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Show-Talent: Guttenberg und die Medien

Der ehemalige Verteidigungs- und Skandalminister geht in die Offensive: Wie Karl-Theodor zu Guttenberg versucht, mithilfe der Zeitung "Die Zeit" sein ramponiertes Image zu polieren.

Wieder omnipräsent: Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theordor zu Guttenberg.
Wieder omnipräsent: Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theordor zu Guttenberg.
Foto: dpa
Berlin –  

Die vorletzte Frage, die Giovanni di Lorenzo in dem Gesprächsband „Vorerst gescheitert“ an Karl-Theodor zu Guttenberg richtet, lautet: „Wie könnte es Ihnen gelingen, Glaubwürdigkeit und Seriosität zurückzugewinnen?“ Die Antwort liefert das Buch. Man erteile einem fernsehprominenten, als seriös und erfolgreich geltenden Journalisten einer überregionalen, auflagenstarken Qualitätszeitung zum geschickt gewählten Zeitpunkt ein sehr langes Interview (207 Seiten!) und hofft, dass die Seriosität von Zeitung und Journalist auf einen abstrahle. Guttenberg sagt an einer Stelle: „Man kann schon dafür sorgen, dass man auf sich aufmerksam macht.“ Es ist ihm auch diesmal gelungen.

Nicht zuletzt unter Journalisten umstritten ist die Frage, inwieweit sich di Lorenzo dabei von Guttenberg hat missbrauchen lassen. Es mag ein Scoop sein, acht Monate nach dem Rücktritt als Minister den Zuschlag für das erste Interview zu erhalten. Wäre es von einem Journalisten zu viel verlangt abzulehnen, um nicht Teil der Inszenierungsmaschinerie zu werden? Di Lorenzo will sich nicht äußern. Auch nicht dazu, warum es gleich ein Buch werden musste, in dem sich Guttenberg nicht nur zu seiner Plagiats-Affäre, sondern wirklich zu allem und jedem äußert, ob transatlantische Beziehungen, deutsche Integrationspolitik, Erziehungspraktiken, katholische Beichte, Johann Sebastian Bach oder Bruce Springsteen. Guttenberg bekommt eine Deutungshoheit zugestanden, wie sie der Papst oder Helmut Schmidt für sich ablehnen würden.

Totale Selbstlosigkeit

Zwei Biografien gibt es über den gerade mal 39-Jährigen, „was vollkommen lächerlich ist“, spricht Guttenberg aufs Tonband für das nächste Buch mit ihm als Hauptperson. Er weiß: „Man muss immer überlegen, mit welcher Nachricht man in einer bestimmten Situation wen erreichen will. Ein Politiker sollte die Vielfalt der Medienlandschaft zu nutzen wissen“. So muss er bei der Vorbereitung für das Gespräch mit dem Zeit-Chef gedacht haben, so sei das auch gewesen, sagt er, als er sich in Tom-Cruise-Pose im Kampfanzug vor einem Eurofighter fotografieren ließ. Freilich nicht, um sich zur Geltung zu bringen, sondern um die „anziehende Seite der Bundeswehr“ zu zeigen.

Guttenbergs Aufstieg und Fall

Bildergalerie ( 24 Bilder )

Gern hätte man mehr über Guttenbergs Beziehungen zu den Springer-Redaktionen erfahren. Bild sah in Guttenberg den künftigen Kanzler, wähnte sich im Zentrum künftiger Macht. Das Blatt verteidigte den Minister bis zuletzt. Doch di Lorenzo will lediglich wissen, ob Guttenberg meine, „dass man in der deutschen Politik etwas werden kann, wenn man sich gegen die ,rote Gruppe’ stellt“, also gegen Bild und Bild am Sonntag. Antwort: „Es ist grundsätzlich schwierig für einen Politiker, sich gegen ein Medium zu stellen, das kann relativ ungemütlich werden.“

Immer wieder ein „Aber“ parat

Gern wüsste man auch, wer die „zwei, drei erfahrenen Journalisten“ waren, die den damaligen Verteidigungsminister berieten, ob er zum Weihnachtsbesuch deutscher Soldaten in Afghanistan seine Frau mitnehmen solle. Journalisten, die Politiker beraten? Guttenbergs Nähe ließ offensichtlich bei einigen den Verstand aussetzen.

Immer wieder bedient sich Guttenberg derselben Argumentationstechnik. Erst gibt er dem Gegenüber das Gefühl, ins Schwarze getroffen zu haben. Das könnte auf Selbstkritik, gar Selbstzweifel schließen, würde er nicht sofort ein „Aber“ nachschieben, das zuvor getroffene Aussagen relativiert und vieldeutig erscheinen lässt. „Ich hätte sicherlich auf das eine oder andere Interview verzichten können“, sagt er an einer Stelle und fügt an: „Auf der anderen Seite war es mir immer wichtig, auch die unbequemen Themen, die mir am Herzen liegen, mitteilen zu können.“

In diesem Fall haben sich die Zeit und ihr Chefredakteur für Guttenbergs Herzensangelegenheit einspannen lassen – auf das Risiko hin, dass die Seriosität nicht auf Guttenberg abstrahlt, sondern Guttenbergs Unseriosität auf das Medium. Wie aus der Redaktion der Zeit zu hören ist, befürchtet mancher genau das.

Autor:  Ulrike Simon
Datum:  1 | 12 | 2011
Kommentare:  7
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