Fabricio tankt sich gegen Lucio bis zum Strafraum durch", oder: "Täsch tanzt Ziebig an der Torlinie aus". Es geht munter zu beim Saisonfinale in der Bundesliga, Sprachkapriolen der Reporter inklusive. Im Netz sind es die Liveticker, die uns auf Spiegel-online und anderen Nachrichtenportalen mit stenogrammähnlichen Kommentaren zu Sportereignissen versorgen - annähernd in Echtzeit, immer atemlos, manchmal ambitioniert. Es gibt erfinderische Lustmorde an den verbalen Konventionen zu bestaunen. "Der Keeper kann den Ball gerade noch von der Linie kratzen": Das ist nicht gerade die Sprache, die in den Sportsendungen der ARD oder des ZDF gepflegt wird.
Nicht die behäbigen Fernsehkommentatoren, die mit Spieleranekdoten und absurder Statistik langweilen, sondern die Hörfunkreporter der ARD-Konferenzschaltung halten das Erbe Herbert Zimmermanns hoch: Sprachschöpferisch und mit Vibrato in der Stimme übermitteln sie Woche für Woche die Dramen in den Stadien. Doch wer sich von seinem Laptop nicht trennen mag, klickt sich durch den Liveticker und erfährt, dass Ribéry die Abwehr von Hoffenheim "schwindlig spielt", Podolski den Ball "an die Latte nagelt" und die Bayern gegen Leverkusen so befreit aufspielen, "als gäbe es kein Morgen mehr". Von Fall zu Fall kommen auch komplette, sehr wunderliche Sätze zustande: "Cottbus weiß bei Ballbesitz momentan wenig mit dem Spielgerät anzufangen und verliert in der eigenen Hälfte die Kugel."
Die Linguistik, die sich mit der Sprache der Blogs und E-Mails längst beschäftigt, hat die der Liveticker noch nicht entdeckt. Sie könnte zeigen, dass in den digitalen Netzen unsere Sprache vielleicht bizarrer, nicht jedoch ärmer geworden ist. "Luca Toni landet im Tor, der Ball dahinter" - ein Satz, der sich der Situation ebenso wie dem Witz des Kommentators verdankt. Sind aber die Stars müde: "Die Partie plätschert dahin, die Messe ist gelesen."
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.