Wenn Sibel Kekilli über ihre neue Rolle spricht, schwingt der ganze Respekt vor einer Institution des deutschen Fernsehens mit. „Den Tatort gibt es seit 40 Jahren, den sehen so viele Menschen, der bleibt in den Köpfen hängen“. Für Kekilli, die sich anlässlich der Deutschen Filmwoche in Mexiko aufhält, sei die Arbeit als neue Kieler Kommissarin eine willkommene Herausforderung in ihrer Karriere, sagte sie im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Sie freue sich sehr, mal jemanden zu spielen, der keinen Migrationshintergrund hat. „Ich habe eine Rolle, die Sarah Brandt heißt und nicht Ayse Yilmaz. Das finde ich wirklich klasse.“ In Mexiko sprach die deutsche Schauspielerin mit türkischen Wurzeln erstmals über ihr Engagement beim Norddeutschen Rundfunk (NDR), das vergangene Woche bekannt geworden war. Die 30-Jährige Wahl-Hamburgerin hatte sich öfters beschwert, auf das Rollenklischee der Türkin reduziert zu werden.
Kekilli, die vor sechs Jahren mit dem Film „Gegen die Wand“ bekannt wurde, ist auf Einladung des Goethe-Instituts nach Mexiko gekommen. Dort ist sie Ehrengast im Rahmen der 9. Deutschen Filmwoche, wo ihr neuer Film „Die Fremde“ gezeigt wird. Er behandelt die Problematik des Ehrenmords. Für ihre Rolle einer türkischen Mutter, die mit ihrem Sohn vor dem gewalttätigen Ehemann von Istanbul nach Berlin flieht und dort von der eigenen Familie für vogelfrei erklärt wird, erhielt sie den Deutschen Filmpreis und wurde auf dem renommierten Tribeca-Filmfestival in New York als beste Darstellerin ausgezeichnet.
Erster Auftritt im Oktober
In Mexiko lief „Die Fremde“ zur Eröffnung des Festivals vor mehr als eintausend Zuschauern. „Es ist eine große Ehre für mich, dass so viele Menschen den Film sehen wollen“, betonte Kekilli. Bereits „Gegen die Wand“ war in den Programm- und Kommerzkinos in dem lateinamerikanischen Land ein großer Erfolg.
Kekilli, die erstmals überhaupt in Lateinamerika ist, zeigte sich angetan von Mexiko-Stadt. Sie fühle sich sehr wohl in der 22-Millionen-Metropole. „Es ist wie Istanbul hier – genauso groß, laut, so viel Verkehr, so viel Gehupe“. Auch seien die Menschen freundlich wie in der Türkei. Sie werde oft von den Mexikanern auf Spanisch angesprochen. „Die halten mich wegen meines Aussehens wahrscheinlich für eine von ihnen“.
Ihren ersten Auftritt im Kieler „Tatort“ hat Kekilli am 24. Oktober. In der Folge „Borowski und eine Frage von reinem Geschmack“ stirbt ein 15-jähriger Junge an einer Überdosis Lebensmittelfarbstoff in einem Energy-Drink. Kekilli spielt die Nachbarin eines Tatverdächtigen, die im Verlauf der Ermittlungen erstmals auf Kommissar Borowski (Axel Milberg) trifft. Kekilli löst Maren Eggert ab, die seit 2002 die Kriminalpsychologin Frieda Jung gespielt hat und wegen eines Theater-Engagements aus dem Kieler „Tatort“ ausgestiegen ist.
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