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Medien

09. Dezember 2013

Medien : Springer hat große Pläne

 Von Ulrike Simon
Multimedial und motorisiert: N24.  Foto: dpa

Es tut sich was bei Springer: Stefan Aust geht zur „Welt“, der Verlag kauft den Sender N 24 und plant ein "Online-Magazin neuen Typs". Das ist noch nicht alles.

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Jetzt wird ein Schuh daraus. Stefan Aust wechselt im Januar als Herausgeber zur Springer-Zeitung „Die Welt“, weil Springer den Berliner Sender N 24 vollständig kauft und mit der Redaktion der „Welt“ verzahnen will. Aust hat damit nicht nur einen schwer vermarktbaren Sender, der ihm zu 26 Prozent gehörte, vom Hals. Er hat künftig Zugriff auf Print, Online und TV, wovon er lange schon träumt.

Darüber hinaus plant Springer, wovon nicht wenige Journalisten träumen, erst recht geschasste „Spiegel“-Chefredakteure des Schlags Aust oder Georg Mascolo, dem ebenfalls ein Wechsel zu Springer nachgesagt wird: ein neues, politisches Magazin. Und schließlich sichert sich Springer mit dem Kauf von N 24 nun doch noch einen kleinen Teil des früheren Imperiums von Leo Kirch, nachdem dem Konzern 2006 der Kauf der Sendergruppe ProSieben Sat.1 aus kartellrechtlichen Gründen verwehrt geblieben war.

Vor allem aber bietet das alles Vorstandschef Mathias Döpfner die Chance, eine Wette einzulösen, die er erstmals Anfang August im Gespräch mit der Autorin öffentlich anbot und seither mehrfach wiederholt hat: „Axel Springer wird in fünf Jahren eine wesentlich gewichtigere Rolle im Qualitätsjournalismus spielen als heute.“ Das Geld dafür wäre da. Das garantieren jenseits des hohen Kreditrahmens, über den Springer ohnehin verfügt, die Kreditzahlungen, zu denen sich die Essener Funke-Gruppe in den kommenden Jahren verpflichtet hat. Doch der Reihe nach.

Aust wollte Fernsehsender kaufen

Schon kurz nach Kirchs Insolvenz Anfang des Jahrtausends wollte Aust, damals an der Spitze des Hamburger Magazins, dass der Spiegel-Verlag ProSieben Sat.1 kauft. Er erhoffte sich viel aus der Kombination von gedrucktem „Spiegel“, Spiegel Online, der von ihm gegründeten Produktionsfirma Spiegel TV und eigenem, frei empfangbarem Fernsehen.

Mit dem Vorhaben scheiterte er am Verlag ebenso wie später mit dem Sender XXP. 2008 trennte sich der „Spiegel“ von seinem Chefredakteur. Aust entwickelte daraufhin ein eigenes, politisches Magazin, fand jedoch keinen Investor. Im Mai 2010 erklärten Aust, die damals noch unter WAZ firmierende Funke-Gruppe und Springer, das Projekt mit dem Titel Woche „im gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfeld nicht weiterzuverfolgen“. Aust besitzt die Titelrechte seither privat und versprach, das Projekt fortzusetzen, irgendwann. Stattdessen beteiligte er sich mit Torsten Rossmann am Management-Buyout von N 24. ProSieben Sat.1 sah in dem Sender zu diesem Zeitpunkt nur einen Kostenfaktor, erteilte N24 aber immerhin einen mehrjährigen Auftrag als Lieferant für die Nachrichten von Sat.1, Pro 7, Kabel eins und das werktägliche Sat.1 Frühstücksfernsehen. N24 beschäftigt insgesamt knapp 300 Mitarbeiter.

