mecom-Mediengruppe den Berliner Verlag übernahm, in dem auch die Berliner Zeitung erscheint. Nach vier Jahren musste sich Mecom vom deutschen Zukauf wieder trennen.
"Keine Lücke für Huffington Post"
„Grundsätzlich sind ausländische Verlage herzlich willkommen, wir haben allerdings auch Ansprüche an diejenigen, die im Club der deutschen Verleger mitspielen wollen“, sagt Hans Joachim Fuhrmann, Sprecher und Mitglied der Geschäftsleitung beim Bundesverband deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Auch neue Online-Projekte werde der BDZV willkommen heißen. Ob in Deutschland noch Platz ist für eine Huffington Post, werde sich zeigen. „Absolutes Alleinstellungsmerkmal fast aller Zeitungen in Deutschland ist der professionelle Lokaljournalismus. Das muss die Huffington Post mit ihren Laienjournalisten erst mal hinkriegen“, sagt Fuhrmann.
Der gleichen Meinung ist Jakob Augstein, Verleger der Wochenzeitung der Freitag. „Ich sehe auf Anhieb keine Lücke für die Huffington Post“, sagte er bei DRadio Wissen. Augstein hält den deutschen Pressemarkt für den besten der Welt. Im Ausland seien durch das große Zeitungssterben Lücken entstanden, die es hier nicht gebe. So sei etwa zoomer.de, ein ambitioniertes Nachrichtenportal des Holtzbrinck-Verlags, nach nur einem Jahr wieder eingestellt worden.
In Frankreich arbeitet die Huffington Post mit der großen Tageszeitung Le Monde zusammen und stellt vorerst nur acht eigene Mitarbeiter ein. „Die Seite muss jeweils richtig französisch, deutsch oder spanisch sein“, sagt Arianna Huffington. Deshalb sucht sie sich einheimische Partner.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.