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Interview mit Thomas Hermanns: Krise? Welche Krise?

Comedy-Entertainer, Thomas Hermanns, spricht im FR-Interview über Harald Schmidts Heiligenschein, Humor-Trends und die Frage, wie viel Spaß das Fernsehen wirklich verträgt.

Thomas Hermanns startet eine neue Staffel des Quatsch Comedy Clubs
Thomas Hermanns startet eine neue Staffel des "Quatsch Comedy Clubs"
Foto: Pro7

Herr Hermanns, Sie gehören zu den Wegbereitern der deutschen Comedy. Fühlen Sie sich jetzt als der letzte Mohikaner?

Nein, wieso? Ich fühle mich sehr arriviert. Ich hatte in dieser Staffel des "Quatsch Comedy Clubs" zum ersten Mal einen Comedian, der so alt war wie die Sendung selbst. Also vierzehn Jahre. Der wurde quasi gezeugt, als ich zum ersten Mal bei ProSieben durch die Tür kam.

Täuscht der Eindruck, oder macht sich die TV-Comedy in der Krise rar?

Ich habe den gegenteiligen Eindruck: RTL zum Beispiel hat irrsinnigen Erfolg mit den Soloprogrammen von Standup-Comedians. Die Form ist wahrscheinlich deshalb so erfolgreich, weil sie direkt an den Zuschauer herangeht.

Aber bei RTL sieht man doch bloß die üblichen Verdächtigen: Mario Barth, Cindy aus Marzahn ...

RTL hat auch riesigen Erfolg gehabt mit Leuten wie Bülent Ceylan, die bis dahin noch gar nicht so bekannt waren.

Die Comedy im Fernsehen hat sich nicht überlebt?

Ach was, die Frage höre ich jetzt seit 1994 in jedem Jahr wieder. Die Trends ändern sich halt. Standup, Sketch-Comedy, Sitcom oder die "Harald Schmidt Show"- das war am Anfang alles dasselbe für den Zuschauer.

Das Genre hat sich nur ausdifferenziert?

Ja, da gibt es große Geschmacksunterschiede. Ich glaube nicht, dass ein Kurt-Krömer-Fan unbedingt Mario Barth guckt. Jeder kann sich aus dem großen Angebot aussuchen, was ihm gefällt.

Das Angebot der privaten TV-Sender war schon mal üppiger. Fürchten Sie nicht, dass die jüngeren Zuschauer gleich ins Internet abwandern?

Das Internet ist natürlich ein ganz starkes Thema, wir zeigen dort auch unsere Live-Auftritte aus Berlin. Aber es ist eben nur ein neuer Vertriebsweg. Ich weiß zwar nicht, ob man den Leuten in zehn Jahren noch sagen kann, setzt Euch am Montag um 20 Uhr vor den Fernseher. Das klappt nur noch bei großen Events oder Castingshows.

Das Fernsehen ist aber immer noch der größte Produzent von Content, der dann durch alle anderen Medien wandert. Aber wenn nichts Neues kommt, weil die Sender nur bewährte Formate recyceln, läuft sich das Genre tot.

Ich sitze ja in der Jury des Deutschen Comedypreises, diese Gefahr sehe ich nicht. Die Dritten Programme machen jetzt auch wieder ein bisschen mehr.

Im Augenblick scheint die Late Night einen kleinen Boom zu erleben. Wie gefällt Ihnen die "heute show" im ZDF?

Sehr, sehr gut. Erst dachte ich, das ist eine Form, die gab es ja auch schon öfter. Die Produzenten haben aber einen sehr frischen Zugang gefunden. Das Beispiel zeigt, dass Comedy bei allen Sendern funktionieren kann, wenn sie gut gemacht ist.

Was macht denn die "heute-show" anders als Harald Schmidt?

Harald Schmidt ist inzwischen so etwas wie ein wandelndes Ereignis. Die "heute-show" hat noch nicht diesen Heiligenschein.

In den USA läuft das Vorbild mit Jon Stewart bei Comedy Central. Warum funktioniert der deutsche Ableger des Senders nicht?

Die Grundversorgung mit Comedy ist im deutschen Fernsehen so gut, dass sich die Frage nach einem eigenen Spartenkanal nicht stellt.

Das Interview führte Antje Hildebrandt

Quatsch Comedy Club; dienstags, 23.15 Uhr, ProSieben

Datum:  11 | 1 | 2010
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