Der deutsche Bundestag gehört eher nicht zum Kreise derjenigen, die viel für Magie übrig haben. Das hätte der FDP-Abgeordnete Jimmy Schulz eigentlich wissen müssen, trotzdem ist er auf eine revolutionäre Idee verfallen. Eine Rede vor dem Parlament hat Schulz nicht etwa mit Hilfe von Notizzetteln, einem Manuskript oder gar frei aus dem Kopf gehalten - nein, er hat ein iPad mit ans Rednerpult genommen. Eines der Geräte, die Apple gerne als "magisch" bewirbt.
Verzaubert waren die Teilnehmer des Hohen Hauses von diesem Auftritt nicht. Einem Zeitungsbericht zufolge wurde Schulz nach seiner Rede von einem der Bundestagspräsidenten darauf hingewiesen, dass er die Vorschriften verletzt hat. Im Plenum des Bundestages sind Laptops nämlich verboten. "Auch der Bundestag sollte sich für neue Medien öffnen", sagte Schulz dazu. Ein Ausschuss soll sich nun mit dem Thema beschäftigen.
Das könnte Anlass für eine Debatte darüber sein, wie sinnvoll der Einsatz moderner Technologie im parlamentarischen Alltag ist. Vielleicht sind ja wirklich schon so viele Politiker auf die 140 Zeichen einer Twitter-Meldung geeicht, dass sie bei längeren Wortbeiträgen straucheln. Magische rhetorische Kräfte hat das iPad Schulz auf jeden Fall nicht verliehen, wie ein Blick ins Bundestags-Videoarchiv zeigt. Schulzens Wischen über den Touchscreen zum Blättern im Manuskript wirkt zwar eleganter als das bekannte Kruscheln mit Karteikarten, aber sonst scheint der Tafelrechner noch weit davon entfernt zu sein, Bundestags-Debatten Grandezza einzuhauchen.
Das Thema von Schulz Rede ist die Europäische Bürgerinitiative. Die Reaktionen des spärlich besetzten Plenums sind eher pflichtschuldig. "Die Initiative ermöglicht die direkte demokratische Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an der ... äh, mhm ... am Gesetzgebungsverfahren in der EU", sagt Schulz. Die Pause dauert etwa vier Sekunden. "Wir sind das Volk", lautet sein letzter Satz. Offenbar hat Schulz kurz vor seinem Auftritt mit seinem iPad noch schmissige Zitate gegoogelt. Er hat ein besonders magisches gefunden.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.