Die Tribune Company, einer der größten Presseverlage in den USA, steht womöglich vor dem Konkurs. Wie das Wall Street Journal berichtete, erwägt die Tribune Co. noch in dieser Woche den Gläubigerschutz nach dem so genannten Chapter 11 zu beantragen. Damit könnte die Tribune ihre Schulden umstrukturieren, ohne die Banken bedienen zu müssen. Dies ist oft der letzte Schritt vor dem Konkurs. Die Tribune, der die Chicago Tribune, die Los Angeles Times, die Baltimore Sun und drei Dutzend andere Zeitungen sowie TV-Sender gehören, war im April 2007 von Samuel Zell übernommen worden, einem Immobilienhai aus Chicago.
Dem Journal zufolge soll die Tribune Co. die Bank Lazard Freres als Konkursberater engagiert haben, zudem wird sie von der Anwaltsfirma Sidley Austin beraten. Ein Mitglied der Geschäftsführung sagte - anonym- zur Los Angeles Times, ein Konkurs sei möglich, aber nicht sicher. Es gebe noch ein paar Optionen, die man im Interesse der Aktionäre und Angestellten alle ausschöpfen werde. Konzernsprecher Gary Weitman sagte zur Chicago Tribune, die Lage sei schwierig und unsicher, aber es sei noch keine Entscheidung gefallen.
Zell hatte sich hoch verschuldet, um die Tribune Company zu kaufen. Er erwarb den Konzern für 8,2 Milliarden Dollar, inzwischen sind zwölf Milliarden Dollar Schulden aufgelaufen, was heißt, er muss eine Milliarde Dollar an Zinsen im Jahr bedienen. Allein im kommenden Juni steht eine Zinszahlung von 512 Millionen Dollar an. Der Konzern hat womöglich sogar das mit seinen Schuldnern vereinbarte Limit an neuen Krediten überschritten.
Als Zell den Konzern erwarb, lag die Aktie bei etwa 65 Dollar, nun sind es noch 18 Dollar. Die Hauptgläubiger sind Citibank, Bank of America, JP Morgan Chase und Merrill Lynch; inzwischen werden Tribune-Schulden auf dem Kreditpapiermarkt für einen Drittel des Wertes gehandelt.
Das Kernproblem bei der Zeitungsgruppe sind die zweistelligen Einbrüche im Anzeigengeschäft. Vor allem deshalb sank der Umsatz im letzten Quartal um 83 Prozent; im laufenden Geschäft machte die Zeitungsgruppe einen Verlust von 122 Millionen Dollar. Zell versucht schon des längeren, durch Personalkahlschlag zu sparen. Bisher sind bei allen Zeitungen schon mehr als tausend Stellen gestrichen worden, vor allem in der Auslandsberichterstattung. Damit aber sind auch überall die Auflagen eingebrochen.
Zell versucht jedoch auch, einzelne Zeitungen zu veräußern. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf des New York Newsday wurden bereits Schulden von 888 Millionen Dollar getilgt. Nun wird ein Käufer für das konzerneigene Baseballteam Chicago Cubs gesucht, das eine Milliarde Dollar einbringen soll, möglichst noch in diesem Jahr. Aber das in einer Rezession nicht einfach.
Die Krise auf dem US-Zeitungsmarkt beeinträchtigt alle, aber die Tribune ist ein besonderer Fall. Zell hat beim Kauf nur 315 Millionen Dollar seines Geldes eingesetzt und ansonsten den Pensionsfond der Angestellten angezapft. Deshalb haben mehrere Journalisten der Los Angeles Times Klage gegen Zell eingereicht.
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