Bis vor wenigen Jahren ging selbst Medienbeobachtern der Name Südwestdeutsche Medienholding oder gar ihr Kürzel, SWMH, nicht stotterfrei über die Lippen. Das änderte sich schnell, als die verschwiegene Verlagsgruppe Eigentümer der Süddeutschen Zeitung (SZ) wurde und plötzlich zum zweitgrößten deutschen Zeitungsverlag aufgestiegen war – nach Springer zwar, aber vor bekannten Größen wie der WAZ-Gruppe oder M. DuMont Schauberg (MDS), zu der auch diese Zeitung gehört.
So ähnlich mag es nun manchem mit dem Namen Madsack gehen, der glaubt, das sei irgendein Provinzverlag aus Hannover. Weit gefehlt. Still und leise hat sich Madsack nicht nur zum sechstgrößten deutschen Zeitungsverlag, sondern zu einem veritablen nationalen Medienunternehmen gemausert, dessen Flickenteppich aus Zeitungen von Hessen über Niedersachsen nach Mecklenburg-Vorpommern bis Sachsen reicht.
Der Verlag Madsack hat seine Wurzeln im Hannoverschen Anzeiger, der, von dem Drucker August Madsack gegründet, 1893 zum ersten Mal erscheint.
Heute erscheinen in dem Verlag 15 regionale Tageszeitungen. Mit der Märkischen Allgemeinen Zeitung kommt im nächsten Jahr eine weitere dazu.
Zum Jahreswechsel wird das Haus – unter der Voraussetzung, dass das Bundeskartellamt den Kauf genehmigt – außerdem Eigentümer der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ). Der Kaufvertrag wurde am vergangenen Freitag besiegelt. Der Stellenwert der regionalen MAZ mag nicht vergleichbar sein mit der Süddeutschen Zeitung, der Abonnementzeitung mit der höchsten Auflage in Deutschland. Aber, immerhin ist die MAZ die größte Abonnementzeitung Brandenburgs. 136 000 Exemplare verkauft sie im Umland Berlins aktuell und rangiert damit deutlich vor der Lausitzer Rundschau und der Märkischen Oderzeitung im Osten Brandenburgs.
Hoher Investitionsbedarf
Verkauft wurde die Märkische von der FAZ-Gruppe, die sich damit auf ihre beiden nationalen Blätter Frankfurter Allgemeine und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung konzentriert. Nebenbei hat sie sich damit aus der Verantwortung gezogen, Investitionen für die MAZ-Druckerei aufbringen zu müssen. Man sieht es dem weitgehend in schwarz-weiß gedruckten Blatt an: Eine neue Rotationsanlage muss angeschafft werden, die dem Geschäft mit Farbanzeigen Rechnung trägt und für Produktionssicherheit sorgt. „Der Umfang der Investition ist nachhaltig von möglichen zusätzlichen Druckaufträgen abhängig“, hieß es 2009. Immerhin: Auch künftig werden ein Teil der Auflagen von FAZ und FAS bei der MAZ gedruckt werden. Dieser Auftrag ist sicher.
Wer aber steckt hinter Madsack, diesem 1893 gegründete Verlag, der aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) hervorgegangen ist? Den Namen verdankt das Haus zwar August Madsack, und noch immer sitzen Erben von ihm im weit verzweigten Gesellschafterkreis. Mit gut 23 Prozent größter Anteilseigner ist jedoch die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft, kurz DDVG. Die parteieigene Medienholding der SPD ist gemeinsam mit Mehrheitseigentümer M. DuMont Schauberg auch Anteilseigner der Frankfurter Rundschau. Madsack ist für die SPD-Kasse ein Gewinnbringer: 608 Millionen Euro Umsatz erwirtschafteten die 4 300 Madsack-Mitarbeiter im vergangenen Jahr. Der Jahresüberschuss lag bei 10,7 Millionen Euro.
Mit dem Kauf der MAZ kommt Madsack auf eine Gesamtauflage von knapp einer Million Exemplaren
Insgesamt 17 Regionalzeitungen verlegt Madsack neben all seinen anderen Geschäftsfeldern (Hörfunk- und Fernsehbeteiligungen, Briefzustellung, digitale Angebote, Anzeigenblätter), wobei den größten Wachstumsschub 2009 der Kauf der Minderheitsbeteiligungen von Springer an den Lübecker Nachrichten, der Leipziger Volkszeitung und der Ostsee-Zeitung in Rostock verschafft hat. Der Erwerb an den durchweg profitablen Blättern, den sich Madsack 310 Millionen Euro kosten ließ – die Summe wird in Tranchen gestaffelt über mehrere Jahre an Springer bezahlt – war die größte Investition in der Unternehmensgeschichte des ursprünglich rein niedersächsischen Verlags.
Mit dem Kauf der MAZ kommt Madsack nun nicht nur auf eine Gesamtauflage von knapp einer Million Exemplaren. Die Verlagsgruppe ist damit im Osten Deutschlands der größte Zeitungsverlag und deckt mit der Ostsee-Zeitung in Mecklenburg-Vorpommern, der Leipziger Volkszeitung in Sachsen und der MAZ in Potsdam gleich drei Bundesländer ab.
Damit erklärt sich die Strategie, die Madsack mit dem Kauf der MAZ verfolgt und die Unternehmenskasse mit einer hohen zweistelligen Millionensumme belastet. Zum einen lassen sich bei dieser großflächigen Verbreitung Angebote für Anzeigenkunden schnüren, was in der nach wie vor sehr fragmentierten Zeitungslandschaft in Deutschland von Vorteil ist. Zum anderen wird Madsack die profitable MAZ, deren Gewinn bei einem Umsatz von rund 65 Millionen Euro zuletzt 2009 mit 1,4 Millionen Euro angegeben wurde, nicht nur kaufmännisch, sondern auch redaktionell in die vorhandenen Zentralstrukturen einbinden. Der Trend zu größeren Einheiten wird ja auch andernorts praktiziert, um die Erlösrückgänge aus strukturellen Auflagen- und Anzeigenverlusten durch kostensparende Zusammenlegung von Redaktionen aufzufangen.
Gemeinsame Redaktion in Berlin
Madsack hat dazu den früheren Chefredakteur der Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung, Manfred von Thien, Anfang dieses Jahres zum „Beauftragten des Verlegers“ berufen und in Berlin eine Gemeinschaftsredaktion gegründet. Das Themen- und Artikel-Angebot dieses Hauptstadt-Pools steht allen Madsack-Zeitungen zur Nutzung frei, wobei die jeweiligen Chefredakteure eigenständig auswählen, von Thien aber derjenige ist, der die Printkooperation konzernübergreifend koordiniert. Noch sei das zwar alles kein Thema für die MAZ, und zunächst sei das grüne Licht des Kartellamts abzuwarten, heißt es aus Hannover. Über kurz oder lang wird jedoch ein wesentlicher Teil der überregionalen Berichterstattung mitsamt Servicethemen aus Berlin nach Potsdam geliefert werden, während sich die Potsdamer vor allem auf die regionale Berichterstattung in den 15 Lokalausgaben der MAZ konzentrieren sollen.
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