Medien

06. April 2011

Magazin-Journalismus: Grünes Geld

 Von Peter Münder
Alles öko, oder was?! – aktuelle Ausgabe des Magazins Enorm. Foto: enorm

Das Magazin Enorm will Wege für eine nachhaltige und ökologische Wirtschaft weisen.

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Finanz- und Eurokrise, Bankenpleiten und -skandale, Rettungs- und Schutzschirme für ganze Staaten: Auf dem Feld der Weltwirtschaft ist nicht erst in den vergangenen Jahren einiges in Unordnung geraten. Immer lauter werden daher die Stimmen, die von den Unternehmen und der Politik nachhaltige Ansätze fordern in diesem Gebiet. Nachhaltigkeit ist zum Wort der zurückliegenden Krisenepoche geworden. Die Zeitschrift Enorm hat sich den Begriff gewissermaßen zum Thema genommen. „Magazin für nachhaltiges Wirtschaften“ prangt auf dem Titel. Vor einem Jahr ist die erste Ausgabe erschienen, heute kommt in einer Auflage von 35.000 Exemplaren die fünfte Nummer an die Kioske. Der Ausstieg aus der Atomkraft ist eines der wichtigen Themen des Heftes, ein anderes Ägypten nach dem Umsturz – für ein Dreimonatsmagazin ganz schön aktuell.

Enorm wird von Thomas Friemel, der auch Chefredakteur ist, zusammen mit fünf in Berlin ansässigen Gesellschaftern herausgegeben. Die Redaktion besteht aus einem Dutzend Journalisten, Gestaltern und Fotografen. Im neunköpfigen Redaktionsbeirat sitzt unter anderem der frühere Fernsehjournalist Franz Alt.

Thomas Friemel ist eigentlich Politikwissenschaftler, hatte aber nach einem sozialen Jahr in Brasilien schon früh seine Leidenschaft für den Journalismus entdeckt. Er war Chefreporter der Kölnischen Rundschau, Vize-Chefredakteur der Hamburger Morgenpost und zuletzt Chefredakteur des Männer-Lifestylemagazins Player. „Dieser Job hat mich dann aber so angekotzt, dass ich dort alles hinschmiss und mich grundsätzlich umorientierte“, sagt Friemel. Auf dem Berliner Social Summit, einem Forum für sozial engagierte Start-up-Unternehmen, entdeckte er 2008 das Thema Social Business. Friemel registrierte dort die euphorische Aufbruchstimmung und bemerkte gleichzeitig, dass es außer einigen marginalen Szene-Blättchen noch kein seriöses Magazin zu diesem Thema gab. All das inspirierte ihn zur Gründung von Enorm.

Sein breites Interessenspektrum von Sozialreportagen und Boulevard-Themen bis zu Lifestyle-Banalitäten erweist sich jetzt als großer Vorteil. Denn der mit einer sympathischen Dosis Humor gesegnete Friemel ist kein missionarischer Öko-Fundi; er greift ohne ideologischen Tunnelblick auch Themen auf, die für viele Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewegte von vornherein tabuisiert wären. So konstatiert er ganz unbekümmert: „Das aktuelle Thema der Stunde wäre jetzt natürlich die große Enthüllungsstory „Die Krake Yunus“! Dabei galt der Mikrokredit-Erfinder und Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus bisher als leuchtende Social Business-Ikone. Der Gründer der Grameen-Bank hatte die Weichen gestellt für ein generelles Umdenken bei vielen Unternehmen. Nun ist er jedoch mit seinen Aktionen im Umfeld norwegischer Banken in die Kritik geraten. „Man muss natürlich prüfen, ob all diese Verflechtungen und Abhängigkeiten, die er mit seiner Bank geschaffen hat, überhaupt koscher sind und die Großkredite an norwegische Firmen noch zu seinem sozialen Anspruch passen“, erklärt Friemel.

Friemel rührt an deutschen Universitäten, in Foren und Symposien die Werbetrommel für das Magazin und berichtet von großer Zustimmung: „Das Umdenken bei Studenten weg vom turbokapitalistischen Gier-Prinzip hin zu sozialem Engagement hat längst eingesetzt, rund ein Viertel der Studenten legt inzwischen bei der Wahl der Unternehmen, bei denen sie sich bewerben, größeren Wert auf deren gesellschaftliche Verantwortung, als auf ein bombastisches Honorar – all das zeigt, dass die Zeit längst reif ist für ein Magazin wie Enorm“.

Scharfer Blick

Ein Blick in das aktuelle Heft zeigt, dass Enorm in der ersten Liga der Wirtschaftsmagazine durchaus mitspielen will. Spannende Themen werden originell und mit scharfem Blick ausgeleuchtet: Es geht um Unternehmenswerte – im finanziellen und ideellen Sinn. Das Heft fragt nach der Zukunft des Ökostroms und nach der der Nahversorgung in ländlichen Gebieten. Mit schicker Imagepflege oder ökologisch aufgepepptem Gutmenschentum will Friemel indes nichts zu tun haben. „Wir wollen kein Magazin für Insider sein, die ihre Sichtweisen und Ideologien bestätigt haben möchten“, sagt Friemel. Enorm solle Denkanstöße für nachhaltiges wirtschaftliches Handeln vermitteln. Und das möglichst nachhaltig.

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