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Quote im Dritten: Lieb und teuer

itätsstiftung das wichtigste Motiv der Dritten. Regionale Serien und Filme sorgen für gute Quoten. Produktivster Sender ist der Bayerische Rundfunk. Von Tilmann P. Gangloff

SWR-Produktion Der Bulle und das Landei: Kommissar Killmer (Uwe Ochsenknecht) gibt Ortspolizistin Kati Biver (Diana Amft) Anweisungen.
SWR-Produktion "Der Bulle und das Landei": Kommissar Killmer (Uwe Ochsenknecht) gibt Ortspolizistin Kati Biver (Diana Amft) Anweisungen.
Foto: Martin Kurt/swr

Alle machen es. Der WDR, der NDR, der SWR; und der Bayerische Rundfunk (BR) sowieso. Die Zuschauer wollen sich und ihre Heimat nicht bloß in Informationssendungen oder musikalischen Unterhaltungsformaten, sondern auch in fiktionalen Formaten wiedererkennen. Deshalb ist Identitätsstiftung das wichtigste Motiv der ARD-Anstalten, für ihre dritten Programme eigene Serien zu produzieren. Und der Erfolg gibt ihnen Recht: Regionale Serien wie "Die Fallers" (SWR), "Franzi" (BR) oder "Die Anrheiner" (WDR) liegen deutlich über dem Senderschnitt und erreichen zudem ein überdurchschnittlich hohes junges Publikum.

Produktivster Sender ist der Bayerische Rundfunk. Er lässt nicht nur regelmäßig Serien wie "Der Kaiser von Schäxing" oder "München 7" herstellen, sondern leistet sich mit "Dahoam is dahoam" (montags bis donnerstags, 19.45 Uhr, seit 2007) sogar eine Daily-Soap. Und weil es der BR besonders gut mit seinen Zuschauern meint, produziert er auch regelmäßig Filme für sein Stammpublikum. Nun ließe sich einwenden, dass krachlederne Heimatfilme wie "Die Posthalter-Christl" (BR, Sonnabend, 20.15 Uhr) außerhalb Bayerns ohnehin an der Sprachbarriere scheitern würden. Dagegen sprechen die Quoten von "Dahoam is dahoam": Im Freistaat erreicht die Serie im Schnitt 520.000 Zuschauer pro Folge (Marktanteil: 14,8 Prozent), deutschlandweit sind es an manchen Tagen doppelt so viele.

Die Serie ist konsequent aufs bayerische Lebensgefühl zugeschnitten, was auch den bundesweiten Erfolg erklärt. Erzählt werden typisch ländliche Geschichten aus dem fiktiven Dorf Lansing vor den Toren Münchens: Es herrscht Bierkrieg, man kämpft um den Posten des Bürgermeisters, Liebe und Familie spielen ebenfalls große Rollen.

Kommunikationszentrale der Handlung ist regelmäßig der Gasthof, und das ist nicht die einzige Parallele zwischen Lansing und Büttenwarder. Alljährlich zur Weihnachtszeit zeigt der NDR die Serie "Neues aus Büttenwarder", auch hier treffen sich die Hauptfiguren im Wirtshaus. In diesem Fall sind es die beiden Bauern Brakelmann (Jan Fedder) und Tönnsen (Peter Heinrich Brix), die bei Lütt & Lütt (Bier und Korn) Pläne schmieden, wie sie ans große Geld kommen.

Auch die Quoten der Schwarzwaldgeschichten über die "Fallers" (SWR, sonntags, 19.15 Uhr, seit Herbst 1994) können sich durchaus sehen lassen: Im Sendegebiet hat die Serie durchschnittlich 0,81 Millionen Zuschauer, jenseits der Landesgrenzen sind es noch mal 0,5 Millionen. Mit 17,5 Prozent liegt die Serie weit über dem Senderschnitt (6,4 Prozent). Das gilt auch für die Marktanteile beim jungen Publikum; hier kommt die Schwarzwaldfamilie auf fast 7 Prozent (Senderschnitt: 2,3 Prozent). Auch die WDR-Serie "Die Anrheiner" (seit 1998) liegt deutlich über dem Senderschnitt. Sonntags um 17.45 Uhr ist die Serie in Nordrhein-Westfalen regelmäßig erfolgreicher als ARD, ZDF oder RTL; der Bundesschnitt liegt bei einer Million Zuschauer.

Kein Sender setzt allerdings so konsequent auf die Region wie der Bayerische Rundfunk, der seit einigen Jahren auch heimatverbundene Krimis zeigt. "Erntedank" von Rainer Kaufmann, großartig besetzt und preiswürdig erzählt, hatte im letzten Herbst bundesweit über zwei Millionen Zuschauer. Weitere Werke sind in Arbeit.

Im Gegensatz zum Film lassen sich die Serien jedoch ungleich kostengünstiger produzieren. "Halb so viel wie eine Hochglanzserie im Ersten" kosten "Die Fallers" laut Carl Bergengruen, Leiter der SWR-Hauptabteilung Film und Familienprogramm. Bergengruen sagt aber auch, dass selbst eine derart preisgünstige Produktion "im Vergleich zu anderen Sendungen im Dritten nicht billig ist. Fiktion ist schließlich die teuerste aller Programmgattungen." Als "Königsweg" betrachtet NDR-Fernsehdirektor Frank Beckmann daher "regional gefärbte Reihen und Serien, die auch für das Erste bundesweite Relevanz haben."

Bundesweit erfolgreich sind diese regionalen Geschichten also nicht trotz, sondern wegen des Lokalkolorits. Aus den Hauptprogrammen sind die deutschen Dialekte fast völlig verschwunden. Dahinter stecke kein System, versichert Bergengruen: "Es ist ein Vorurteil, das man für Mundartstücke abgestraft wird. Die Zuschauer lieben sie! Aber es ist gar nicht so einfach, Schauspieler zu finden, die einen Dialekt beherrschen."

Vielleicht auch ein Grund, warum der im pfälzischen Monreal entstandene Eifelkrimi "Der Bulle und das Landei" (10. Mai, 20.15 Uhr, SWR) von Hajo Gies mit Diana Amft als ehrgeiziger Landbeamtin und Uwe Ochsenknecht als strafversetztem Großstadtkollegen weitgehend dialektfrei ist.

Autor:  Tilmann P. Gangloff
Datum:  5 | 5 | 2010
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