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Medien

19. Dezember 2012

Instagram: Instagram und die Falschleser

 Von Marin Majica
Mitten im Shitstorm: Instagram. Foto: dpa

Über die Entstehung eines Shitstorms und wie Instagram damit umgeht.

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Instagram ist eingeknickt. So ist es am Mittwoch überall zu lesen, wahlweise heißt es, Instagram rudere zurück. Wie das gehen soll, dieses Rückwärtsrudern, steht auf einem anderen Blatt, auf jeden Fall lenkt Instagram nach massiven Protesten ein. Oder: Es macht einen Rückzieher und reicht die Hand den rund 100 Millionen Menschen, die weltweit die für ihre Retro-Farbfilter bekannte Foto-App benutzen.

Mit diesen oder ähnlichen Worten haben zumindest zahlreiche angesehene Online-Medien und Agenturen geschildert, wie Instagram auf den ausgewachsenen Shitstorm reagiert hat, dessen Ziel die App aus heiterem Himmel wurde. Ob solche Ausdrücke allerdings korrekt beschreiben, was dem Tochterunternehmen des sozialen Netzwerks Facebook in diesen Tagen widerfahren ist, darüber lässt sich durchaus streiten.

Gespannter Bogen

Das machen etwa die Autoren und Kommentatoren der Blogs neunetz.com und netzwertig.com. „Versagen auf ganzer Linie – bei allen“ lautet die Überschrift des Blog-Eintrages auf netzwertig.com. Versagt haben nach Ansicht des Autoren Martin Weigert Facebook und Instagram, Nutzer, vor allem aber Journalisten. Das klingt so scharf, dass etwa Spiegel-Online-Journalist Christian Stöcker dagegen protestiert. Allerdings lässt sich an dem Fall tatsächlich einiges ablesen und lernen über die Mechanismen der Eskalation unter den Bedingungen digitaler Nachrichtenproduktion.

Was war geschehen? Am Dienstagvormittag kursieren erste Berichte, dass Instagram eine Änderung seiner Nutzungsbedingungen plane. Das Magazin Wired veröffentlicht in seiner Online-Ausgabe einen Artikel, in dem der Autor erklärt, warum er seinen Instagram-Account gelöscht hat – weil das Unternehmen nun die Rechte an all seinen Fotos beanspruche.

Wired ist das Leitmedium der Tech-Nerds, Blogs und Nachrichtenseiten reagieren, auch in Deutschland. Der Bogen ist gespannt, der Ton gesetzt: In einem Journalisten-Forum auf Facebook stellt Blogger Robert Basic gegen elf Uhr die Frage an die Sprecher des Netzwerks: „Wann kommt Euer Statement zur These, dass Instagramm nicht nur unsere Seelen verkauft, sondern auch unsere Bilder dazu?“ Facebook-Sprecherin Tina Kulow spricht davon, Instagram sei nicht im „Fotoverkaufsbusiness“.

Zeit Online, Spiegel Online und Golem.de bringen bald die Geschichte. Sie beschreiben durchaus die verschiedenen geplanten Änderungen: So soll ein halbes Jahr, nachdem Facebook Instagram für angeblich eine Milliarde Dollar gekauft hat, der Austausch der Nutzerdaten zwischen den Plattformen erleichtert werden. Der offizielle Grund dafür ist der Kampf gegen Spam, gleichzeitig geht es aber um das leichtere Ausspielen von Werbung. Die soll laut Änderung nicht immer als solche gekennzeichnet werden, was befremdlich ist. Für solche Anzeigen nach dem Muster „Deinem Freund XY gefällt Marke ABC“ will Instagram nach den neuen Nutzungsbedingungen auch die Fotos der Nutzer verwenden.

Eingeknickt

Was aber in Überschriften und Vorspänne wandert und den digitalen Stoffwechsel-Kreislauf der Twitter-Postings und Leser-Kommentare mächtig anheizt, ist die Nachricht: Instagram wird Bildagentur und verkauft die Fotos seiner Nutzer weiter. Ohne sie zu fragen! Ohne sie zu bezahlen! Einfach so. Was ein Skandal wäre. Es ist nur nicht wahr.

Die Dynamik dieser Geschichte ist so groß, dass sich ihr kaum einer entziehen kann, auch unsere Zeitung online nicht. Am späten Abend deutscher Zeit veröffentlicht Instagram-Gründer Kevin Systrom einen Eintrag im Instagram-Blog.

Darin heißt es: „Wir respektieren, dass deine Fotos dir gehören. Punkt.“ Die Formulierungen seien missverständlich gewesen, deswegen würden sie geändert. Man könnte das Krisenmanagement nennen oder einen Versuch, die chaotische Situation wieder unter Kontrolle zu bringen. Oder eben sagen: Instagram ist eingeknickt.

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