Künftig soll die Redaktion der Welt-Gruppe mit der Digitalredaktion von N24 verzahnt werden. Die „Welt“-Redaktion funktioniert neuerdings ohnehin gänzlich anders als andere Zeitungsredaktionen. Alle arbeiten für Welt online und die digitalen Formate, die jetzt im frisch bezogenen Newsroom in der ehemaligen Ullstein-Halle im Erdgeschoss des Konzernsitzes entstehen. Die Zeitung selbst ist nurmehr ein Nebenprodukt, das am Nachmittag aus vorhandenem Material erstellt wird, ähnlich wie schon die Kompaktausgaben von „Welt“ und „Welt am Sonntag“.

N24 wird zudem zentraler Bewegtbildlieferant aller Springer-Marken, also auch der „Bild“-Zeitung. Damit könnte ein weiteres Problem gelöst werden. Alle Zeitungsverlage stehen vor der Herausforderung, ihre printbasierten Digitalangebote um Bewegtbild zu ergänzen. Die FAZ zum Beispiel kooperiert zu diesem Zweck mit Tagesschau 24. Springer versuchte es bisher mehr schlecht denn recht aus eigener Kraft. Nun hat der Konzern mit N24 Profis im eigenen Haus und kann von sich behaupten, über „eine der größten multimedialen Redaktionen in Deutschland“ zu verfügen.

"Online-Magazin neuen Typs"

Geschäftsführer von N24 wird neben „Welt“-Geschäftsführerin Stephanie Caspar und Torsten Rossmann, der bleiben soll, Jan Bayer. Ihm war als Vorstand der Welt-Gruppe nach dem inzwischen vom Kartellamt genehmigten Verkauf von „Berliner Morgenpost“ und „Hamburger Abendblatt“ an die Funke-Gruppe ohnehin ein großer Teil seines Verantwortungsbereichs weggefallen. Bayers Aufgabe wird nun sein, ein tatsächlich multimediales Unternehmen aus N24 und Welt-Gruppe aufzubauen. Als Ziel hat Springer ausgegeben, dass es „im deutschsprachigen Raum das führende multimediale Nachrichtenunternehmen für Qualitätsjournalismus“ wird.

Spannend wird nun, wie das „Online-Magazin neuen Typs“ aussieht. Derzeit arbeitet Noch-„Welt“-Herausgeber Thomas Schmid daran. Springer kündigt sein Erscheinen „für Frühjahr kommenden Jahres“ an. Welche Rolle wird der profilierte Magazinmacher Aust dabei spielen? Welche Georg Mascolo, der ein glänzender Rechercheur ist und in diesen Tagen aus den USA zurückkehrt?

Womöglich würde das Vorhaben Döpfner wieder glaubwürdiger erscheinen lassen, wenn er als gelernter Journalist davon spricht, dass er an Journalismus glaubt und dass dem vom Trägermedium Papier befreiten Journalismus glänzende Zeiten bevorstehen. Ihm war in jüngster Zeit anzumerken, wie sehr er sich ärgerte über das Image des Vorstandschefs eines börsennotierten M-Dax-Konzerns, der sich mal hier an einem publizistikfernen Start-Up beteiligt, mal dort ein publizistikfernes Unternehmen kauft. Schuld daran ist der 920 Millionen Euro teure Verkauf, unter anderem so identitätsstiftender Titel wie „Hamburger Abendblatt“ und „Hörzu“. Viel mehr als „Welt“ und „Bild“ sind nun nicht geblieben, denn gegründet hat Springer in Döpfners Amtszeit bisher keine einzige neue Medienmarke.

Es gab Versuche, vor ein paar Jahren etwa, als im Haus an einem politischen Magazin gewerkelt wurde. Daraus geworden ist nichts, und es reichte auch nicht, manch Gefallenem der Branche ein journalistisches Obdach zu geben. Das könnte sich nun ändern. Das Geld ist da, und je weniger andere Verlage ihre publizistische Tradition pflegen, desto eher könnten seriöse Journalisten folgen – und das, obwohl Springer Springer ist.

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