Der Chefredakteur des ZDF, Peter Frey, sagte, er wolle weniger Sendergesichter, die wenigen sollen aber im Programm präsenter sein. Konkret nannte er die Namen Claus Kleber, Marietta Slomka, Theo Koll und Maybrit Illner. Was er im Fall von Illner meinte, wird in dieser Woche konkret. Von Sonnabend an wird sie als Nachfolgerin von Steffen Seibert, der als Regierungssprecher in die Politik gewechselt ist, Moderatorin des „heute-journals“. Ihre Talkshow, mit der sie heute aus der Sommerpause zurückkehrt, behält sie bei.
Frau Illner, Sie haben vor knapp drei Wochen Telekom-Chef René Obermann geheiratet. Heißen Sie überhaupt noch Illner?
Ja, Sie müssen sich nicht umgewöhnen.
Sie werden künftig auch das „heute-journal“ moderieren. Ist das der Anfang vom Ende Ihrer Talkshow?
Wieso denn das? Beides lässt sich wunderbar verbinden. Ich bin einmal pro Monat von Samstag bis Dienstag in Mainz, und unser Berliner Talk läuft immer am Donnerstag. Das passt schon.
Welche der beiden Aufgaben ist mit mehr Arbeitsaufwand verbunden?
Das muss ich erst herausfinden. Die Sendungen sind sehr unterschiedlich. Andererseits deckt sich die Arbeit insofern, als ich für beides am besten zehn Zeitungen pro Tag gelesen haben und bei den Nachrichten aus aller Welt auf dem Quivive sein sollte.
Sie hatten am vorigen Wochenende beim „heute-journal“ intern ein paar Probeläufe. Wie war es?
Das Studio in Mainz ist technisch sehr aufwendig. Mit all den Finessen muss man sich erst vertraut machen. Ansonsten haben mir die Kollegen die redaktionellen Abläufe auseinanderklamüsert. Das lief alles prima. Ich bin entspannt und aufgeregt zugleich. Hier die Redaktion der Talkshow, dort die des „heute journals“: Ich arbeite jetzt in zwei echten A-Teams – was will man mehr?!
Sie gelten als Anhängerin der These, dass man am meisten Freude hat, wenn man sich auf eine Sache konzentriert. Warum werden Sie der These untreu?
Wenn ich jetzt Dirk Bach im Dschungelcamp ersetzen würde, wäre das ’ne super Frage. Aber bei diesen beiden Sendungen geht’s immer um Aktuelles.
Anders als Ihre ARD-Kollegen produzieren Sie Ihre Talkshow nicht selbst und sind fest angestellt. Haben Sie deshalb Zeit für einen Zweitjob?
Ich habe einen Vertrag beim ZDF. Und mein Chefredakteur fragte mich, ob ich mir das vorstellen kann. Darüber habe ich zwei Tage nachgedacht, zwei weitere Tage habe ich mit Marietta Slomka und Claus Kleber überlegt, wie das eigentlich mit ihren Plänen zusammenpasst, und dann konnten wir fröhlich mit dem Kopf nicken. Mal ehrlich: Es geht um 40 Sendungen pro Jahr, ich reise im Schnitt also an vier oder fünf Tagen im Monat auf den Mainzer Lerchenberg. Das ist überschaubar.
Die ARD sendet bald jeden Abend einen anderen Talk. Sie kommentierten das so: „Ob sich eine wachsende Zahl von ähnlichen Formaten noch genug voneinander unterscheidet, muss man sehen.“ Wie bereiten Sie sich auf die neue Konkurrenz vor?
Gar nicht! Wir warten einfach in Ruhe ab, wie die ARD fünf Köpfe auf sieben Tage verteilt. Und das werden die schon schaffen. Es ist ja noch ein ganzes Jahr Zeit. Ich halte mich aus dem Moderatoren-Puzzle doch schlauerweise heraus. Im Übrigen nehmen wir uns nix weg. Als Frank Plasberg am Mittwoch ins Erste kam, hat das die Zuschauer nicht davon abgehalten, am Donnerstag weiter das Zweite und am Sonntag weiter das Erste zu gucken. Wir haben alle unser Publikum.
Mit Ihrer Talkshow kehren Sie heute Abend aus der Sommerpause zurück. Überraschen Sie die Zuschauer mit Neuerungen?
Wir haben im vergangenen Jahr viel im Internet gemacht: Diskussionsforen, unseren Youtube-Kanal oder seit April den Facebook-Auftritt. Das ist eine zeitgemäße Art der Zuschauerbindung. Gerade junge Leute sind hier dabei. Es ist wirklich erstaunlich, was wir da an Filmen und TV-Kommentaren bekommen. Deshalb überlegen wir, die Videos nicht an unterschiedlichen Stellen in der Sendung zu zeigen, sondern in einer eigenen Rubrik. Es kann sein, dass wir das bald mal ausprobieren.
Am Montag war Thilo Sarrazin bei Beckmann zu Gast, am Mittwoch bei Plasberg. Auch bei Ihnen sind seine Thesen Thema Finden Sie es gut, dass er so viele Bühnen bekommt?
Es ist legitim, mit ihm Interviews zu führen und Sendungen zu machen. Der Skandal ist ein anderer – nämlich, dass Sarrazin so tut, als sei er ein Tabubrecher, der unaussprechbare Wahrheiten äußert, die es schwer hätten, an die Öffentlichkeit zu dringen. Das glatte Gegenteil ist der Fall.
Interview: Ulrike Simon.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.