Aktuell: Terror | US-Wahl | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Medien

26. Februar 2014

Matthias Matussek: Papst der Peinlichkeit

 Von 
Matthias Matussek.  Foto: imago stock&people

Matthias Matussek, früher Kulturchef beim "Spiegel", drischt auf "Sandalenträger" und auf Stefan Niggemeier ein. Der hat den heutigen "Welt"-Autor zuvor bei einer Peinlichkeit ertappt.

Drucken per Mail

Er war tatsächlich mal Kulturchef beim „Spiegel“. Aber er konnte es nicht bleiben. Das hat er allem Anschein nach nicht verwunden. Sein „Stolz als Publizist“ suchte nach Kompensation und fand sie offenbar in der lautstarken Äußerung von Meinungen, die „entschlossen quer zu Zeitgeist und Mode stehen“. So jedenfalls formuliert Matthias Matussek sein Selbstverständnis in einer Antwort auf Stefan Niggemeier.

Der hatte den heutigen „Welt“-Autor ertappt, bei einer Peinlichkeit: „Matthias Matussek scheitert an Fragebogen für Siebtklässler“ hatte Niggemeier dieser Tage in seinem Blog geschrieben. Denn in einem Beitrag für die Zeitschrift „The European“ hatte Matussek sich auf einen Fragebogen in einer Broschüre der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bezogen und sich darüber ereifert.

Fragebogen für Siebtklässler

Im Fragebogen, Teil der Handreichung „Lesbische und schwule Lebensweisen – ein Thema für die Schule“, ging es darum, mittels Provokation zum Nachdenken über Klischees und Vorurteile in Bezug auf Sexualität anzuregen. Die Siebtklässler wurden zum Beispiel gefragt: „Ist es möglich, dass deine Heterosexualität nur eine Phase ist und dass du diese Phase überwinden wirst?“ Diese und andere erkennbar provokante Fragen hat Matussek offensichtlich für bare Münze und zum Anlass genommen, über „ein paar schlecht gelaunte bärtige Sandalenträger in selbstgestrickten Pullovern und ebenso selbstgestrickte Kulturstrategien“ herzuziehen. Das hätten sich „Frankensteins tatsächlich aus ihren wirren Schädeln qualmen lassen“.

Nun schreibt ja jeder immer auch ein wenig über sich, wenn er sich einem Gegenstand als Autor nähert, und das mit dem „wirren Schädel“ kann als Selbstporträt Matusseks durchgehen. Denn wie so manch einem Großkopfeten der Branche (man denke an Fritz J. Raddatz) hat auch ihm der Furor des Überzeugungstäters das Hirn vernebelt. Ein Klick auf die Seite der GEW hätte ihm Aufklärung über Sinn und Zweck der Unterrichtsmaterialien verschaffen können.

Aber nein, der bekennende Katholik wähnte den Untergang des christlichen Abendlandes nah. „Ich bin wohl homophob, und das ist auch gut so“, hatte er ein paar Tage zuvor in seinem neuen Heimatblatt, der „Welt“, geschrieben und im „European“ dann noch deutlicher formuliert: Gleichgeschlechtlichkeit sei „ein Fehler der Natur. So wie es Taubheit gibt“. Sein Argument: die Fortpflanzungsfähigkeit. Viel mehr als solch plumper Biologismus fiel dem Christenmenschen dazu nicht ein, dafür aber jede Menge Polemik gegen Andersdenkende, die sich „abends in Szene-Cafés“ träfen, „um die neuesten kapitalismuskritischen Haudegen der Gendertheorie oder der Pop-Philosophie zu diskutieren“.

Sein „publizistischer Stolz“ hat als Alleinstellungsmerkmal die Rolle des groben Klotzes gewählt, was noch angehen mag, aber wie er nun Stefan Niggemeier in seiner Replik beschimpft, weist ihn als Papst der Peinlichkeit aus. Zuerst zählt er seine Meriten auf, inklusive eines Hinweises auf – au weia – die „Erprobung aller möglichen Formen der Sexualität“, um dann zu behaupten, er habe ja beim Fragebogen „gestutzt“, und hernach Niggemeier unter anderem als „Blockwart“ und „Trottel“ zu beschimpfen. Wenn das Wort von den getroffenen Hunden jemals zutraf, dann hier.

[ Wie wollen wir wohnen? Die neue FR-Serie - jetzt digital oder gedruckt vier Wochen lang ab 19,50 Euro lesen. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Serie
Polizeiabsperrung, kaum eine Kriminalgeschichte kommt ohne sie aus.

In der Sommerpause von „Tatort“ und „Polizeiruf“ hat sich die FR-Redaktion ihre Krimis selbst geschrieben. Ähnlichkeiten mit Fernsehermittlern waren aber rein zufällig.

Medien
Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Filmtipps
Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!

Anzeige

Videonachrichten Leute
Film

Die Filmwoche: Was läuft wann in welchem Kino? Alle Neustarts, alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.