Wie vor einem Jahr war plötzlich das Knattern eines Hubschraubers zu hören, und wie damals seilten sich über dem Anwesen von Kim Dotcom in der Nähe von Auckland plötzlich Schwerbewaffnete ab. Nur waren es dieses Mal Stuntmen und keine amerikanischen und neuseeländischen Polizisten, die da angriffen, und als Dotcom von hübschen Frauen abgeführt wurde, lächelte er.
Kim Dotcom, 1974 als Kim Schmitz in Kiel geboren, ist zurück auf der Bühne. Genau ein Jahr, nachdem Beamte das Haus des Internet-Unternehmers gestürmt und Autos, Computer, Jetskis und vor allem Dotcoms Internetseiten Megaupload, Megavideo und Megaporn konfisziert haben, hat er nun mit einem pompösen Show-Auftritt auf seinem Grundstück den Nachfolger gestartet: Mega.
Für Dotcom soll damit eine neue Ära beginnen, doch am Montag war die Seite vor allem eines: mega-langsam. Das dürfte daran liegen, dass Kim Dotcom gute Arbeit gemacht hat. Die Server verzeichneten „eine unglaubliche Nachfrage“, verkündete er über Twitter von Neuseeland aus, nach 14 Stunden hatte sich schon eine halbe Million Nutzer angemeldet. Offenbar ebbte das Interesse nicht ab, am Montag war die Seite immer wieder nicht zu erreichen, die Anmeldung auf mega.co.nz verlief eher zähflüssig. Manche Nutzer, die diese Prozedur hinter sich gebracht hatten, berichteten über Twitter von extrem niedrigen Upload-Geschwindigkeiten.
Nach seiner Festnahme in Neuseeland wird der Megaupload-Gründer Kim Dotcom alias Kim Schmitz im Internet verspottet.
Foto: screenshotMega – der Name sagt schon alles. Dotcom und Mega sind zur Marke geworden, genauere Erklärungen kann er sich sparen, nur der Größenwahn ist noch immer gleich groß, mindestens. Die neue Seite ist wieder ein Speicherdienst. Wie schon bei Megaupload können die Nutzer Dateien auf Mega hochladen und von jedem Rechner aus zugreifen – oder anderen Nutzer einen Link dazu schicken. Nur hat Mega einen Clou: Die Daten werden beim Hochladen über den Browser automatisch verschlüsselt. Finanzieren soll sich Mega, ebenfalls wie schon Megaupload, über Werbung und Abos für Premium-Accounts. 50 Gigabyte sind gratis, für 9,99 Euro gibt es 500 Gigabyte Speicherplatz und eine schnellere Verbindung.
Die Vorstellung dieses neuen Dienstes hat Kim Dotcom, der heute wirklich so heißt und den Namen auch an seine fünf Kinder weitergegeben hat, wieder einmal zur Vorführung seines imposanten Egos genutzt. Zu der Razzia-Show waren rund 250 Gäste und Journalisten eingeladen. Er hat den Jahrestag auch dazu genutzt, um sich etwa mit Reportern des Spiegel und des Handelsblattes zu treffen und eine Medienoffensive zu starten.
Einen Monat lang hat Dotcom in Untersuchungshaft gesessen, weil die US-Justiz ihm millionenfache Verletzung von Urheberrechten vorwirft. Über Megaupload sollen Raubkopien von Filmen geteilt worden sein. Dass es illegale Inhalte auf der Seite gab, bestreitet Dotcom gar nicht. Er als Betreiber des Dienstes sei aber nicht verantwortlich für das, was andere darüber versenden. „Man kann ja auch nicht das Postamt plattmachen, weil irgendwelche Leute in ihren Briefen etwas Illegales verschicken“, sagte Dotcom dem Handelsblatt.
Fast 30 Juristen beschäftigt er mittlerweile, um diesen Standpunkt gegen die US-Justiz zu verteidigen. Dass die Dateien auf Mega nun verschlüsselt sind, also selbst Dotcom sie nicht lesen kann, wirkt da wie ein gewiefter Schachzug. Sozusagen: mega-schlau.
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