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Journalismus in den USA: Texte für eine Handvoll Dollar

In den USA haben sich Überlebensstrategien für Qualitätsjournalismus entwickelt: Es wedren Spenden für Recherchen gesammelt. Von Michael G. Meyer

In den USA sammeln Journalisten Spenden für Recherchen.
In den USA sammeln Journalisten Spenden für Recherchen.
Foto: dpa

In den USA ist die Krise der Zeitungen weitaus dramatischer als in Deutschland. Ein Fall wie der des renommierten Boston Globe, der gerade noch einmal gerettet scheint, ist hier noch nicht vorgekommen. Doch wo die Lage so bedrohlich ist, werden auch vermehrt Auswege gesucht.

Neben der Journalismus-Stiftung "Pro Publica", die seit zwei Jahren von New York aus investigative Recherche betreibt, gibt es seit November vergangenen Jahres die Website "Spot.Us" von David Cohn. Dort könnten freie Journalisten und Reporter im Großraum San Francisco ihre Story-Ideen präsentieren - und um Geld für die jeweilige Recherche bitten: Wenn genügend Geld von Lesern gespendet wurde, ziehen die Reporter los und recherchieren die jeweilige Geschichte, die meist langfristig angelegt und auf die Region San Francisco beschränkt ist. Die jeweilige Spenden-Summe hängt von Umfang und Aufwand ab - mal sind 200 Dollar nötig, bei größeren Texten auch mal 1500 Dollar. Im Schnitt eine Geschichte pro Woche ist so bereits entstanden.

Das Modell "Spot.Us" ist auf lokaler Ebene so erfolgreich, dass es bereits Nachahmer gibt: In Boston, Los Angeles, Kanada, und in Neuseeland und Japan sollen derartige Seiten eröffnet werden.

In Deutschland gibt es ein solches Modell noch nicht, das könne aber noch kommen, glaubt der Medienwissenschaftler Hans Kleinsteuber von der Uni Hamburg: "Wir spenden ja auch für andere gemeinwohlorientierte Dinge, Qualitätsjournalismus gehört eindeutig auch dazu". Es werde ohnehin dazu kommen, dass im Netz Geld für guten Journalismus gezahlt werde, das sei unvermeidlich, wenn man Qualität haben wolle.

Doch das reine Spendenmodell sei schwierig, sagt Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalistenverbands. Ein solches Modell könne kaum den klassischen Journalismus ersetzen, denn in Deutschland gebe es bislang fast keine Bereitschaft, für Inhalte im Internet Geld zu bezahlen: "Eine Ergänzung zum klassischen Lokaljournalismus wäre dieses Modell nur in der Theorie, in der Praxis entstünde vom ersten Tag an eine harte Konkurrenz zwischen den Auftragsartikeln im Internet und der etablierten Zeitung."

Das sieht Medienforscher Horst Röper vom Dortmunder Formatt-Institut ganz anders: "Alles, was an lokaljournalistischen Stimmen neu auf den Markt kommt, kann man nur begrüßen - im Internet ist das ja auch kostengünstig zu machen." Röper erkennt natürlich auch das Problem in der Finanzierbarkeit - einerseits sind die Deutschen Spendenweltmeister, andererseits müssten sich eher die großen Stiftungen wie Bertelsmann oder VW stärker um guten Lokaljournalismus kümmern.

Röper arbeitet an einer Studie über die Medienlandschaft Nordrhein-Westfalen. Da gibt es mehrere Dutzend Kleinredaktionen, die Lokaljournalismus ausschließlich im Netz anbieten, die bekannteste und erfolgreichste ist das "Echo Münster". "Für viele Journalisten, die in Rente oder arbeitslos sind, oder das als ‚Ein-Mann-Redaktion' mit viel Engagement in ihrer Freizeit machen, wäre ein solches Spendenmodell durchaus eine Möglichkeit", glaubt Röper.

Autor:  MICHAEL G. MEYER
Datum:  12 | 6 | 2009
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