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Medien

14. Januar 2013

Medienbericht: Schleichwerbung bei "Wetten, dass..?"

 Von Ulrike Simon
Thomas Gottschalk zeigt sich gern mit Autos.Foto: afp

Der Unmut über die Öffentlich-Rechtlichen wird lauter: Neben dem Ärger wegen des neuen Rundfunkbeitrags gibt es nun auch Vorwürfe systematischer Schleichwerbung bei der ZDF-Sendung "Wetten, dass..?".

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Der Unmut über die Öffentlich-Rechtlichen wird lauter: Neben dem Ärger wegen des neuen Rundfunkbeitrags gibt es nun auch Vorwürfe systematischer Schleichwerbung bei der ZDF-Sendung "Wetten, dass..?".

Sobald die Bild-Zeitung einem Thema besonders viel Platz einräumt und die Überschriften besonders groß druckt, ist Misstrauen geboten. So auch bei der behaupteten „Wut-Welle“ wegen der neuen, alten Rundfunkgebühr. Sie heißt seit Anfang des Jahres nicht mehr Gebühr, sondern Beitrag, bezahlt wird sie nicht mehr geräte-, sondern haushaltsabhängig, sie beträgt aber unverändert 17,89 Euro monatlich.

Ohne die Umstellung wäre der Rundfunkbeitrag auf 18,16 Euro gestiegen, denn für den Zeitraum von 2013 bis 2016 hatte die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) ARD, ZDF und Deutschlandradio einen Mehrbedarf von insgesamt 304 Millionen Euro zugestanden. Die KEF empfahl jedoch, den Beitrag stabil zu halten, da derzeit niemand – auch nicht diejenigen, die es behaupten – weiß, zu welchen Mehr- oder Mindereinnahmen die Umstellung auf die haushaltsbezogenen Beitrag führt. Steigen die Einnahmen, soll der Beitrag sinken.

Trotzdem ist Unmut gegen die Öffentlich-Rechtlichen angebracht. Das zeigt die aktuelle Titelgeschichte des Magazins Der Spiegel, dem Verträge vorliegen, die zeigen, wie Unternehmen gegen viel Geld verbotene Werbung bei „Wetten, dass..?“ lanciert haben. Dolce Media, die Firma der Brüder Thomas und Christoph Gottschalk, hatte – so formuliert es Frank Asbeck, Chef der Solarenergie-Firma Solarworld, „einen wasserdichten Weg gefunden, wie es eben doch geht“: indem unter Zuschauern, die den Wettkönig wählen, ein Carport mit Solardach für 10 000 Euro verlost wurde. Neben den Dächern war das Solarworld in der Staffel 2010/2011 eine Million Euro wert.

Auch war detailliert vereinbart, mit welchen Worten, Bildeinstellungen und wie lange Autos in „Wetten, dass..?“ präsentiert werden sollten. Nach Spiegel-Recherchen zahlte DaimlerChrysler 2004 bis 2006 pro Jahr 1 250 000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer und überließ dem „Herrn Gottschalk während der Vertragslaufzeit einen gemeinsam ausgesuchten Mercedes-Benz zur Nutzung in Europa“, etwa einen CL 600 zum damaligen Listenpreis von mindestens 133 516 Euro.

Knauserig trotz Milliardeneinnahmen

Warum das ZDF die Gottschalk-Brüder gewähren ließ und sich mit der Vorlage unvollständiger Vertragsentwürfe zufriedengab, erklärt der heutige Intendant Thomas Bellut, damals Programmchef, damit, „dass Gottschalk für den Sender damals so wichtig war“. Die Praxis gehöre der Vergangenheit an: „Die Vermarktung der Markenrechte und die Akquise von Gewinnspielpreisen aus einer Hand gibt es nach Gottschalk nicht mehr.“ Der aktuelle Vertrag mit Audi läuft im Sommer aus.

Ärgerlich daran ist, dass durch das Geld ihrer Zuschauer die Öffentlich-Rechtlichen solche Mauscheleien gar nicht erst nötig haben müssten. Dagegen sind vereinzelte irrtümliche Abbuchungen bei der Umstellung von rund 42 Millionen Beitragskonten holprige Begleiterscheinungen. Natürlich ist zu klären, ob die Klage jenes Passauer Juristen vor dem bayerischen Verfassungsgerichts berechtigt ist. Er erkennt im haushaltsabhängigen Rundfunkbeitrag eine unzulässige Steuerabgabe. Dasselbe gilt für die Klagen aus der Wirtschaft, die bisher mit einem Anteil von nur acht Prozent zum Gebührenaufkommen beiträgt: So protestieren die Drogerieketten dm und Rossmann, der Einzelhändler Rewe und die Autovermieter Europcar und Sixt, weil sie nun auch abhängig von der Zahl der Betriebsstätten, Mitarbeiter und Fahrzeuge Beiträge zahlen müssen. Das führt zu deutlich höheren, teilweise zu einer Vervielfachung der Summen. Die meisten Unternehmen haben das erst zu Beginn dieses Jahres festgestellt.

Richtig ärgerlich ist dagegen immer wieder hören zu müssen, wie knauserig trotz der Milliardeneinnahmen vor allem freie Mitarbeiter öffentlich-rechtlicher Anstalten bezahlt werden, wie Mitarbeiter wegen Kleckerbeträgen feilschen müssen, Programmideen an verquasten Strukturen scheitern und Energie in der Verwaltung versickert. Im Unterbau herrscht Mangel. Zumindest teilweise merken das inzwischen auch die Senderspitzen, im Mittelbau scheint das nicht anzukommen. Die Strukturen zu reformieren ist aber Aufgabe der Senderspitzen.

Im Grunde aber kann niemand tatsächlich die Existenzberechtigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks infrage stellen. In diesen Tagen zog der Dreiteiler „Adlon“ Millionen Zuschauer in Bann. Kein privater Musiksender bietet einem Markus Kavka die Plattform für seine von ZDF Kultur gesendeten Interviews mit Musikern. Und welche Nachrichtensendung der Privaten ist ernsthaft satisfaktionsfähig? Es stimmt natürlich: Potenzial, es besser zu machen, gibt es reichlich.

Die Bild-Zeitung rechnet vor, dass Italiener monatlich nur 9,08 Euro für ihr Rundfunksystem zahlen. Mit 17,89 Euro seien die Deutschen Weltmeister. Aber wer wünscht sich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen italienische Verhältnisse? In Norwegen und der Schweiz liegt der Beitrag übrigens bei monatlich mehr als 30 Euro, in Dänemark bei knapp 27, in Österreich bei 23 und in Schweden immerhin bei mehr als 20 Euro.

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