Peter Frey also ersetzt den abgesägten ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. Gegen den bisherigen Leiter des Hauptstadtbüros ist nichts einzuwenden, schließlich hat er sogar mal für die FR geschrieben. Aber er tritt sein Amt unter Generalverdacht an: Glauben Roland Koch und die anderen unionsnahen Verwaltungsratsmitglieder, in ihm einen Chefredakteur gefunden zu haben, der weniger auf journalistische Unabhängigkeit beharrt als Brender?
Frey wird ganz schön strampeln müssen, um diesen Verdacht zu zerstreuen. Der Neue steht unter Beobachtung. Er darf Koch gerade noch einen guten Morgen wünschen - wird er freundlicher, wird es heißen: Aha, die CDU hat ihn im Sack. Freys Job wird ein Balanceakt auf dem Proporz-Hochseil.
Dabei müsste der ZDF-Chef sich um Wichtigeres kümmern. Wegen der Causa Brender hebt eine Debatte um eine Modernisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks an, die überfällig ist. Dass ausgerechnet Koch sie angezettelt hat, dessen Lager nicht gerade für die Verteidigung gebührenfinanzierter Qualitätsprogramme bekannt ist, gibt zu denken.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.