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Journalismus-Debatte: Auf zu neuen Höhen

Die so oft beschworene Demokratisierung der Kommunikation, ja der gesamten Welt, sie geht einher mit einem fröhlichen Dilettantismus. Wer Angela Merkels Politik rügen will, schreibt ein paar Zeilen ins Leserforum seines Leib- und Magenblatts, wer ein Buch kaufen, einen Film ansehen will, geht ins Netz und findet dort Urteile zuhauf, ohne allerdings etwas über die Kompetenz des Urteilenden zu wissen.

Der professionelle Kritiker oder Journalist sitzt mit solcher Sicht des Bloggens natürlich im Glashaus, schließlich ist ihm da weltweite Konkurrenz entstanden. Schon liefert die Bildzeitung zu einem Spottpreis Videokameras aus, um Tausende von "Leserreportern" zu gewinnen. Heute Leser, morgen Kritiker, übermorgen Regisseur: So hätte sich Karl Marx sein Ideal vom sich als Jäger, Fischer & Sammler selbst verwirklichenden Menschen kaum träumen lassen.

Doch diese Vorstellung von der Teilhabe am Großen Ganzen wird nur scheinbar befriedigt. Der Glaubenssatz des Users lautet: Was wirklich wichtig ist, erreicht mich schon. Das aber könnte sich als Täuschung herausstellen. Denn es sind womöglich doch weniger die "Fakten, Fakten, Fakten", mit denen Helmut Markworts Magazin Focus diese Entwicklung in Deutschland einleitete, sondern es sind die Zusammenhänge hinter diesen Fakten.

Die Bits und Pieces in den Schlagzeilen der Web-Portale wie Yahoo, Windows Live oder auch t-online mögen die Opfer-Zahlen von Kriegen und Katastrophen nennen, die Gründe dafür aber verschweigen sie: Die lassen sich nicht in ein paar Zeilen darstellen. Wer zum Beispiel von den Gräueln im Kongo nur Zahlen, Daten und Namen zur Kenntnis nimmt, der weiß gar nichts, weil er ihm etwa die Geschichte des Völkermords zwischen den Stämmen der Hutu und Tutsi in Uganda Ruanda vor Jahrzehnten fehlen fehlt. Faktenhuberei ignoriert immer, dass Geschichte ein Prozess ist. Der aber bedarf einer Darstellung, die mit Grafiken und Kurztexten nie zu leisten ist.

Das ist nach wie vor die Chance der Zeitung. Zwar sagt eine Trendstudie der Mainzer Fachhochschule voraus, dass bis 2018 das Internet die Tageszeitung in der Nutzung überholt und diese rund 30 Prozent ihrer Leser an das Web verloren haben werde. Der erfolgreichste Medienmogul der Epoche, der Australier Rupert Murdoch, aber ist da ganz anderer Ansicht. Er nannte jüngst alle, die das Ende der gedruckten Medien prophezeiten, "irregeleitete Zyniker". Die Zeitungen würden sich in diesem Jahrhundert zu "neuen Höhen" aufschwingen, indem sie ihr Angebot um Webseiten und auf Leser zugeschnittene Service-Angebote erweiterten: "Unser wirkliches Geschäft ist nicht das Bedrucken toter Bäume, sondern großartiger Journalismus und großartige Urteilskraft."

Dem Wochenblatt Die Zeit geht es so gut wie nie, und das hat vermutlich nicht ausschließlich mit der Qualität der einzelnen Beiträge zu tun, sondern eben auch damit, dass den Lesern etwas geboten wird, wonach sie sonst inzwischen lange suchen müssen: Lesestoff im Zeitungsformat.

(editiert von der Redaktion mit freundlicher Unterstützung von Spiegel Online)

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Autor:  DALAND SEGLER
Datum:  2 | 12 | 2008
Seiten:  1 2
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