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Medien

21. Juni 2012

Investigativer Journalismus: Im braunen Sumpf

 Von Michael G. Meyer
Schwierig und gefährlich: Recherche unter Neonazis.  Foto: ap

Nur wenige Journalisten recherchieren im rechtsextremen Milieu. Die Arbeit ist gefährlich und teuer, dazu haben Journalisten in der Szene einen schlechten Ruf.

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Das Thema Rechtsextremismus ist derzeit wieder auf der Agenda, seitdem die Morde der „Zwickauer Zelle“ und des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) um Uwe Mundlos bekannt wurden. „So merkwürdig es klingt: Auch beim Thema Rechtsextremismus gibt es bestimmte Wellen“, sagt die Journalistin Andrea Röpke, die seit Jahren die Neo-Nazi-Szene beobachtet und für fast alle großen Medien geschrieben hat, auch für die ARD hat sie mehrere Filme gedreht. Doch wer glaubt, die Redaktionen würden ihr ständig Geschichten aus den Händen reißen, der irrt. „Oft heißt es, ach das hatten wir schon, das passt gerade nicht rein oder aber die Redaktionen missbrauchen mich als Servicetelefon. Dann sagen die Redakteure: Wir brauchen einen Aussteiger, wir brauchen eine Nazi-Frau oder ähnliche Anfragen kommen dann“ erzählt Röpke, die das Buch „Mädelsache!- Frauen in der Neo-Nazi-Szene“ geschrieben hat.

Nicht immer auf der richtigen Fährte

Die Recherche im braunen Sumpf ist schwierig und gefährlich, weil man dort meist nicht offen agieren kann. Interviewwünsche werden fast immer abgelehnt, und Journalisten haben ohnehin einen schlechten Ruf in der Szene – regelmäßig kommt es zu Handgreiflichkeiten. Wenn es um illegale Aktionen geht, werden Journalisten von fanatischen Nazis auch schon mal mit dem Auto gejagt, angerempelt, verprügelt. Auch Andrea Röpke hat solche Erfahrungen schon gemacht: „Auf Demonstrationen ist mir schon dreimal meine Kamera kaputtgehauen worden, die hat mir niemand ersetzt, dann muss man oft weit fahren, manchmal fährt man auch umsonst irgendwohin – all solche Sachen. Das macht die Recherche zeit- und kostenintensiv und natürlich ist es manchmal auch gefährlich“.

Allerdings: Da es in Deutschland nur rund ein Dutzend Journalisten gibt, die sich lange und ausgiebig dem Thema Rechtsextremismus widmen und wirklich tief in der Szene ermitteln, gibt es auch so etwas wie eine Arbeitsteilung. Man gebe sich Tipps, was zu gefährlich sein könnte oder man arbeite sich gelegentlich zu. Investigativ arbeiten heißt aber nicht immer, auf der richtigen Fährte zu sein: Im Zusammenhang mit dem Mord an der Polizistin Kiesewetter etwa, einem Opfer des NSU, wurde in mehreren Zeitungen über eine heiße Spur „ins Zigeunermilieu“ (Stern) spekuliert. Diese erwies sich aber als falsch. Manchmal komme eben ein Journalist mit der abstrusesten These durch, sagt Hans Leyendecker, Chef des Investigativ-Ressorts der Süddeutschen Zeitung: „Das ist wie ein Rattenrennen, wo Journalisten manchmal die besseren Ermittler spielen. Und manchmal gibt es Geschichten, die besser nie geschrieben worden wären.“

Jahrelange Recherche

Journalisten als Ermittler, das ist ohnehin ein heißes Eisen. Denn die staatlichen Behörden sind nicht immer auf dem neuesten Stand, wie sich im Fall der NSU schmerzlich gezeigt hat. Behörden wie das BKA oder die Landeskriminalämter verweigern Journalisten regelmäßig Auskünfte über die rechtsextreme Szene. Manchmal sind Journalisten sogar besser informiert, als die ermittelnden Ämter. „Es ist auch schon vorgekommen, dass eine Behörde oder eine Schule nachfragt: „Was läuft da?„ Das war beispielsweise bei dem Thema braune Kinderlager und Kindererziehung der Fall. Da verlässt man dann schon mal die Rolle des Journalisten und dringt mehr in den Präventionsbereich ein“, sagt Andrea Röpke. Manchmal gehen Behörden auch Hinweisen nicht nach, obwohl sie es könnten.

Davon kann der Filmregisseur und Journalist Thomas Kuban (sein Pseudonym) berichten. Für seinen Film „Blut muss fließen - Undercover unter Nazis“ hat er Jahre lang in verschiedenen europäischen Ländern recherchiert und war mit versteckter Kamera bei über fünfzig rechtsextremistischen Konzerten. Zunächst alleine, später in Begleitung. Kuban ist bislang der einzige, der sich derart lang mit rechtsextremer Musik befasst hat – ein extremer Zeit- und Geldaufwand, den er zusammen mit dem Produzenten Peter Ohlendorf betrieben hat. Doch am Ende wollte kein Verleih oder Sender den Film, im Februar lief er auf der Berlinale.

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