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Magazin "Woche": Lust auf Abenteuer

Stefan Aust will an seinem Magazin-Projekt auch ohne WAZ und Springer festhalten - die Nachricht vom Rückzug von WAZ und Springer kam auch für das Team überraschend. Von Marin Majica und Ulrike Simon

Stefan Aust: Der frühere Chefredakteur des Spiegel verfolgt einen neuen Plan.
Stefan Aust: Der frühere Chefredakteur des "Spiegel" verfolgt einen neuen Plan.
Foto: dpa

Mit dem Chef konnten sie noch nicht alle sprechen. Stefan Aust ist derzeit recht beschäftigt, und manche Mitarbeiter seiner rund 20-köpfigen Entwicklungsredaktion muss er auf später vertrösten, erzählt einer von ihnen. "Wir wissen nicht mehr als in der Pressemitteilung stand", sagt ein anderes Mitglied des Teams, das Austs Magazin Woche entwickelt. Und das sich nun fragt, wie es weitergeht.

Die Pressemitteilung zur Zukunft der Woche fiel am Donnerstag knapp aus: "Die potenziellen Gesellschafter des von Stefan Aust entwickelten Magazins Woche haben sich entschieden, das Projekt im gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfeld nicht weiterzuverfolgen. Die WAZ-Gruppe und die Axel Springer AG bedauern, dass sie daher von der Realisierung einer attraktiven journalistischen Idee Abstand nehmen müssen."

Die Nachricht kam auch für das Team überraschend, wie ein Mitarbeiter sagt. Im Hamburger Büro von Austs Firma Agenda Media, wo der Großteil der Redakteure sitzt, werde derzeit reichlich diskutiert und telefoniert. "Was das für uns bedeutet, darüber müssen wir uns erstmal klar werden."

Für Springer bedeutet die Entscheidung: Der Verlag sieht sich erneut nicht in der Lage, den Traum eines politischen Wochenmagazins zu realisieren, was Vorstandschef Mathias Döpfner in den Kreis großer Verleger befördert hätte. Die WAZ-Gruppe, in deren Auftrag das Konzept entwickelt wurde und die zuletzt ohnehin nur noch als Juniorpartner bereit war, das Projekt weiterzuverfolgen, scheute das Abenteuer, obwohl Geschäftsführer Bodo Hombach die WAZ gerne einmal als Vorreiter gesehen hätte.

Die Macher von Stern und Spiegel können also erstmal wieder gelassener an die Arbeit gehen. Und Focus? Gerade hat Burda angekündigt, Helmut Markworts Nachfolger Wolfram Weimer werde zum 1. Juli aus der Warteschleife als "Entwicklungschefredakteur in Berlin" geholt und früher als geplant an die Spitze der Redaktion treten. Er wird dann eine Zeit lang mit Uli Baur und Markwort Teil eines Chefredakteurs-Trios sein. Weimer kann den Wandel von der News-Illustrierten zum Image-Magazin für intellektuellere Ansprüche jetzt ebenfalls ruhig angehen.

Völlig offen ist, ob Aust mit dem Ausstieg der Verlage endgültig gescheitert ist. Zusammen mit Springer-Zeitschriftenvorstand Andreas Wiele hatte er in den vergangenen Tagen das Konzept potenziellen Kunden aus der Werbeindustrie präsentiert - offensichtlich ohne durchschlagenden Erfolg.

Austs Beratervertrag mit der WAZ-Gruppe wird Ende des Monats auslaufen und nicht verlängert. Und das Projekt, dieses erste, vom Stand weg multimedial angelegte Konzept eines politischen Wochenmagazins aus Berlin? Dazu heißt es in der zitierten Stellungnahme: "Stefan Aust wird das Projekt mit anderen Partnern fortsetzen."

Allzu viele potente Verlagshäuser mit der notwendigen Logistik für solch ein Vorhaben gibt es freilich nicht. Fakt ist aber: Das Zeitfenster, ein derartiges Konzept zu realisieren, ist gerade jetzt geöffnet. Noch fühlt sich die Branche gelähmt, der Werbemarkt beginnt ein wenig anzuziehen, Focus ist geschwächt, die Stern-Chefredaktion besteht in dieser Konstellation seit elf Jahren, und sie ist - wie das noch junge Chef-Duo des Spiegels auch - damit beschäftigt, gegen die leicht sinkenden Auflagen zu kämpfen, ohne Geld für Investitionen zu haben.

"Aust wäre nicht Aust, wenn er jetzt nicht erst recht kämpfen würde." Mit dieser Devise reden sich die Mitglieder seines Entwicklungsteams gegenseitig gut zu, ist aus der Redaktion zu hören. "Unser Eindruck war immer, der ist so positiv, der findet schon was", sagt einer von Austs Leuten. Mancher ist offenbar durchaus glücklich über die Aussicht, in Zukunft doch nicht für ein "Springer-Blatt" zu arbeiten. Ein anderer erzählt, man entwickle nun verstärkt andere Projekte. "Dann machen wir eben Drehbücher, Dokumentarfilme oder doch noch ein Magazin." Aust sei ausgesprochen guter Dinge, sagt einer, der den Chef zu sprechen bekam.

Autor:  Marin Majica und Ulrike Simon
Datum:  7 | 5 | 2010
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