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Interview mit Phoenix-Vizechef: Debatten, Debatten

Jürgen Bremer im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau zur Parlamentsberichterstattung beim Doku-Kanal Phoenix und welche Debatten das größte Zuschauerinteresse finden.

Jürgen Bremer ist stellvertretender Programmdirektor des Fernsehsenders Phoenix.
Jürgen Bremer ist stellvertretender Programmdirektor des Fernsehsenders Phoenix.
Foto: ddp

Vor zwei Jahren äußerte Bundestagspräsident Norbert Lammert die Idee, eine Art Parlaments-TV zu schaffen. Wie hat man bei Phoenix reagiert?

Es gab damals den Wunsch oder das Bestreben von Bundestagspräsident Lammert, einen parlamentseigenen Fernsehkanal einzurichten. Wir waren der Meinung, das macht wenig Sinn, weil Phoenix schon fast alles überträgt. Es gab einige Gespräche, zusammen mit den Intendanten und Programmgeschäftsführern. Seither übertragen wir am Donnerstag, traditionell ein sehr langer Parlamentstag, bis 20 Uhr. Wird länger debattiert, tragen wir das am Freitagmorgen nach. Und wir bringen auch das eine oder andere aus interessanten Ausschusssitzungen. Das war damals der Kern der Vereinbarungen.

Zur Person

Jürgen Bremer, 1948 geboren, ist stellvertretender Phoenix-Programmgeschäftsführer. Der Info-kanal übertrug vergangene Woche wie immer live die konstituierende Sitzung des Bundestags. Bundestagspräsident Norbert Lammert Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen, weil die die Sitzung nicht in den Hauptprogrammen live zeigten. ( fr)

Reden schwingen  als  Live-Event: Gregor Gysi ist auch öfter am Rednerpult.
Reden schwingen als Live-Event: Gregor Gysi ist auch öfter am Rednerpult.
Foto: ddp

Wissen Sie, wie viele Zuschauer Sie mit diesen Parlamentsübertragungen erreichen?

Es hängt sehr stark von der Thematik ab, die im Bundestag verhandelt wird. Es gibt spannende, interessante Tage, an denen die Leute gern und viel einschalten. Zum Beispiel die konstituierende Sitzung zum Beginn der neuen Legislaturperiode. Bei der ersten Vereidigung von Angela Merkel war die Zuschauerzahl noch höher. Zum ersten Mal eine Frau im Kanzleramt, die Koalition aus Schwarz-Rot - das war schon sehr interessant. Aber auch in diesem Jahr hatten wir über drei Prozent Marktanteil. Das sind in der Spitze zirka 260.000 Zuschauer.

Welche Debatten finden das größte Zuschauerinteresse?

Bei der ersten Vereidigung Merkels hatten wir in der Spitze fünf Prozent Marktanteil, bei der zweiten 3,1 Prozent. Es kommt auf den Spannungsbogen an. Die Haushaltsdebatten, die Kanzlerdebatte - immer wenn es ums Ganze geht, um die Generalabrechnung, sind das so spannende Tage, die die meisten Zuschauer finden. Es gibt aber auch viele Debatten, die beim Publikum keinen Anklang finden und nicht nur im Parlament vor leeren Rängen stattfinden.

Ist nicht der politikinteressierte Bürger eigentlich besser bedient, wenn er abends eine Zusammenfassung und pointierte Einschätzung des Geschehens serviert bekommt?

Wir bieten beides, Live-Übertragungen und Zusammenfassungen. Und die Live-Übertragungen aus dem Bundestag sind schon wichtig, weil sie ein Stück lebendiger Teilhabe am demokratischen Prozess bieten. Bei Phoenix gibt es dazu die Abendzusammenfassung. An Parlamentstagen beschäftigt die Sendung "Der Tag" sich hauptsächlich mit dem Bundestag. Das ist dann eine Einstundenzusammenfassung, fast monothematisch. Ich glaube, dass der Zuschauer, wenn er mag, damit sehr gut bedient wird. Wer sich dafür interessiert, hat auch am Abend noch einmal eine Möglichkeit, das politische Geschehen recht ausführlich zu sehen.

Die arbeitende Bevölkerung hat nicht die Zeit, nachmittags stundenlang Parlamentsfernsehen zu gucken und freut sich sicherlich, abends eine bündige Zusammenfassung zu erhalten.

Aus meiner Sicht ist beides wichtig. Wir machen das Angebot, live dabei zu sein, und das ja jetzt seit vielen Jahren. Das ist immer ein Angebot, das einen wirklich öffentlich-rechtlichen Kern hat, das über die Dinge, die im Parlament geschehen, sehr breit informiert ohne auf den Marktanteil zu schauen. Die ausführliche Zusammenfassung abends - das ist erheblich mehr, als man beispielsweise in der "Tagesschau" und bei "heute" unterbringen kann. Also längere Rededebatten, längere Ausschnitte. Ich glaube, dass wir damit gut aufgestellt sind. Das meine ich nicht nur für Phoenix, sondern auch quasi als Demokratieangebot, für die Teilhabe interessierter Zuschauerinnen und Zuschauer.

Interview: Harald Keller

Datum:  5 | 11 | 2009
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